Erstellt am 23. Oktober 2015, 10:17

Flüchtlingslage in Spielfeld wieder chaotisch. Rund 6.000 Flüchtlinge waren am Donnerstag am Grenzübergang Spielfeld aus Slowenien eingetroffen. Am Freitag in der Früh waren noch etwa 1.500 in der Sammelstelle, obwohl die Nacht über immer wieder Busse gefahren sind und Menschen in Notquartiere brachten.

 |  NOEN, APA (AFP)

Manche Flüchtlinge mussten die Nacht nahe dem Gefrierpunkt im Freien verbringen. Am Vormittag kamen Hunderte aus Sentilj über die Bahngleise.

Da die Sammelstelle Spielfeld nicht genug Platz in den beheizten Zelten für die vielen Flüchtlinge bot, wurden noch in der Nacht rund 600 in einen Turnsaal nach Wagna (Bezirk Leibnitz) gebracht. Dort sollten sie in Ruhe schlafen können, doch unter den Migranten kam es zu einer Rauferei.

Die Einsatzeinheit der Polizei musste bei den Gewaltausbrüchen der Menschen dazwischengehen, bestätigte Polizeisprecher Leo Josefus Augenzeugenberichte, die der APA geschildert worden waren. Der Turnsaal sei eine Notmaßnahme gewesen und werde zu keinem Quartier, betonten die Einsatzkräfte.

Obwohl noch Donnerstagabend mehrere Tausend Menschen die Nacht über in Spielfeld erwartet wurden, blieb ein großer Zustrom aus. Am Vormittag setzten aber wieder chaotische Zustände ein: Hunderte Flüchtlinge hatten sich in Sentilj auf den Zuggleisen Richtung Österreich in Bewegung gesetzt und versuchten über diesen Weg an der Sammelstelle und Kontrolle vorbeizukommen.

Da jedoch der Zugverkehr nach einer Unterbrechung seit Donnerstagmittag wieder angelaufen war, kam es zu gefährlichen Situationen. Die ÖBB behielten sich eine erneute Einstellung der Strecke Sentilj-Spielfeld-Leibnitz vor.

Am Grenzübergang in Bad Radkersburg wurden noch Donnerstagabend alle Flüchtlinge aus der Erstversorgungsstelle in Notquartiere im ganzen Bundesgebiet weitergebracht.

Die Flüchtlinge aus Slowenien dürften künftig aber auch über Kärnten nach Österreich kommen. Bereits am Donnerstagabend kam über die slowenische Grenzstadt Jesenice ein Zug am Bahnhof in Rosenbach (St. Jakob, Bezirk Villach-Land) an. "Wir können noch nicht über einen dauerhaften Ausreisepunkt sprechen", betonte die slowenische Polizeisprecherin Vesna Drole am Freitag auf APA-Anfrage.

Jesenice sei vorerst eine vorläufiger Transitpunkt, hieß es weiter. Jede einzelne Flüchtlingsankunft werde mit den österreichischen Behörden zuvor vereinbart, so die Sprecherin.

Der erste Zug hatte rund 600 Flüchtlinge aus Dobova an der kroatisch-slowenischen Grenze nach Kärnten gebracht. Für das südliche Bundesland war dies die erste größere, organisierte Flüchtlingsankunft aus Slowenien. Am Freitag arbeitete man bereits an deren Weiterreise, um Platz für Neuankömmlinge zu schaffen, sagte Polizeisprecher Rainer Dionisio zur APA.

"Derzeit sind alle unsere Quartiere voll", erklärte Dionisio am Freitag in der Früh. "Es ist davon auszugehen, dass der nächste Zug aus Slowenien kommt, sobald wir freie Kapazitäten haben." Die beiden Quartiere in Villach waren mit den 600 Flüchtlingen von der kroatisch-slowenischen Grenze belegt, im Klagenfurter Transitquartier befanden sich insgesamt rund 900 Personen, davon etwa 130 reguläre Asylwerber, für die es sonst keine Unterkunft gab.

Für das Rote Kreuz sind in den drei Kärntner Notquartieren derzeit rund 150 Helfer untertags und 100 in der Nacht im Dienst. "Wir sind jetzt im Regelbetrieb mit den Quartieren und arbeiten so weiter wie bisher, für uns hat sich nichts geändert", sagte Sprecherin Melanie Reiter.

Die slowenischen Behörden bemühten sich darum, zusätzlich zu den Grenzübergängen Sentilj-Spielfeld und Gornja Radgona-Bad Radkersburg noch einen weiteren Transitpunkt herzustellen. Damit möchte man vor allem Sentilj, wo sich das größte slowenische Zeltlager befindet, entlasten. Rund 4.500 Flüchtlinge verbrachten die vergangene Nacht in diesem Lager. Am Grenzübergang Sentilj-Spielfeld konzentrierte sich in den letzten Tagen der Großteil des Zuflusses nach Österreich.

Der slowenische Regierungschef Miro Cerar hatte am Vorabend Kroatien scharf angegriffen. Es sei unsolidarisch und unfair, weil es keinerlei Absprachen mit den Behörden in Ljubljana treffe. Er werde wegen dieses nicht hinnehmbaren Verhaltens die EU-Kommission einschalten. Beide Nachbarländer sind EU-Mitglieder.

Unterdessen hält auch der Flüchtlingsansturm am serbisch-kroatischen Grenzübergang Berkasovo-Bapska an. In der Nacht auf Freitag sind im serbischen Grenzort Berkasovo laut Medienberichten rund 5.000 Flüchtlinge, darunter besonders viele Frauen mit Kleinkindern, angekommen.

Nachdem seitens Kroatiens der Grenzübergang um Mitternacht geschlossen wurde, haben kroatische Grenzpolizisten um 6.30 Uhr erneut begonnen, kleinere Flüchtlingsgruppen durchzulassen. Bis etwa 9.00 Uhr konnten etwa 600 Flüchtlinge die Grenze passieren, berichtete der serbische staatliche Sender RTS unter Hinweis, dass unterdessen ständig weitere Flüchtlinge aus dem südserbischen Presevo anreisen würden.

Die in Berkasovo herrschenden Verhältnisse sind bei niedrigen Temperaturen, Nebel und Wind seit Tagen äußerst schwierig. Am naheliegenden Grenzübergang Batrovci-Bajakovo wollen die Innenminister der beiden Staaten, Nebojsa Stefanovic und Ranko Ostojic, die aktuelle Situation bei Berkasovo-Bapska besprechen. Laut Stefanovic wolle man sehen, was zu tun wäre, um den Transit von Flüchtlingen zu erleichtern und die "Situation zu entspannen".