Erstellt am 07. September 2015, 12:03

von APA/Red

Neue Ankunftswelle von Flüchtlingen in Ungarn erwartet. In Ungarn treffen nach Medienberichten kontinuierlich weiterhin neue Flüchtlinge aus Serbien ein.

Am Wochenende kamen 5.386 Flüchtlinge nach Ungarn  |  NOEN, APA (epa)

Dort wiederum kamen über das Wochenende 4.000 weitere Flüchtlinge an, wie der serbische TV-Sender RTS unter Berufung auf Behördenangaben berichtete. Dem Sender zufolge werden im Aufnahmelager Miratovac bei Presevo an der Grenze zu Mazedonien am Montag weitere Ankömmlinge erwartet.

Nach Österreich kamen nach neuen Angaben des Innenministeriums zwischen Freitagnacht und Montagfrüh knapp 16.000 Personen. Rund 15.000 reisten nach Deutschland weiter. "Wenige hundert" sind noch in Österreich, die meisten dürften aber ebenfalls noch die Fahrt Richtung deutscher Grenze antreten, hieß es.

Die ungarische Polizei griff von Freitag bis Sonntag landesweit 5.386 Flüchtlinge auf, wie die ungarische Nachrichtenagentur (MTI) am Montag berichtete. Am Freitag seien es 2.181, am Samstag 1.002 und am Sonntag 2.203 gewesen. Die meisten von ihnen kamen über die Grenze zu Serbien im Raum Röszke.

Ungarn: Illegale Grenzüberschritte als Straftat

Laut Expertenmeinung ist der Zustrom deswegen so massiv, da in Ungarn am 15. September neue gesetzliche Regeln für einen erhöhten Grenzschutz in Kraft treten. Es werden Grenzjäger (speziell für den Grenzeinsatz ausgebildete Polizisten, Anm.) eingesetzt und der illegale Grenzübertritt als Straftat und nicht mehr als Verwaltungsübertretung geahndet. Auch soll das Heer zum Einsatz an den Grenzen kommen, wenn das Parlament demnächst über einen solchen Einsatz abstimmt.

Am Ostbahnhof in Budapest herrschte unterdessen Ruhe. Hier hielten sich am Montag in der Transitzone nur wenig Flüchtlinge auf. Auch die Polizeipräsenz dort wurde verringert. Laut den Ungarischen Staatsbahnen (MAV) soll der internationale Zugverkehr ab dem (heutigen) Montag wieder nach dem alten Fahrplan verlaufen, so dass kein Umsteigen in Hegyeshalom mehr erforderlich sei.

Serbien warnte am Montag, dass seine Vorräte für Hilfe an Flüchtlinge am Ende seien. Man brauche größere Finanzhilfe, um die Richtung EU-Staaten ziehenden Flüchtlinge zu versorgen, erklärte Arbeitsminister Aleksandar Vulin gegenüber RTS. Außenminister Ivica Dacic kritisierte unterdessen die EU, der er vorwarf, mit zweierlei Maß in der Krise zu messen. "Wenn Finanzmittel verteilt werden, dann sind wir kein EU-Mitglied, wenn Flüchtlingsquoten zur Debatte stehen, gehören wir dazu", klagte Dacic am Sonntag.

Am Münchner Hauptbahnhof kamen am Wochenende deutlich mehr Flüchtlinge aus Ungarn via Österreich an als erwartet, wie die Deutsche Presse-Agentur berichtete. Man gehe allein für den Sonntag von 13.000 aus, sagte Simone Hilgers, Sprecherin der Bezirksregierung von Oberbayern, am späten Sonntagabend in München. Zusammen mit den 6.900 am Samstag gekommenen Flüchtlingen bedeutet das die Ankunft von fast 20.000 Menschen binnen 48 Stunden. Zunächst waren die Behörden von maximal 14.000 Menschen ausgegangen, dann aber waren weitere Züge eingetroffen.

Flüchtlingsbewegung hat Skandinavien erreicht

Ein Teil der vergangene Woche von Ungarn über Österreich nach Deutschland stattgefundenen Flüchtlingsbewegung hat unterdessen auch Skandinavien erreicht. Laut dänischen und schwedischen Medien registrierten die dänischen Behörden bis Sonntag 300 aus Deutschland ankommende Asylsuchende. Bis zum Abend trafen rund 70 davon in Südschweden ein.

Die schwedische Einwanderungsbehörde (Migrationsverket) richtete einen Bereitschaftsdienst ein. Man geht davon aus, dass der Großteil der in Dänemark angekommenen Flüchtlinge nach Schweden weiterreisen will.

"Dänemark ist wie Ungarn ein Transitland", sagte ein Sprecher der schwedischen Grenzpolizei gegenüber der dänischen Tageszeitung "Jyllands-Posten". Vor allem Deutschland und Schweden seien als Zielländer beliebt. Die schwedischen Behörden rechnen in den kommenden Tagen mit der Ankunft weiterer Flüchtlinge.

Am Abend demonstrierten in Stockholm mehrere Tausend Menschen bei strömendem Regen für Solidarität mit den Flüchtlingen. Auch Ministerpräsident Stefan Löfven nahm an der Kundgebung teil und betonte, in "seinem Europa" gebe es keine Mauern. Vielmehr helfe man einander dort, wo die Not am größten sei. Löfven rief jene Länder dazu auf, ihre Linie zu überdenken, die sich bisher gegen größere Quoten von Flüchtlingen sträuben.