Erstellt am 07. August 2014, 21:05

von Wolfgang Wallner

Europa-League-Abschied für tapfere Wölfe. Nach einem 0:1-Auswärtsniederlage und einem 2:3 im Rückspiel ist das "Abenteuer Europa" für den SKN St. Pölten vorbei. Was bleibt: Begeisternde Auftritte und Rückenwind für die Meisterschaft.

Riesenapplaus, stehende Ovationen und ein Feuerwerk für die Kicker des SKN St. Pölten, die sich trotz der 2:3-Niederlage prächtig verkauft haben gegen den PSV Eindhoven. "An solchen Spielen wächst die Mannschaft", hofft Trainer Herbert Gager.

Mit „Knipser“ Gary Noel statt Konterspezialist Bernhard Fucik gab SKN-Coach vor 8.000 Fans die Marschroute vor. Und bald legten die „Wölfe“ den anfänglichen Respekt ab.

Marcel Holzmann (9.) vergab im Tiefflug die erste Halbchance, drei Minuten später tanzte Konstantin Kerschbaumer unbedrängt 30 Meter tief in die Eindhoven Hälfte – und schloss auch mit einem guten Distanzschuss über das Tor ab. Einen Holzmann-Freistoß pflückte in der nächsten Szene Keeper Jeroen Zoet von Segovias Köpfchen. Jeffrey Bruma (14.) und Luciano Narsingh (26.) deuteten mit ihren Chancen an, dass die Niederländer besser ins Spiel fanden.

Zwei Tore reichten leider nicht aus

Und schon klingelte es: Austro-Legionär Marcel Ritzmaier spielte eine Überzahl-Situation klug aus, sah auf links Jürgen Locadia – der ließ mit einem Flachschuss ins lange Eck Keeper Christoph Riegler, der heuer erstmals zum Einsatz kam, keine Chance (28.). Nun müssten schon drei Tore her für ein St. Pöltner Fußballwunder.

Ritzmaier war's auch, der nach Maher-Vorlage die Möglichkeit auf's 0:2 vergab (31.). Das hätte sich beinahe gerächt – bei einer Spielerei der Holländer kam Daniel Segovia an den Ball, versuchte es per Ferserl: knapp vorbei (33.).

Zur Pause reagierte Trainer Gager, brachte Michael Ambichl für den angeschlagenen Spanier Parada. Ambichls Lochpass auf Segovia wurde allerdings von Bruma abgelaufen (49.). Doch plötzlich lebt sie wieder, die SKN-Chancen – durch einen unglaublichen 30-Meter-Hammer von Daniel Segovia. Der verdutzte Keeper Zoet lässt das Leder passieren zum 1:1. (56.). Die NV-Arena bebt!

Bei einem Kerschbaumer-Corner scheitert Martin Grasegger am langen Pfosten (60.), ein Ambichl-Distanzschuss zischt am Gehäuse vorbei. Nun wurde es auch Eindhoven-Coach Philipp Cocu zu bunt: Er brachte WM-Starter Memphis Depay für Luciano Narsingh. Gleich die nächste SKN-Chance: Doch im Herauslaufen war PSV-Goalie Zoet schneller als Dominik Hofbauer.

Depay macht den Unterschied

Mit einem gut angetragenen Schuss knapp über den Kasten nach Maher-Zuspiel führte sich Teamspieler Depay gleich ein (64.). Wieder Depay: Huber und Kostner behinderte sich gegenseitig, das 1:2 lässt alle Träume endgültig platzen. Die geschockten St. Pölten plötzlich offen wie ein Scheunentor: De Jong nützte das aus, drückte nach Depay-Kopfballaufsetzer zum 1:3 ein (70.).

Der SKN fing sich noch einmal. Nach einem Segovia-Kopfball hielt Martin Grasegger drauf, sein Schuss wurde am Fünfer abgeblockt (76.). Bei einem Hofbauer-Freistoß von rechts (86.) auf's kurze Eck warf sich Oscar Hiljemark in den Schuss. Kostner bewahrte bei einem Hiljemark-Schuss seine „Wölfe“ vor dem 1:4 (88.).

