Erstellt am 17. Februar 2016, 12:28

Fitz folgt auf Steiner als AzW-Chefin. Die Vorarlberger Kuratorin, Kulturmanagerin und Autorin Angelika Fitz wird Nachfolgerin von Dietmar Steiner an der Spitze des Architekturzentrums Wien (Az W).

 |  NOEN, APA

Die gebürtige Hohenemserin folgt dem seit 1993 amtierenden Gründungsdirektor am 1. Jänner 2017 nach, gaben am Mittwoch die Verantwortlichen bekannt. Fitz setzte sich damit gegen 32 Mitbewerber durch, darunter 16 aus Österreich.

Die 48-Jährige zeigte sich gleich bei ihrer Antrittspressekonferenz voller Tatendrang und gab einen ersten Ausblick auf ein künftiges Az W unter ihrer Führung, auch wenn die detaillierte Programmpräsentation erst im Herbst folgen soll. "Ich nehme die Aufforderung, mich aktiv und kritisch einzumischen, gerne an", stellt Fitz gegenüber den erschienenen Repräsentanten der Stadt- und Bundespolitik klar. Sie wolle den bisherigen Weg des Az W fortsetzen, Architektur in ihrer gesamten sozialen und wirtschaftlichen Charakteristik darzustellen: "Ich möchte die Schnittstelle zwischen Architektur und Stadt intensivieren."

Ein dringliches Thema der Zeit sei das Zusammenleben in einer kulturell diversen Gesellschaft, was auch Themenkomplexe umfasse wie zugewanderte Menschen zu Stadtbürgern gemacht werden könnten. Die Frage des Ressourcenverbrauchs im Städtebau und das Feld der solidarischen Räume in Verbindung mit Architektur gelte es ebenfalls anzugehen. "Über weite Strecken wird es wichtiger sein, die richtigen Fragen zu stellen, als vorschnell mit Lösungen zu kommen", so Fitz. Dazu wolle sie nicht zuletzt das Experten- und Laienwissen verschränken: "Es geht nicht nur darum, dass Menschen von Museen lernen, sondern auch darum, was Museen von ihren Besuchern lernen können."

Für diese Programmatik scheint Fitz, die am 18. April 1967 in Hohenems geboren wurde, prädestiniert, eröffnete sie doch nach einem Studium der Literaturwissenschaft in Innsbruck 1998 ein eigenes Büro als Kuratorin und Kulturtheoretikerin in Wien, mit dem sie sich an der Schnittstelle zwischen Architektur, Kunst und Stadtentwicklung etablierte. 2003 und 2005 war sie etwa Kommissärin für den österreichischen Beitrag zur Architekturbiennale Sao Paolo und sitzt im Beirat der Seestadt Aspern und der Stiftung Bauhaus Dessau sowie im Beirat Architektur und Design des Bundeskanzleramts.

So zeigte sich auch Kulturminister Josef Ostermayer (SPÖ) von Fitz' Bestellung angetan, stehe man schließlich vor Umwälzungen der Stadt, die allenfalls mit der industriellen Revolution vergleichbar seien. Zugleich hatte der Minister gleich ein konkretes Projekt im Auge, schwebe ihm doch anstelle eines immer wieder diskutierten neuen Architekturmuseums "eine Vernetzung der verschiedener Architekturhäuser vor, um auf diesem Wege ein virtuelles Architekturmuseum vorzutreiben". Die Gespräche mit den jeweiligen Institutionen würden alsbald aufgenommen, wobei ihm klar sei, dass dieses Vorhaben nicht nur virtuell mehr Geld benötige.

Für das Az W selbst versicherte Vorstandspräsident Hannes Swoboda, dass man sich unter Wahrung der völligen Unabhängigkeit verstärkt auf die Suche nach privaten Sponsoren machen werde: "Die öffentliche Hand braucht die Gewissheit, dass wir auch im Privaten suchen, was geht." Die Gründe für die Bestellung von Angelika Fitz könne er klar auf einen Punkt bringen: "Warum Frau Fitz? Weil sie die Beste war."

Mit der Personalentscheidung zeigten sich auch die beiden betroffenen Wiener Stadtpolitiker zufrieden. "Das Architekturzentrum Wien ist seit seiner Gründung ja so etwas wie das Archiv, das Gewissen und das Labor der Architektur", streute Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (SPÖ) der 1993 gegründeten Institution Rosen. Planungsstadträtin Maria Vassilakou (Grüne) hob indes die Genderkomponente der Bestellung hervor: "Ich freue mich, dass wir mit Angelika Fitz eine hochkarätige Fachfrau - aber eben auch eine Frau gewonnen haben in einem Metier, das nach wie vor männlich dominiert ist."