Erstellt am 26. September 2014, 12:50

Flüchtlinge beziehen in Erdberg Quartier. Ab Montagabend sollen zunächst bis zu 100 Flüchtlinge in das neue, große Übergangsquartier in Wien-Erdberg einziehen.

Wann die frühere Wirtschafts-Uni beziehbar ist, sei erst nächste Woche einschätzbar, hieß es am Freitag aus dem Innenministerium. Für das Wochenende stehen weitere Notplätze in Polizeiturnsälen zur Verfügung. Bund und Stadt Wien hatten sich am Donnerstag darauf verständigt, bis zu 350 Flüchtlinge in der ehemaligen Zollamtsschule in Erdberg sowie 250 weitere für maximal vier Monate in der WU in Wien-Alsergrund unterzubringen. Wie lange die Adaptierung der früheren Wirtschafts-Uni dauert, kann noch nicht gesagt werden - hier muss man sich etwa überlegen, wie man das Problem löst, dass es dort derzeit keine Duschen gibt.

Für das anstehende Wochenende bereitet sich das Innenministerium wieder auf eine Herausforderung vor, wie es aus dem Ressort hieß: Erstens übernehmen die Länder Flüchtlinge nur von Montag bis Freitag, während Asylanträge sieben Tage die Woche gestellt werden können, erläuterte ein Sprecher. Zweitens habe man täglich eine Kluft zu verzeichnen, so seien am gestrigen Donnerstag 127 Anträge gestellt worden, von den Ländern übernommen wurden demgegenüber aber nur 66 Flüchtlinge.

Turnsäle als Notquartiere

Mit Stand Freitag waren laut Innenministerium 73 Asylwerber in Turnsälen der Polizei in Salzburg und dem Burgenland untergebracht, weitere Turnsäle stehen in Villach, Linz und Graz als Notquartiere des Bundes bereit. Insgesamt waren am Freitag rund 26.700 Flüchtlinge zu versorgen.

Die Unterbringungsquote erfüllten weiterhin nur Wien (130,9 Prozent) und Niederösterreich (103,8 Prozent). Niederösterreich verdankt seine Zahl in erster Linie dem Erstaufnahmelager Traiskirchen, wo aktuell 1.502 Asylwerber untergebracht sind, in der oberösterreichischen Erstaufnahmestelle Thalham sind es 145. Schlusslicht ist Tirol, wo man laut Innenressort inklusive Bundesquartieren auf eine Quote von 85,3 Prozent kommt.

Weiland: Politik schiebt Verantwortung ab

Der niederösterreichische Superintendent Paul Weiland wies indes Aufforderungen von Politikern - wie zuletzt aus der Landes-ÖVP - an die Kirchen zurück, mehr für Flüchtlinge zu tun: "Für mich ist das ein Versuch, Verantwortung abzuschieben", meinte Weiland im Evangelischen Pressedienst. Das ehrenamtliche Engagement der evangelischen Pfarrgemeinden für Flüchtlinge sei "enorm", ganz abgesehen von der Arbeit des Diakonie Flüchtlingsdienstes, betonte er.

Schon des Öfteren hätten Pfarrgemeinden ihre Kirchen geöffnet, um Menschen wenigstens ein Dach über dem Kopf zu geben. Dennoch könne "das Schlafen auf den Kirchenbänken meist nicht gut heizbarer Kirchen" nicht das Ziel sein, findet Weiland. Im Übrigen gebe es keine leer stehenden Pfarrhöfe oder kirchliche Einrichtungen in der Evangelischen Kirche in Niederösterreich.