Erstellt am 15. September 2015, 21:57

von APA/Red

Situation am Salzburger Hauptbahnhof kritisch. Im Laufe des Nachmittags haben private Flüchtlingstransfers die Sicherheitslage am Salzburger Bahnhof gefährdet.

Bahnhof steht kurz vor Sperre  |  NOEN, APA

Hunderte Flüchtlinge ließen sich in Pkws und Kleinbussen vorwiegend von Ostösterreich zum Bahnhof fahren und drängten auf die Bahnsteige. Sollte diese Situation anhalten, könnte in letzter Konsequenz eine Sperre des Hauptbahnhofes verfügt werden, warnten die Einsatzkräfte.

Aufgrund des anhaltend starken Zustromes von Flüchtlingen sei die allgemeine Sicherheitslage sowie die bauliche und feuerpolizeiliche Lage auf dem Salzburger Hauptbahnhof angespannt, hieß es am Abend in einer Aussendung des Landes Salzburg. Stadt, Land und die Einsatzkräfte setzten alles daran, den Bahnhof Salzburg als Drehscheibe funktionsfähig zu halten. Größte Probleme gebe es derzeit aber wegen der Flüchtlingstransfers mit Pkw und Bussen zum Bahnhof. "Die Flüchtlinge haben nur ein Ziel. Sie wollen nach Deutschland", sagte ein Sprecher des Landes.

Zugverkehr wurde kurzfristig eingestellt

Zahlreiche Flüchtlinge wurden von privaten Initiativen, Privatleuten und auch von Taxlern zum Bahnhof gebracht. Viele Fahrzeuge trugen Kennzeichen aus dem Osten Österreichs. Auch die sieben Busse aus Graz waren nicht angekündigt. Es sollen sich tumultartige Szenen abgespielt haben:

Die Ankommenden stürmten laut Augenzeugen rücksichtslos zu den Zügen. Einige rannten auf die Gleise. Der Zugverkehr musste kurzfristig eingestellt werden. Die Einsatzkräfte hatten alle Hände voll zu tun, um wieder alles in geordnete Bahnen zu lenken. "Die Polizei geht behutsam und mit großer Diplomatie vor", hieß es aus dem Büro von Landeshauptmann Wilfried Haslauer.

Jene Flüchtlinge, die in der Bahnhofstiefgarage untergebracht sind, sollen sich im Gegensatz dazu weitgehend diszipliniert verhalten haben. Habe man bisher die Anzahl der in Zügen ankommenden Flüchtlinge zumindest in einem kürzeren Zeitrahmen noch gut einschätzen und sich darauf einstellen können, so sei die Situation nun schwer überschaubar geworden, sagten die Einsatzkräfte.

"Der Zustrom aus dem Osten wird mehr und mehr. Die Situation ist kritisch. Man muss an alle appellieren, die Flüchtlinge nicht nach Salzburg zu bringen", sagte Johannes Greifeneder, Sprecher der Stadt Salzburg. Mit großer Anstrengung sei es bisher gelungen, den Bahnhofsbetrieb aufrechtzuerhalten.

Mit rund 1.000 Flüchtlingen in der Nacht gerechnet

Bei einer Sperre des Bahnhofes würde der Reise- und Pendlerverkehr zusammenbrechen. Derzeit sei es noch nicht so weit. Gegen Abend konnten rund 700 Flüchtlinge in einen Zug steigen und den Bahnhof Salzburg in Richtung Deutschland verlassen. 300 Flüchtlinge befanden sich noch im Notquartier in der Bahnhofsgarage. Es kamen aber immer wieder Flüchtlinge an.

Es gehe derzeit vor allem darum, die Wege im Innenbereich des Bahnhofes offen zu halten, den Zugang zu den Bahnsteigen und das Einsteigen in die Züge möglichst geordnet abzuwickeln und eine Gefährdung von Menschen zu vermeiden, informierte die Polizei. Die Einsatzkräfte gehen davon aus, dass der Bahnhof am späten Abend wieder an seine Kapazitätsgrenzen stoßen wird. Man rechnete mit rund 1.000 Flüchtlinge, die sich in der Nacht dort aufhalten werden.

Immer wieder heuern Flüchtlinge auch Salzburger Taxis an, damit sie zur Grenze gebracht werden. "Wir haben eine Empfehlung ausgegeben, die Leute nicht über die Grenze zu fahren, sonst kommen sie in den Verdacht der Schlepperei, es besteht keine Rechtssicherheit", sagte der Obmann der Taxiinnung in der Salzburger Wirtschaftskammer, Erwin Leitner. Innerhalb der Stadt Salzburg bestehe aber im Prinzip eine Beförderungspflicht.

Flüchtlingsansturm auf Wiener Bahnhöfe unverändert

Die Flüchtlingsansturm auf die Wiener Bahnhöfe war am Dienstagabend unverändert, nachdem die Polizei am Nachmittag dazu aufgerufen hatte keine Flüchtlinge mehr zu den Bahnhöfen zu bringen. Am Westbahnhof befanden sich jedoch weiter über 4.000 Migranten, am Hauptbahnhof waren es mehr als 1.000, hieß es seitens der Polizei am Abend.