Erstellt am 17. September 2015, 13:43

von APA/Red

Ruhige Nacht an Österreichs Grenzen. In der Nacht auf Donnerstag haben nur sehr wenige Flüchtlinge die österreichische Grenze überschritten. In Kärnten waren es laut Polizei nur zwei syrische Familien, eine sei per Flugzeug eingereist.

An den österreichischen Grenzübergängen verlief die Nacht sehr ruhig  |  NOEN, APA

 Im Burgenland kamen nach bisher eingegangenen Meldungen nur zwei Flüchtlinge über die Grenze, hieß es vonseiten der Sicherheitsbehörden. Auch in der Steiermark war die Lage sehr ruhig.

In der Nacht auf Donnerstag war rund die Hälfte der insgesamt 8.000 Wiener Notschlafplätze belegt, wie ein Sprecher des Fonds Soziales Wien (FSW) am Donnerstag mitteilte. Auch die Lage auf den Bahnhöfen sei entspannt gewesen - alle Flüchtlinge seien in den Notunterkünften untergebracht worden. Nach Angaben der Polizei verbrachten 3.800 Flüchtlinge die Nacht in Wien. Im Ferry-Dusika-Stadion übernachteten beispielsweise circa 400 Menschen, Platz wäre dort für insgesamt bis zu 1.500 Personen.

In Niederösterreich sind nach Angaben des Roten Kreuzes nach einer Messehalle in Tulln mit Donnerstag auch die Transferquartiere in St. Pölten (städtischer Wirtschaftshof) und Schwechat (Multiversum) geräumt worden.

Die Flüchtlinge seien nach Oberösterreich weitergereist. Die beiden großen steirischen Notquartiere im ehemaligen Einkaufszentrum in Graz und am Schwarzlsee waren Donnerstag in der Früh so gut wie leer. Für die Helfer bringt das eine Pause, doch schon bald könnten wieder Menschen über Kroatien und Slowenien in die Steiermark kommen.

In Tirol haben die Verantwortlichen weiterhin "keine steigende Tendenz bei den Flüchtlingszahlen" registriert. Man habe aber ein Auge auf die Verlagerung der Fluchtrouten, erklärte Landesamtsdirektor-Stellvertreter Dietmar Schennach am Donnerstag: "Noch gibt es keine Auswirkungen auf Tirol". In der Nacht auf Donnerstag wurden auf der Brenner-Route 24 Flüchtlinge aufgegriffen. Indes wurde am Donnerstag mit dem Aufbau zweier Großzelte zur Unterbringung von Flüchtlingen in Kufstein begonnen. Die beiden 600 und 800 Quadratmeter großen Zelte sollen Platz für bis zu 500 Schutzsuchende bieten.

ÖBB nimmt Zugverkehr nach Ungarn wieder auf

Österreichweit haben die vergangene Nacht rund 6.800 Flüchtlinge in Notquartieren verbracht. Waren am Mittwoch noch ungefähr 15.000 Migranten im Land, waren es Donnerstagfrüh noch rund 7.700 Flüchtlinge, sagte Gerry Foitik, Bundesrettungskommandant des Österreichischen Roten Kreuzes. "Fast alle werden das Land heute verlassen und großteils nach Deutschland weiterreisen", erklärte Foitik.

Am Vormittag soll des Bundesheer mit dem Assistenzeinsatz in der Steiermark beginnen, sagte der Polizeisprecher: "Die ersten Kräfte werden erwartet. Sie werden uns vor allem logistisch unterstützen und etwa Zelte bei der Sammelstelle am alten Grenzübergang in Spielfeld aufbauen. Danach wird auch die Überwachung der grünen Grenze anlaufen.

Am Freitag werden die ÖBB den Zugverkehr nach Ungarn wieder aufnehmen. Dazu laufen in diesen Stunden die entsprechenden logistischen und produktionstechnischen Vorbereitungen, hieß es in einer Aussendung am Donnerstag. Die Verbindung nach Ungarn war aufgrund der massiven Überlastung genau vor einer Woche, am 10. September, eingestellt worden. Der Zugverkehr zwischen Salzburg und dem Deutschen Bahnhof Freilassing bzw. München war am Donnerstag weiterhin unterbrochen.

Flüchtlingsstrom nach Deutschland hält an

Der Flüchtlingsstrom von Salzburg nach Bayern ist auch in der Nacht auf Donnerstag nicht abgerissen. Direkt vor dem Grenzübergang Saalbrücke entstanden in den Nachtstunden kurzfristig panikartige Szenen, weil die Einreise nach Deutschland vorübergehend unterbrochen war und das Gerücht kursierte, die Grenze sei überhaupt dicht.

Mithilfe von Dolmetschern konnten die Menschen aber beruhigt werden. Dass immer wieder kurzfristig keine Menschen zu Fuß nach Freilassing einreisen können, begründete Bernd-Robert Schulz von der deutschen Bundespolizei damit, dass man warte, bis die Aufnahmestellen wieder Kapazitäten hätten. Dort werden die Flüchtlinge registriert und versorgt, außerdem wird ein medizinisches Screening durchgeführt, ehe sie zu den Sammelzentren in ganz Deutschland weitergebracht werden.

Bahnverkehr zwischen Salzburg und Bayern eingestellt

Am Hauptbahnhof Salzburg war die Situation am Donnerstagvormittag im Gegensatz zum Tag davor recht ruhig. Am Mittwochabend genehmigten die deutschen Behörden nämlich noch einen Sonderzug nach Freilassing, mit dem 400 Flüchtlinge ausreisen konnten, sagte Johannes Greifeneder, Sprecher der Stadt Salzburg. Für die zum Notquartier umfunktionierte Tiefgarage bedeutete dies eine deutliche Entlastung. Heute Vormittag befanden sich Schätzungen zufolge rund 400 Menschen in der Garage.

Der reguläre Bahnverkehr zwischen Salzburg und Bayern blieb auch am Donnerstag auf unbestimmte Zeit eingestellt, am Bahnhof selbst herrschte weitgehend Normalbetrieb, wie sich bei einem APA-Lokalaugenschein zeigte. Während der Nacht befanden sich rund 600 Flüchtlinge am Bahnhof. Laut dem deutschen Polizei-Sprecher Schulz sind alleine gestern im Einzugsgebiet der Bundespolizeiinspektion Rosenheim 4.500 Flüchtlinge illegal eingereist, davon an der Saalachbrücke zwischen Salzburg und Freilassing etwa 1.500. Der Strom reiße weiterhin nicht ab. Am Mittwoch seien drei Sonderzüge von Freilassing zu den Sammelstellen in ganz Deutschland abgefahren.

Viele Flüchtlinge kamen über die Saalachbrücke zwischen Salzburg und dem deutschen Grenzort Freilassing (Landkreis Berchtesgadener Land). Zwei Großgruppen mit je 700 Flüchtlingen wurden dort gestoppt. Am Mittwoch wurden zudem 18 Schlepper festgenommen.