Erstellt am 13. Februar 2015, 21:39

von APA/Red

"Troika" und Athen sprechen wieder über künftige Hilfe. Knapp drei Wochen nach der Wahl in Griechenland haben Experten der internationalen Gläubiger wieder Gespräche mit der griechischen Seite aufgenommen.

In Brüssel kamen am Freitagvormittag Vertreter von EU, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF) mit griechischen Regierungsexperten zusammen, wie ein hochrangiger EU-Vertreter sagte.

Entgegen der deutschen Position gibt es dem EU-Vertreter zufolge auch die "Option", dass das laufende Hilfsprogramm nicht verlängert wird. Der griechische Regierungschef Alexis Tsipras hatte am Donnerstag am Rande des EU-Gipfels den Expertengesprächen zugestimmt, nachdem am Mittwoch eine Einigung bei einem Finanzministertreffen der Eurozone in der Frage zunächst gescheitert war. Das Treffen dient nun der Vorbereitung des regulären Euro-Finanzministertreffens am Montag.

Tsipras pochte trotz der vereinbarten Gespräche beim EU-Gipfel darauf, dass die Troika "nicht mehr existiert", die bei Griechenlands Bevölkerung zum Symbol für ein jahrelanges Spardiktat geworden ist. "Aus Rücksicht" auf Griechenland wird das Gläubiger-Trio nun offiziell nicht mehr so genannt, wie ein Sprecher des deutschen Finanzministeriums in Berlin bestätigte. Wenn Begriffe als "obsolet" gelten, könnten diese ersetzt werden.

Griechische Regierung will Lockerung der Auflagen

Ziel der Expertengespräche sei "eine Bestandsaufnahme" der Finanzlage Griechenlands und Vorschläge, wie das derzeitige Hilfsprogramm für Athen und die griechischen Pläne für eine Lockerung der Spar- und Reformauflagen vereinbar sein könnten, sagte der EU-Vertreter. Die Experten müssten vor dem Finanzministertreffen Zahlen und Fakten zusammentragen.

Die linksgeführte griechische Regierung will aus dem laufenden Programm aussteigen, um eine Lockerung der bisherigen Spar- und Reformauflagen zu erreichen. "Der Übergang zu einem neuen Programm ist fortan einziger Gegenstand der Gespräche" und des Treffens der Finanzminister der Eurozone am Montag, hatte Tsipras am Donnerstag beim EU-Gipfel gesagt.

Dem EU-Vertreter zufolge sind die Euro-Partner offen, was die künftige Ausgestaltung der Hilfe angeht. Bisher pochen Länder wie Deutschland darauf, dass Athen das Ende Februar auslaufende Hilfsprogramm verlängert, wenn es weitere Unterstützung will. Dies ist dem EU-Vertreter zufolge aber nicht zwingend: "Es wäre möglich, das Programm nicht zu verlängern und zu sagen, wir beginnen Gespräche auf der Basis eines neuen Programms." Der Sprecher des Berliner Finanzministeriums bekräftigte dagegen, Deutschland sehe nur die Möglichkeit, das laufende Programm zu verlängern.

EZB erlaubt Geldhäusern Zugang zu Nothilfen

Die Einigung auf Expertengespräche im Schuldenstreit mit Griechenland trieben die Kurse an der Athener Börse weiter nach oben. Der Leitindex der griechischen Börse legte am Freitagvormittag in den ersten Handelsminuten um über 7,6 Prozent zu. Überdurchschnittlich stark profitierten Banktitel. Schon am Donnerstag hatten die Kurse der Unternehmen an der Athener Börse 6,7 Prozent an Wert gewonnen

Positiv aufgenommen wurden am Freitag auch die jüngsten Wachstumszahlen. Wie die griechische Statistikbehörde Elstat mitteilte, wuchs die griechische Wirtschaft im vierten Quartal 2014 um 1,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Elstat zufolge hat damit die Konjunktur zum dritten Mal in Folge zugelegt und das Land die sechsjährige Rezessionsphase endgültig hinter sich gelassen.

Die Europäische Zentralbank (EZB) erlaubt griechischen Geldhäusern laut Bankenkreisen wegen des hohen Abflusses von Kundeneinlagen den Zugang zu Nothilfen. Die Abflüsse hätten sich auf zuletzt auf 300 bis 500 Millionen Euro täglich summiert, sagten Mitarbeiter zweier Banken am Freitag der Nachrichtenagentur Reuters. An einigen Tagen könnten es sogar mehr als eine Milliarde Euro gewesen sein. Grund sei der ungewisse Ausgang des Schuldenstreits zwischen der neuen Regierung und den Euro-Partnern.