Erstellt am 30. September 2016, 11:24

"Gutes Gefühl" bei Austria nach 0:0 gegen Pilsen. Austria Wien hat am Donnerstag erstmals seit fast zwei Monaten wieder ein Spiel zu Null über die Bühne gebracht.

Cheftrainer Fink sah "selten ein so gutes 0:0"  |  APA

Nicht nach Plan lief in der Fußball-Europa-League gegen Viktoria Pilsen, dass diesmal vorne kein Treffer gelang. In der Nachbetrachtung überwogen trotzdem die positiven Erkenntnisse. "Ich habe selten ein so gutes 0:0 von unserer Mannschaft gesehen", meinte FAK-Coach Thorsten Fink.

Der Deutsche betonte, dass sein Team ein "sehr, sehr gutes Spiel" gemacht habe. "Es waren sehr viel gute Duelle drin auf den Außenbahnen. Auch in der Abwehr waren wir sehr, sehr aggressiv und eigentlich in allen Mannschaftsteilen die bessere Mannschaft", stand für Fink fest. Das Thema Chancenverwertung stand für ihn unmittelbar nach dem Spiel nicht auf der Agenda.

"Wir hätten uns sicher den Sieg verdient, aber wir nehmen auch den Punkt mit", fasste Robert Almer einen eher ruhigen Arbeitstag zusammen. "Sie haben eigentlich nur in der zweiten Hälfte diese Kopfball-Chance gehabt. Ansonsten war nicht wirklich was", gab der Tormann zu Protokoll. "Wir haben zu Null gespielt, haben nach zwei Spieltagen vier Punkte. Da darf man nicht unzufrieden sein", meinte Alexander Grünwald.

"Das Gefühl ist gut", sagte Felipe Pires, der auf der linken Angriffsseite von den Pilsen-Verteidigern oft nur mittels Foul gestoppt werden konnte. Auch das vermeintliche Abseitstor von Olarenwaju Kayode in der 64. Minute drückte nicht nachhaltig auf das Gemüt. "Sehr schade, aber so ist Fußball", formulierte der dribbelstarke Brasilianer nüchtern. "Es war sehr, sehr schwer für den Linienrichter zu sehen, muss man auch fairerweise sagen", betonte Fink.

Mit vier Punkten sieht sich die Austria im Hinblick auf die Konkurrenz in der Gruppe E im Plan. Die anstehenden zwei Partien gegen die AS Roma am 20. Oktober (a) und 3. November (h) seien nun fußballerische Schmankerl. "Wir wollen sie auch beeindrucken, das ist ganz klar. Wenn wir defensiv ähnlich gut arbeiten wie heute, haben wir auch dort eine Chance", sagte der 48-Jährige, der als Trainer des FC Basel in der Champions League bzw. Europa League zweimal gegen die Römer gewonnen hat.

Das Remis gegen den tschechischen Meister Pilsen war das erste Spiel der "Veilchen" ohne Gegentor nach 90 Minuten seit dem 4. August. Beim Drittrunden-Qualifikations-Rückspiel auswärts gegen Spartak Trnava hatte Kevin Friesenbichler die Austria mit seinem 1:0 in die Verlängerung gebracht, im Elfmeterschießen setzten sich die Violetten 5:4 durch. "Mir ist das eigentlich gleich, ob wir zu Null spielen oder nicht. Wenn wir die Spiele 4:3 gewinnen, soll es mir auch recht sein", maß Almer diesem Faktum keine große Bedeutung bei.

Zentraler Bestandteil einer stets sicheren Abwehr im Happel-Stadion war Innenverteidiger Patrizio Stronati, der erstmals seit 9. Februar wieder bei den Profis zum Einsatz kam. Damals durfte der in Italien geborene Tscheche im Cup-Viertelfinale bei einem 1:0-Sieg gegen den LASK mitwirken. "Er war für mich die Überraschung des Spiels", erklärte Fink, der zugab, im Vorfeld wenig Vertrauen in den "Notnagel" gehabt zu haben. "Jetzt spielen wir ausgerechnet gegen Pilsen in Tschechien, wo er herkommt, und er macht eine Topleistung."

Auf absehbare Zeit wird es der 21-jährige Stronati, der für gewöhnlich bei den Amateuren in der Regionalliga spielt, aber weiter schwer haben. "Wenn wir gegen Mannschaften spielen, die viel weniger Ballbesitz haben als wir, wird es von der Spieleröffnung ganz anders. Da muss er sich verbessern", dozierte Fink. "Aber wenn er mir die Leistung anbietet, freue ich mich auf die Zukunft mit ihm". In der Meisterschaft steht Fink am Sonntag gegen den SKN St. Pölten (19.00 Uhr) der in der Europa League gesperrte Lukas Rotpuller wieder zur Verfügung.

Großes Kompliment gab es von allen Beteiligten in Violett an die 16.509 Zuschauer. "Sie haben meine Mannschaft am Ende noch einmal nach vorne getrieben, so dass man noch mal Gas geben kann. Da sieht man wieder, wie wichtig es ist, dass unsere Jungs von vielen Zuschauern angetrieben werden", sagte Fink. "Es macht schon einen großen Unterschied, ob 5.000 im Stadion sind oder 16.000, die bis zur letzten Minute anfeuern", bestätigte auch Kapitän Almer. "Besser, wenn es immer so ist", merkte Pires an.