Erstellt am 10. Juni 2015, 15:16

von APA Red

FIFA soll am 16.12. neuen Präsidenten wählen. Die Ära von Joseph Blatter als Präsident des Fußball-Weltverbands FIFA geht möglicherweise noch in diesem Jahr zu Ende.

 |  NOEN, APA (epa)

Der Termin für die Präsidentenwahl soll bei einer Sitzung des Exekutivkomitees Mitte Juli festgelegt werden, gab der Weltverband am Mittwoch bekannt. Der britische TV-Sender BBC berichtete, dass die Neuwahl bei einem außerordentlichen Kongress am 16. Dezember stattfinden soll.

Keine Neuvergabe der Russland-WM

Die FIFA wird vom größten Korruptionsskandal ihrer Geschichte erschüttert. Sieben führende Fußball-Funktionäre sind vor zwei Wochen in Zürich auf Ersuchen der US-Justiz festgenommen worden. Der seit 1998 amtierende Blatter stellte sich dennoch der Wiederwahl, gewann diese klar, kündigte aber vier Tage später seinen Rücktritt an.

Aufgrund der aktuellen Situation der FIFA wird das Bewerbungsverfahren für die Weltmeisterschaft 2026 jedenfalls verschoben. Das gab FIFA-Generalsekretär Jerome Valcke auf einer Pressekonferenz im russischen WM-Spielort Samara bekannt.

Zum jetzigen Zeitpunkt sei es Unsinn, mit dem Bieterverfahren zu beginnen, sagte Valcke. Ursprünglich sollten die FIFA-Mitglieder am Donnerstag über den genauen Ablaufplan informiert werden, die Vergabe sollte auf dem FIFA-Kongress 2017 in Kuala Lumpur stattfinden.

Eine Neuvergabe der ebenfalls umstrittenen WM 2018 in Russland soll es aber nicht geben. Valcke und Russlands Sportminister Witali Mutko haben entsprechende Forderungen zurückgewiesen. "Während des Verfahrens war nichts groß genug, um zu sagen, dass die endgültige Entscheidung nicht den Regeln entsprach. Zu diesem Schluss ist auch Michael Garcia in seinem Bericht gekommen", sagte Valcke auf einer Pressekonferenz in Samara.

Valcke: "Bin transparent, wie ich nur kann"

Auch Mutko bekräftigte, dass Russland "im Rahmen der Regeln" gehandelt habe. Er sehe die WM nicht in Gefahr. Auch im Zuge der Vergabe an Russland waren Korruptionsvorwürfe laut geworden. Die Untersuchungen des damaligen FIFA-Chefermittlers Garcia erwiesen sich aber als schwierig, weil viele Computer nach dem Bewerbungsverfahren zerstört worden waren.

Nachgewiesen werden konnten dennoch mehrere Verstöße gegen Meldepflichten von Kontakten zu FIFA-Exekutivmitgliedern. Diese sollen laut FIFA jedoch keinen nachweisbaren Einfluss auf die WM-Vergabe gehabt haben.

Valcke verteidigte sich auch in eigener Sache. Der Generalsekretär war im Zusammenhang mit einer Zehn-Millionen-Dollar-Zahlung von Südafrika an die CONCACAF-Konföderation unter Druck geraten.

Der Franzose wies dies zurück. Es gebe keinen Grund, ihn zu beschuldigen. "Ich bin transparent, wie ich nur kann." Und weiter: "Ihr habt entschieden, dass nach Blatter mein Kopf als nächstes abgeschnitten werden soll. Schön... Aber ich bin nicht verantwortlich", sagte er.

Als einer der Kandidaten für die Blatter-Nachfolge gilt UEFA-Präsident Michel Platini. Der Franzose wollte am Mittwoch anlässlich einer Pressekonferenz in Paris genau ein Jahr vor Beginn der EM 2016 in Frankreich aber darüber nicht reden. Er werde sich "eines Tages" dazu äußern, sagte Platini.

DFB-Chef Niersbach ging in die Offensive

Auch bei den nationalen Verbänden ist der FIFA-Skandal weiter heftig diskutiertes Thema. Der Chef des brasilianischen Verbandes CBF, Marco Polo del Nero, hat einen Rücktritt wegen der Ermittlungen kategorisch ausgeschlossen.

Es sollten diejenigen zurücktreten, die sich etwas hätten zuschulden kommen lassen, sagte der 74-jährige Topfunktionär vor dem Sportausschuss des Parlamentes in Brasilia. Unter anderen hatte der Ex-Stürmer und heutige Senator Romario den Rücktritt Del Neros gefordert. Del Nero fungierte in der Amtszeit des vor zwei Wochen in der Schweiz festgenommenen früheren CBF-Chefs Jose Maria Marin als Vize-Präsident, bis er ihn im April dieses Jahres ablöste.

In Deutschland ist Wolfgang Niersbach nach Kritik an seinem bisherigen Auftreten rund um den FIFA-Skandal mit einem offenen Brief an die rund 26.000 Vereine des größten Sportfachverbandes der Welt in die Offensive gegangen. Darin formuliert der DFB-Präsident zehn konkrete Vorschläge für eine Reform des Weltverbandes.

Niersbachs Zehn-Punkte-Plan enthält keine gravierenden neuen Ideen. Vielmehr geht es dem DFB-Chef und FIFA-Exekutivmitglied um die Umsetzung zuletzt am Widerstand internationaler Funktionäre gescheiterter Demokratisierungsprozesse im Weltverband - wie eine Amtszeitbeschränkung oder den Integritäts-Check für FIFA-Topleute durch externe Experten. Konkretere Vorschläge als bisher machte Niersbach zum WM-Vergabeverfahren, in denen künftig auch Menschenrechtsfragen berücksichtigt werden sollen.