Erstellt am 23. März 2016, 08:23

Flughafen-Attentäter von Brüssel identifiziert. Die Urheber des Attentates auf den Flughafen in Brüssel vom Dienstag sind identifiziert. Wie der belgische Sender RTBF am Mittwoch meldete, handelt es sich bei ihnen um die Brüder Khalid und Brahim El Bakraoui aus Brüssel.

Material von Videokameras wird von der Polizei ausgewertet  |  NOEN, BELGIAN FEDERAL POLICE

Beide seien den Sicherheitsdiensten bekannt gewesen, allerdings wegen "Gangstertums" und bisher nicht wegen Terrorismus.

Khalid hat demnach unter falscher Identität die Unterkunft in der Rue du Dries im Brüsseler Stadtteil Forest gemietet, wo es in der Vorwoche bei einer Razzia zu einem Schusswechsel mit der Polizei kam. Eine Spur hatte später zu Salah Abdeslam, einem der Hauptverdächtigen der Pariser Anschläge geführt. Abdeslam war am Freitag im Brüsseler Stadtteil Molenbeek verhaftet worden.

Unterdessen läuft die Suche nach potenziellen Tätern und Hintermännern nach den Anschlägen mit mehr als 30 Toten und 230 Verletzten weiter auf Hochtouren. Am Dienstagabend wurde ein junger Mann zur Fahndung ausgeschrieben, den eine Überwachungskamera auf dem Flughafen Zaventem aufgenommen hatte. Dort wurden mindestens zehn Menschen durch zwei Sprengsätze in den Tod gerissen. Kurz danach detonierte eine Bombe in einer Metrostation mitten im Europa-Viertel und tötete etwa 20 Menschen.

Das Foto der Überwachungskamera des Flughafens zeigt einen Mann mit heller Jacke und einem dunklen Hut. Neben ihm sind zwei weitere, schwarz gekleidete Männer zu sehen, die an jeweils einer Hand einen Handschuh tragen. Darunter hätten sich Experten zufolge Zünder befinden können.

Der noch gesuchte Verdächtige wurde einem Regierungsvertreter zufolge dabei beobachtet, wie er aus dem Flughafengebäude rannte. Er trug keine Handschuhe. Später machte die Polizei im Flughafengebäude einen dritten Sprengsatz unschädlich, der zuvor nicht detoniert war.

Bei einer Razzia im Brüsseler Stadtteil Schaerbeek wurden am Abend in einer Wohnung eine Nagelbombe und eine Fahne der Extremistenmiliz "Islamischer Staat" entdeckt, die sich zu den Taten bekannt hatte. Ein Taxifahrer sagte dem Sender VTM, er habe drei verdächtige Männer von Schaerbeek zum Flughafen gefahren. Sie hätten sich nicht von ihm bei ihrem Gepäck helfen lassen wollen.

Zu den Terroranschlägen soll es in Kürze ein Sondertreffen der für Innere Sicherheit zuständigen EU-Minister geben. Wie die niederländische EU-Ratspräsidentschaft mitteilte, könnte es bereits am kommenden Donnerstag organisiert werden. Als Reaktion auf die Anschläge von Brüssel erwägt die EU-Kommission einem Bericht der deutschen Zeitung "Die Welt" zufolge die Einführung von Sicherheitskontrollen vorzuschlagen, die bereits vor dem Betreten eines Flughafengebäudes stattfinden sollen.

Hunderte Belgier haben am Dienstagabend in Brüssel der Opfer der Anschläge am Flughafen und in der U-Bahn gedacht. Sie versammelten sich auf der Place de la Bourse im Zentrum der belgischen Hauptstadt und legten Blumen nieder und zündeten Kerzen an. Viele waren in die belgische Flagge gehüllt. In vielen Städten weltweit wurden am Abend Wahrzeichen in den belgischen Nationalfarben angestrahlt, unter anderem das Brandenburger Tor in Berlin, der Eiffelturm in Paris und der Trevi-Brunnen in Rom.

Die koordinierten Anschläge ereigneten sich vier Tage nach der Ergreifung von Salah Abdeslam, einem der Hauptverdächtigen der Anschläge von Paris im November. Die Staatsanwaltschaft erklärte, es werde geprüft, ob die jüngsten Angriffe in Zusammenhang mit der Festnahme stünden. Sicherheitsexperten erklärten allerdings, derartige Anschläge bedürften einer längeren Vorbereitung.

Die USA riefen ihre Bürger zu erhöhter Wachsamkeit bei Besuchen in Europa auf. Der Flug- und Bahnverkehr von und nach Brüssel war vorübergehend eingestellt worden. Der Flughafen der belgischen Hauptstadt sollte auch noch am Mittwoch geschlossen bleiben.