Einmal brandet noch Jubel auf, nach einem Stanglpass von „Joker“ Manuel Hartl schiebt Konstantin Kerschbaumer zum Anschlusstreffer ein. Und in der Nachspielzeit hatten Tomasz Wisio und Manuel Hartl sogar noch den Ausgleich am Fuß. Das Fazit aus Wölfe Sicht: Der SKN ist zwar ausgeschieden, hat aber auf internationaler Bühne ein Ausrufezeichen gesetzt.


Stimmen & Sprüche

SKN-Trainer Herbert Gager: „Ich bin stolz auf die Mannschaft, kann ihr keinen Vorwurf machen. Trotzdem wäre in beiden Partien mehr möglich gewesen. Was uns fehlt ist die Erfahrung. Die können unsere Spieler ja auch nicht haben. Für ihre ersten Europa-League-Auftritte hat sich die Mannschaft super verkauft.“

Eindhovens Trainer Philipp Cocu: „Wie schon in Eindhoven hat St. Pölten ein gutes Spiel gemacht. Das ist ein gut formiertes, gut organisiertes Team. Sie haben vielleicht keinen herausragenden Spieler, aber sie sind wirklich ein Team. Daher sind sie auch schwer zu schlagen. Heute haben sie ein bisschen mehr aufmachen müssen, die Räume haben wir genützt.“

St. Pöltens Offensivmann Dominik Hofbauer: „Diese Partien gegen Eindhoven waren für uns ein Eintauchen in die große Fußballwelt. Uns fehlt in den entscheidenden Momenten die Cleverness. Normalerweise darfst du dich im eigenen Stadion nicht auskontern lassen.“

Landeshauptmann Erwin Pröll: „Der SKN hat uns allen richtig Freude gemacht. Die Mannschaft hat für ein Fußballfest gesorgt, das Publikum ist super mitgegangen. Man darf ja nicht vergessen, wer heute der Gegner war.“

Sportlandesrätin Petra Bohuslav: „Ich bin einfach nur begeistert. Die Burschen haben gezeigt, was in ihnen steckt. Diese Leistungen müssen sie jetzt in der Ersten Liga konstant abrufen.“

SKN-Kicker Michael Ambichl: „Wir haben immer an unsere Chance geglaubt, nach dem Ausgleichstreffer aber vielleicht zu viel gewollt. Dadurch haben wir PSV Raum zum Kontern gegeben.“

SKN-Torschütze Konstantin Kerschbaumer: „Vor so einer traumhaften Kulisse zu spielen beflügelt. Wir haben gezeigt, dass wir mithalten können und die große Bühne gar nicht so weit weg ist.“

St. Pöltens Mittelfeldmann Manuel Hartl: „Klassenunterschied habe ich keinen gesehen, Eindhoven war bloß cleverer. Sie haben’s eiskalt ausgenutzt, dass wir offensiver auftreten mussten. Und waren im entscheidenden Augenblick da.“

SKN-Obmann Gottfried Tröstl: „Es war ein absolutes Highlight für den ganzen Verein. Jetzt gilt es, den Fokus wieder komplett auf die Meisterschaft zu richten. Ich bin zuversichtlich, dass die Mannschaft jetzt nicht in ein mentales Loch fällt. Wir haben ein erfahrenes Trainerteam, das diese Dinge genau ansprechen wird.“

St. Pöltens Sportmanager Christoph Brunnauer: „Grundsätzlich war’s eine Top-Leistung. Bitter war’s, dass wir das erste Tor aus einem Konter bekommen haben. Damit war die Partie praktisch entschieden.“


Facts & Figures

 SKN St. Pölten – PSV Eindhoven 2:3 (0:1).-
Torfolge: 0:1 (28.) Locadia, 1:1 (56.) Segovia, 1:2 (68.) Depay, 1:3 (70.) De Jong, 2:3 (90.) Kerschbaumer.
Gelb: Hartl; Bruma.
St. Pölten: Kostner; Grasegger, Huber, Wisio; Stec (77.Hartl), Hofbauer, Parada (46. Ambichl), Kerschbaumer, Holzmann;  Noel (73. Fucik), Segovia.
Eindhoven:  Zoet; Brenet, Bruma, Hendrix,  Tamata; Maher, Hiljemark, Ritzmaier (81. Vloet); Narsingh (61. Depay), De Jong, Locadia (73. Arias).
SR Dias (Portugal).- NV-Arena, 8000.