Erstellt am 03. Juni 2015, 23:13

FBI ermittelt zu WM-Vergabe an Russland und Katar. Die US-Bundespolizei (FBI) untersucht bei ihren Ermittlungen gegen die FIFA internen Quellen zufolge auch die WM-Vergabe an Russland und Katar.

 |  NOEN, APA (Archiv/epa)

Die Nachforschungen gingen über das Korruptionsverfahren hinaus, in dessen Rahmen in der vergangenen Woche mehrere hochrangige FIFA-Funktionäre angeklagt worden seien, erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters aus US-Ermittlerkreisen.

Laut Vergabe durch die FIFA sollen die Weltmeisterschaft 2018 in Russland und 2022 in Katar ausgetragen werden. Beide Länder haben jegliches Fehlverhalten zurückgewiesen.

Besonders an der Entscheidung für Katar hat es scharfe Kritik gegeben. Der Außenminister des Landes erklärte indes am Mittwoch, es sei ausgeschlossen, dass Katar die WM wieder entzogen wird. Chaled Al-Attijah sagte, sein Land habe sich den Zuschlag verdient, weil es die beste WM-Bewerbung gehabt habe. "Auf keinen Fall kann sie Katar entzogen werden."

Brisantes Geständnis von EX-FIFA-Funktionär Blazer

FBI-Kronzeuge Chuck Blazer hat unterdessen zugegeben, dass er und andere Mitglieder des FIFA-Exekutivkomitees Bestechungsgelder bei der Vergabe der Fußball-WM 2010 in Südafrika akzeptiert hatten. Auch vor der Vergabe für das WM-Turnier 1998 in Frankreich soll es zu Unregelmäßigkeiten gekommen sein.

Dies geht aus den Zeugenaussagen des 70-Jährigen aus dem Jahr 2013 hervor, die am Mittwoch in New York veröffentlicht worden sind. Ex-US-Verbandschef Blazer war langjähriges Mitglied des Exekutivkomitees des Fußball-Weltverbandes. Nach der Anklage durch die US-Justiz zeigte er sich kooperativ und soll unter anderem bei den Olympischen Spielen 2012 in London heimlich Funktionärs-Gespräche aufgenommen haben.

Chuck Blazer gestand weiters, er selbst und andere hätten Geld im Zusammenhang mit der Vergabe von TV-Übertragungsrechten für verschiedene "Gold Cup"-Turniere zwischen 1998 und 2003 angenommen. Diese Zeugenaussagen des 70-Jährigen aus dem Jahr 2013 wurden am Mittwoch von einem New Yorker Gericht veröffentlicht. Blazer bekannte sich dabei als schuldig.

Der krebskranke Blazer kam 2013 nach einer Kautionszahlung von zehn Millionen Dollar auf freien Fuß und liegt nach Angaben der "New York Times" derzeit in einem New Yorker Krankenhaus.

Neuvergabe der Weltmeisterschaften?

Die Aussagen Blazers über Bestechung bei der WM-Vergabe gelten als brisant: Bisher ermitteln die US-Behörden zwar gegen mehrere FIFA-Funktionäre wegen Bestechung und Korruption, Ermittlungen wegen WM-Vergaben wurden allerdings bisher nicht offiziell bestätigt. Besonders die WM-Vergabe nach Russland 2018 und Katar 2022 gelten als höchst umstritten.

In den am Mittwoch veröffentlichten Zeugenaussagen bekennt sich Blazer auch des Betrugs gegenüber der FIFA sowie der Steuerhinterziehung schuldig.

Englands Verbandschef Greg Dyke forderte indes unter gewissen Umständen die Neuvergabe der WM 2022. Die bei der Vergabe Katar unterlegene Föderation von Australien bezichtigt die Konkurrenz unsauberer Methoden.

Dyke ist für eine Neuausschreibung der WM 2022, sollte sich der Korruptionsverdacht bestätigen. "Wenn ich die katarischen Organisatoren wäre, würde ich heute nicht sehr gut schlafen. Wenn es Beweise geben sollte, die zeigen, dass der Bewerbungsprozess ehrlich und legal war, dann ist es gut. Wenn sich zeigen sollte, dass sie korrupt waren, dann sollten die Bewerbungen wiederholt werden, so einfach ist das", erklärte Dyke.

