Erstellt am 25. März 2015, 09:46

Firmenpleiten rückläufig, Plus bei Privatkonkursen. Trotz schwächelnder Wirtschaftslage waren die Firmeninsolvenzen im 1. Quartal 2015 deutlich rückläufig - im Gegensatz zu den Privatpleiten, die wieder zugenommen haben.

Die eröffneten Insolvenzverfahren über Unternehmen sind im 1. Quartal um zwölf Prozent auf 747 Fälle gesunken, die mangels Vermögens nicht eröffneten Verfahren sogar um fast 16 gesunken. Die Schulden der insolventen Unternehmen sind um 38 Prozent nach unten gegangen (292 Mio. Euro). Die Zahl der betroffenen Dienstnehmer sank um 27 Prozent, teilte der KSV1870 in einer Aussendung mit.

Den stärksten Rückgang bei Privaten gab es in Tirol (- 36,5 Prozent), gefolgt von Salzburg und Vorarlberg. Auch die industriell starken Bundesländer Oberösterreich und Steiermark verzeichnen deutlich zweistellige Rückgänge. Am geringsten ist der Insolvenzrückgang in den östlichen Bundesländern, auch Kärnten weist "nur" einstellige Rückgänge auf.

Nach Branchen betrachtet waren insbesondere der Bau, das Gastgewerbe und die unternehmensbezogenen Dienstleistungen (Berater, Makler, etc.) besonders insolvenzanfällig. Wobei der Spruch "wer nichts wird - wird Wirt" nicht stimmt, denn die Gastwirte sind laut KSV1870 eine "unterdurchschnittlich insolvenzgeneigte Branche". Die hohen Insolvenzahlen seien mit der hohen Anzahl an Betriebe begründet.

Niedrige Zinsen entlasten Unternehmen

Dass die Insolvenzzahlen bei Unternehmen deutlich rückläufig sind, ist laut Kreditschützer auch auf die historische niedrigen Zinsen zurück zu führen. "Denn das Zinsniveau ist einer der stärksten Faktoren für die Insolvenzentwicklung: Bereits hoch verschuldete Unternehmen werden bei steigenden Zinsen ganz besonders hart getroffen und streng geprüft", gibt KSV-Experte Hans-Georg Kantner zu bedenken.

Im Privatbereich gab es 2.127 Schuldenregulierungsverfahren in den ersten drei Monaten des heurigen Jahres. Der "echte" Privatschuldner - also Private, die nicht durch eine gescheiterte Selbstständigkeit in die Schuldenfalle geraten sind - haben im Schnitt 50.000 Euro Schulden. Je länger das Problem vor sich hergeschoben wird, desto größer wird es. "Eine Verdoppelung über einen Zeitraum von drei bis fünf Jahren ist dabei die Regel", so Kantner.

In Kärnten gab es ein sattes Plus von 23 Prozent. "Kärnten war historisch immer schon eine Art Spitzenreiter bei den Privatkonkursen und ist dabei, wieder an die Spitze aufzuschließen", analysiert Kantner.

Die Hauptgründe für die private Insolvenzen sind ehemalige selbstständige Tätigkeit; gefolgt von Einkommensverlusten (Reduktion, Arbeitslosigkeit, Krankheit) und unerwartete Ausgabenzuwächse etwa durch Nachwuchs (Alimente, Kinderteilzeit) oder Scheidungen (doppelte Kosten der Haushaltsführung). Schlechter Umgang mit Geld oder extreme Formen der Sorglosigkeit sind eher die Ausnahmen mit nur wenigen Prozentpunkten, so Kantner.