Erstellt am 03. Juli 2016, 17:29

von APA/Red

Hamilton erstmals Sieger in Spielberg. Erst in einer dramatischen Schlussrunde ist am Sonntag der Formel-1-Grand Prix von Österreich entschieden worden. Nach einem Crash mit dem führenden Mercedes-Teamkollegen Nico Rosberg setzte sich Weltmeister Lewis Hamilton in Spielberg vor Red-Bull-Jungstar Max Verstappen und Kimi Räikkönen im Ferrari durch. Rosberg wurde Vierter und hat in der WM nur noch elf Zähler Vorsprung auf Hamilton.

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Diesmal krachte es aber erst am Ende. Die Pfiffe bei der Siegerehrung gegen Hamilton entbehrten dennoch jeder Grundlage. Denn es war Rosberg, der in Kurve zwei dem angreifenden Hamilton innen ins Auto fuhr und sich dabei den eigenen Boliden beschädigte. Laut Mercedes war das Bremssystem bei Rosberg defekt.

Während Hamilton über den Notausgang auf die Piste zurückkehrte und kurz vor einer Gelb-Phase seinen Haupt-Konkurrenten doch noch überholte, schleppte der Deutsche seinen beschädigten Mercedes ins Ziel. Gegen beide Fahrer gab es nach dem Rennen Untersuchungen.

Der Start in den 29. Formel-1-WM-Lauf in Österreich hatte zunächst unter wolkenverhangenem Himmel, aber auf bis zum Schluss trockener Strecke gut geklappt. Die nach den Rückversetzungen des Quali-Zweiten Rosberg auf Platz sechs und Sebastian Vettel auf Startplatz neun spannende Startaufstellung mit Nico Hülkenberg (Force India) auf zwei und dem McLaren von Jenson Button auf drei, hielt aber nicht, was sie versprach.

Beide Außenseiter wurden relativ rasch durchgereicht, und schon in der neunten Runde kamen die Fahrer mit dem weichsten Rennreifen erstmals an die Box. So in Runde elf auch Rosberg, der dann gleich zur härtesten Mischung griff. Gleich agierten dann später auch die mit den mittelharten Pirellis los gefahrenen Red Bulls.

Relativ spät kam der führende Pole-Mann Hamilton an die Box. Es wäre fast die rennentscheidende Szene geworden, denn beim Briten klemmte links hinten das Rad, dadurch übernahm Rosberg in der 22. von 71 Runden die Führung.

Und zwar, weil es dem am längsten draußen gebliebenen Vettel in der 27. Runde den rechten Hinterreifen zerriss. Der deutsche Vierfach-Weltmeister löste dadurch eine Safety-Car-Phase aus und hatte an seinem 29. Geburtstag nichts mehr zu feiern.

Mercedes splittete ab da die Strategien und schraubte auf den Hamilton-Boliden härtere Reifen als auf den von Rosberg. Dennoch saugte sich der Weltmeister im Finish mit Rekordrunden immer näher an Rosberg heran. Als der Deutsche anfangs der letzten Runde mit offenbar defektem Break-by-Wire-System kämpfte, kam es zur entscheidenden Szene: Rosberg lenkte in der Bergauf-Rechtskurve zwar erst nach der Berührung von Hamiltons Auto ein, das könnte aber auch mit den Bremsen zu tun gehabt haben.

"Ich war sicher, das Ding zu gewinnen. Das Rennen noch so zu verlieren, ist eine Riesenenttäuschung", trauerte der zweifache Österreich-Sieger Rosberg einem Spielberg- Hattrick nach.

Hamilton war nach seinen ersten Triumph in Österreich hingegen glücklich. "Es war ein unglaubliches Rennen. Ich liebe Österreich", sagte Hamilton nach seinem 46. GP-Erfolg und dem 250. insgesamt eines Briten in der WM.

Die Pfiffe fochten den Briten offenbar nicht an. "Ich weiß auch nicht, warum sie das tun. Aber es ist nicht mein Problem", gab sich Hamilton cool und erklärte: "Nico hat einen Fehler in Kurve eins gemacht, deshalb bin ran gekommen. Ich bin hier, um zu gewinnen."

Am Ende wäre Verstappen fast wieder der große Profiteur der andauernden Mercedes-Fehde geworden. Der von tausenden niederländischen Fans angefeuerte Jungstar kam mit einem Reifenwechsel weniger über die Runden und jubelte aber auch über Platz zwei. Es war der erste Podest-Platz von Red Bull Racing beim Heimrennen.

"Das ist ein unglaublicher Tag. Ich hatte ein tolles Auto und habe es unglaublich genossen", strahlte der 18-Jährige. "An so etwas könnte ich mich gewöhnen", sagte Verstappen. Teamkollege Daniel Ricciardo wurde Fünfter.

Motorsportchef Toto Wolff schüttelte angesichts der Fehde, die Mercedes fast schon wieder beide Autos gekostet hätte, den Kopf. "Ich verstehe nicht, was in deren Köpfen vorgeht", kritisierte der Wiener nach dem Rennen und versprach: "Wir werden uns ernsthaft unterhalten müssen."