Probleme der FIFA "tief verwurzelt"

Die Replik aus Katar folgte prompt. Die Forderung spräche Bände über die Meinung von Dyke zur ersten WM im Mittleren Osten, sagte Scheich Hamad Bin Khalifa Bin Ahmed Al-Thani, der Präsident des katarischen Fußball-Verbandes. "Wir würden vorschlagen, dass Herr Dyke die Justiz ihre Arbeit machen lässt und sich darauf konzentriert, sein Versprechen, bis zur WM 2022 in Katar eine titelfähige englische Mannschaft aufzubauen, einlöst", so Al-Thani.

Katar hatte sich bei der Vergabe der WM gegen Australien, Japan, die USA und Südkorea durchgesetzt. Für den australischen Verbandschef Frank Lowy sei die eigene Bewerbung sauber gewesen, andere aber nicht. "Wir haben eine saubere Bewerbung durchgeführt. Ich weiß, dass das andere nicht getan haben, und ich habe mein Wissen mit den Behörden geteilt", erklärte Lowy in einem offenen Brief.

"Haben wir Fehler gemacht? Ja. Wir waren naiv", schrieb Lowy. "Als wir unsere Kandidatur erklärt haben für 2022 waren wir nicht vertraut mit den Drahtziehern in der Fußball-Welt", meinte Lowy und bezeichnete die Probleme der FIFA als "tief verwurzelt".

Auch die Vergabe der WM 2018 an Russland ist umstritten. Kein Wunder, dass russische Medien die Rücktrittsankündigung von Blatter als eine "unangenehme Nachricht" für den nächsten WM-Gastgeber bewerteten. Russland sei "einer von Blatters treuesten Verbündeten im Kampf um den Präsidentenstuhl" gewesen, schrieb die Zeitung "Kommersant". "Der Rücktritt Blatters ist eine Tatsache, die für die russischen Interessen unangenehm und beunruhigend ist", meinte "Sport Express".

Mit "fatalen Folgen" für die WM in drei Jahren rechnet das Blatt allerdings nicht, "da bisher nichts Ernstes (gegen Russland) bekanntgeworden ist". Wegen der WM-Vergaben an Russland und auch Katar 2022 ermittelt die Schweizer Bundesanwaltschaft. Der Verfahren war von der FIFA allerdings selbst initiiert worden. Blatter ist in dem Verfahren kein Beschuldigter. Das hatte die Bundesanwaltschaft am Dienstag bekräftigt.

Bestechungsvorwürfe zurückgewiesen

Der südafrikanische Sportminister Fikile Mbalula hat unterdessen Bestechungsvorwürfe rund um die Vergabe der Fußball-WM 2010 erneut kategorisch zurückgewiesen. Die Summe von zehn Mio. Dollar, die 2008 an die Konföderation von Nord- und Mittelamerika CONCACAF bezahlt wurde, sei für ein genehmigtes Projekt verwendet worden und keine Bestechung der FIFA gewesen, sagte er am Mittwoch bei einer Pressekonferenz.

"Das Geld stand in keiner Weise in Zusammenhang mit den Stimmen für die Vergabe der Fußball-WM", betonte Mbalula. Der Minister forderte die US-Justizbehörden auf, Beweise vorzubringen. Die FIFA hatte zuletzt erklärte, dass damit die "afrikanische Diaspora in der Karibik" unterstützt werden sollte.

Der frühere Chef des Organisationskomitees der Fußball-Weltmeisterschaft, Danny Jordaan, hatte die Sonderzahlung von zehn Millionen Dollar eingeräumt, jedoch Bestechungsvorwürfe zurückgewiesen. Jordaan sagte, Südafrika habe bereits 2004 den Zuschlag bekommen. Deshalb hätte Bestechung vier Jahre später überhaupt keinen Sinn gemacht.