Erstellt am 02. April 2014, 20:16

Europa sucht Neuanfang: Afrika als gleichberechtigter Partner. Die Europäische Union will ihre Beziehung zu Afrika neu ausrichten und zu einer gleichberechtigten Partnerschaft ausbauen.

 |  NOEN, APA (epa)
EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso sagte am Mittwoch beim EU-Afrika-Gipfel in Brüssel, es gehe um ein Verhältnis auf Augenhöhe und mit gegenseitigem Respekt.

Verstärktes wirtschaftliches Interesse an Afrika

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel betonte: „Der Nachbarkontinent Afrika gewinnt an Bedeutung." Sie warb dafür, vor allem die Chancen des Kontinents zu sehen „und nicht immer nur die Probleme".

Dahinter steht auch ein verstärktes wirtschaftliches Interesse Europas an Afrika. Die EU will den Handel vorantreiben und europäischen Unternehmen Anreize geben, mehr in Afrika zu investieren. Denn viele afrikanische Länder sind ökonomisch erfolgreich und als Handelspartner interessant.

EU-Afrika-Gipfel dauert bis Donnerstag

Die Staats- und Regierungschefs aus der EU und Afrika beraten bei dem zweitägigen Treffen bis Donnerstag über eine bessere politische und wirtschaftliche Zusammenarbeit. Rund 90 Delegationen aus den 28 EU-Staaten und den 54 afrikanischen Ländern sind dazu angereist.

EU-Gipfelchef Herman Van Rompuy sagte, er hoffe, dass das Treffen „einen neuen Schritt in unseren Beziehungen zu Afrika markiert". Er betonte: „Es liegt jetzt an uns als politische Führung, die Prioritäten für die Zukunft zu setzen."

Die Vorsitzende der Afrikanischen Union, Nkosazana Dlamini-Zuma, sagte, Afrika sei ein schnell wachsender und sich wandelnder Kontinent. Zuma lobte den Einsatz der Europäer, etwa bei der Friedenssicherung. Es bleibe aber viel zu tun, egal ob im Bereich Klimaschutz, Konflikte oder bessere Bildungschancen für die Menschen.

Unterstützung nach Putsch in Zentralafrikanischer Republik

Eine wesentliche Rolle spielt aber auch die Lage in der krisengeschüttelten Zentralafrikanischen Republik. Dort ist nach einem Putsch muslimischer Rebellen vor einem Jahr die Gewalt zwischen christlichen und muslimischen Milizen eskaliert.

Derzeit versuchen 2000 französische und 5500 afrikanische Soldaten, den Konflikt einzudämmen. Unterstützung sollen sie von einer bis zu 1000 Mann starken Truppe der Europäischen Union erhalten. Am Dienstag hatte die EU den Weg für deren Einsatz frei gemacht.

Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) sagte Hinblick auf die Zentralafrika-Mission: „Wir sind schon bei Afrika-Einsätzen etwa mit neun Offizieren im Hauptquartier in Griechenland vertreten, aber unser Haupteinsatz zu Friedensmissionen ist es zur Stunde nicht."

UN-Generalsekretär Ban Ki-moon fordert mehr Hilfe

Kurz vor dem Beginn des eigentlichen Gipfels setzten sich jeweils 15 Staats- und Regierungschefs aus Europa und Afrika zusammen, um über die Lage in Zentralafrika zu beraten. In einer gemeinsamen Erklärung begrüßten sie das internationale Eingreifen und riefen die Menschen in dem Land dazu auf, die Waffen niederzulegen.

UN-Generalsekretär Ban Ki-moon forderte von den Europäern mehr Hilfe für die Zentralafrikanische Republik - in Form von Soldaten, Polizeikräften und finanzieller Hilfe: „Wir müssen schnell handeln, um das Töten zu beenden und die Zivilbevölkerung zu schützen."

Kanzlerin Merkel kündigte an, bei dem Gipfel werde es auch eine gemeinsame Erklärung zur Flüchtlingspolitik geben. Italiens Marine hat nach Angaben vom Mittwoch erneut mehr als 700 Flüchtlinge aus Nordafrika aufgenommen, die auf dem Mittelmeer mit ihren Booten Europa ansteuerten.

Die deutsche Regierung hatte angekündigt, die Entwicklungshilfe für Afrika um 100 Millionen auf 1,3 Milliarden Euro jährlich aufzustocken. Damit fließt mehr als die Hälfte der deutschen Entwicklungsgelder auf diesen Kontinent.