Erstellt am 10. April 2014, 15:31

Europarat entzieht Russland das Stimmrecht. Die parlamentarische Versammlung des Europarates hat den 18 russischen Abgeordneten wegen der Ukraine-Krise vorläufig das Stimmrecht entzogen.

Die Versammlung hat am Donnerstag in Straßburg diese Strafe mit einem Ausschluss aus Führungsgremien der Versammlung und Beobachtermissionen des Europarates verschärft. Die Sanktion gilt bis Ende des Jahres. Verknüpft wurde damit auch eine Drohung: Wenn Russland die Annexion der Krim nicht rückgängig macht, dann könnten die Russen auch ausgeschlossen werden, hieß es in der am Donnerstag mit großer Mehrheit angenommenen Resolution.

Die Russen können sich an den Debatten beteiligen, dürfen jedoch nicht abstimmen. Eine weitergehende Forderung, die 18 russischen Abgeordneten komplett auszuschließen, wurde zurückgewiesen. In der Debatte wurde die Annexion der Krim als Verstoß gegen internationales Recht scharf verurteilt. Die russische Delegation reagierte verärgert und verließ aus Protest den Sitzungssaal.

Parlamentarier aus westlichen Ländern traten gemäßigt auf und wollten den Dialog mit Russland nicht abbrechen. "Wir wollen nicht in das Verhalten des Kalten Krieges zurückfallen", sagte der Vorsitzende des Monitoring-Ausschusses, der österreichische Bundesrat Stefan Schennach. Viel radikaler sahen es Vertreter aus Georgien, der Ukraine, Litauen und Polen: "Putin ist ein Diktator, und Stalin ist sein Vorbild. Putins Vorgehen in der Ukraine ist schlecht für den Frieden in Europa und nur gut für den russischen Imperialismus", sagte etwa der nationalkonservative Abgeordnete Zbigniew Girzynski aus Polen.

Damit sind die angespannten Beziehungen zwischen der Staatenorganisation und Russland auf einem Tiefpunkt angelangt. Russland steht regelmäßig in der Kritik der Menschenrechtler. Die meisten Grundrechtsbeschwerden vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte kommen aus Russland. Immer wieder wird die Regierung in Moskau zu hohen Geldstrafen verurteilt, oft wegen Übergriffen im Tschetschenienkrieg.

Die Versammlung der 47 Europaratsländer hatte den Russen bereits früher das Stimmrecht entzogen - im April 2000 wegen des Tschetschenien-Krieges. Als russische Truppen 2008 in Georgien einrückten, hat der Europarat auf Sanktionen verzichtet. Zwar kritisierten die Abgeordneten die russische Militäraktion, doch wollten sie den Dialog mit den Volksvertretern aus Moskau beibehalten. Der Europarat fördert die Demokratie in Ost und West und wacht über die Einhaltung der Grundrechte.