Erstellt am 30. April 2014, 16:30

Fichtenbauer und Gudenus belasteten Stadler. Obwohl oft mit schlechter Erinnerung ausgestattet haben zwei Zeugen im Prozess gegen Ewald Stadler die FPÖ-Version bestätigt, wonach der Angeklagte mittels Fotos Druck auf Parteichef Strache ausgeübt haben soll.

Der nunmehrige Volksanwalt berichtete etwa beim Prozess am Mittwoch, die Parteispitze habe ihn zu Hilfe geholt, nachdem Stadler mit der Veröffentlichung gedroht haben soll. Fichtenbauer erzählte im Zeugenstand von einem Tag im Dezember 2006, als ihn Strache und Johann Gudenus "in äußerst alarmierter Art und Weise" ins Klubbüro im Rathaus gebeten hätten. Dabei sei berichtet worden, die beiden Angeklagten hätten Gudenus auf der Straße "abgepasst" und in ein chinesisches Restaurant geführt. Dabei soll es zum Versuch der Nötigung gekommen sein, die Akademieförderung weiterhin Stadlers Freiheitlicher Akademie zukommen zu lassen, ansonsten würde man die Fotos Straches veröffentlichen - eventuell auch ein "noch schlimmeres Bild". Zudem soll die Behauptung im Raum gestanden sein, Strache sei einst wegen neonazistischer Betätigung in deutscher Haft gesessen sein.

Nach der Beratung in Straches Büro soll die Partei zum Schluss gekommen sein, sich nicht von Stadler erpressen zu lassen, berichtete Fichtenbauer, der sich aber über weite Strecken nicht mehr an die Vorgänge genau erinnern konnte. Eine Anzeige sei dennoch nie im Raum gestanden. Die Partei habe "nie Interesse gehabt, das überhaupt öffentlich werden zu lassen. Von Spannungen zwischen Stadler und der Parteispitze, etwa wegen der Parteiakademie, berichtete auch Fichtenbauer. Stadler habe seinen Vorsitz in der Freiheitlichen Akademie für eine Art "Privatfürstentum" gehalten.

Davon berichtete auch der nächste Zeuge John Gudenus, der Vater von Johann Gudenus. "Stadler ist ein ehrgeiziger Mann und Strache auch. Das kann nicht auf Dauer gutgehen." Beim Kuchenessen bei Stadlers Familie - Gudenus ist Taufpate einer Tochter des Angeklagten - habe dieser auf die Fotos hingewiesen, wobei es "so eine Androhung" gegeben habe: "Stell dir vor, solche Aufnahmen kommen an die Öffentlichkeit!" An die Aufnahmen selbst konnte sich Gudenus nicht erinnern, allerdings: "Es waren keine Neger drauf." Auch sonst sprach der einst wegen Holocaustleugnung vor Gericht gestandene ehemalige FPÖ-Politiker frei von der Leber weg, "Gottfried Küssel war ein anständiger Mann, den man leider eingelocht hat".

Abschließend kam jener Mann zu Wort, der Stadler Fotos von Strache angeboten haben soll, die den FPÖ-Chef bei Aktivitäten mit der rechtsextremen Wiking-Jugend zeigen soll. Dieser bestritt das, die Staatsanwaltschaft ortete aber auch etliche Widersprüche zu dessen vergangenen Aussagen. Bei einem Treffen mit Strache und Stadler sei er zudem "ziemlich restfett" gewesen, beschrieb der Zeuge seinen eigenen Zustand.

Hilmar Kabas, der sich am Vormittag im Zeugenstand befunden hatte, betonte indes gegenüber der APA, dass ein Darlehen der Freiheitlichen Akademie an die Partei kein Grund für die Gründung des neuen Bildungsinstituts gewesen sei. Die Diskussion habe sich um die Änderung der Mehrheitsverhältnisse sowie eine "Föderalisierung" der Parteiakademie gedreht.

Der Prozess wird am 16., 17. und 18. Juni fortgesetzt. Weiterhin ausständig in dem Prozess sind die Zeugenaussagen von Strache selbst sowie von Johann Gudenus, der im Jahr 2006 die angeblichen Drohungen mit einer Veröffentlichung der Fotos an den Parteichef überbringen hätte sollen, so die Version der FPÖ. Hintergrund soll die Ablöse der von Stadler geführten Freiheitlichen Akademie durch das neu gegründete Freiheitliche Bildungsinstitut als Fördergelderempfänger gewesen sein.