Erstellt am 27. Mai 2015, 11:00

von APA/Red

Polizei ermittelt weiter wegen Schlepperei. In dem Fall, wonach Security-Mitarbeiter auf dem Flughafen Wien in Schwechat mehrere Flüchtlinge auf Flüge in die USA und nach Großbritannien geschleust haben sollen, dauern die polizeilichen Ermittlungen an.

 |  NOEN, APA

Ein Abschlussbericht sei in den kommenden 14 Tagen in Aussicht gestellt, sagte Friedrich Köhl, Sprecher der Staatsanwaltschaft Korneuburg, am Mittwoch auf Anfrage.

Ermittelt wird – wegen gewerbsmäßiger Schlepperei im Rahmen einer kriminellen Vereinigung – seit etwa drei Monaten gegen 13 Mitarbeiter von auf dem Airport tätigen Sicherheitsunternehmen. Es handle sich somit um "Angestellte ziviler Natur", die ihre Zutrittsberechtigungen ausgenützt hätten, hieß es am Mittwoch. Beamte seien in den Fall nicht involviert.

Zwei Beschuldigte, Staatsbürger aus Polen bzw. Sri Lanka, sitzen in U-Haft. Die Staatsanwaltschaft hatte sechs Haftanträge gestellt. Die Schleusungen von zumindest zehn vorwiegend aus Sri Lanka stammenden Personen gegen Entgelt (die Rede ist von 7.000 bis 9.000 Euro pro Person) sollen seit Herbst vergangenen Jahres bis Februar 2015 erfolgt sein. Ob es möglicherweise noch mehr derartige Fälle gegeben hat, war Gegenstand der laufenden Erhebungen.

Anklage könnte noch vor Sommer sein

Aufgeflogen waren die Schleusungen laut Köhl über "zwei Schienen". Einerseits sei einer der illegal Reisenden in den USA angehalten und zurückgewiesen worden. Andererseits habe die Schlepperbande versucht, in Schwechat weitere Komplizen anzuwerben – und wurde "verpfiffen".

Mit dem Eintreffen des polizeilichen Abschlussberichtes werde der Fall enderledigt, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft am Mittwoch. Eine Anklageerhebung noch vor dem Sommer sei somit durchaus möglich.

Tathergang noch nicht rekonstruiert

Über den Modus Operandi der Täter kann zum jetzigen Zeitpunkt nur spekuliert werden, das ist nun Gegenstand der Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Korneuburg, sagte Flughafensprecher Peter Kleemann. Wie die genauen Wege der Schlepper am Flughafen vom Check-in bis zum Gate G ausgesehen haben, wo die Flüge in die USA abgefertigt werden, ist noch unklar.

Es ist eher unwahrscheinlich, dass die illegalen Einwanderer Gepäck aufgegeben haben, meinte AUA-Pressesprecher Peter Thier. Das Einchecken dürfte über das Internet erfolgt sein. Denn je weniger "Berührungspunkte" diese Passagiere mit anderen hatten, desto besser war es für sie. Dass man ohne Gepäck reist, fällt heutzutage nicht mehr auf. "Ein Drittel der Passagiere ist ohne Gepäck oder nur mit Handgepäck unterwegs", sagte Thier.

Danach erfolgt der Eintritt zur Sicherheitskontrolle über eine elektronische Tür. Diese wird mit dem QR-Code auf dem Flugticket geöffnet. Neben diesen Zutritten gibt es auch einen eigenen Zugang für Mitarbeiter, die am Airport tätig sind. Dass die Illegalen mit den Securitymitarbeitern über diese elektronische Tür gekommen sind, ist möglich, aber eher unwahrscheinlich, da die illegal Reisenden ja über ein gültiges Ticket verfügten.

Hinter dem Zugang befindet sich die Sicherheitskontrolle des Flughafens Wien, der sich jeder unterziehen muss, egal ob Passagier, Flughafenmitarbeiter, Securitymitarbeiter oder Polizist. Das heißt, auch wenn die verdächtigen Securities den Durchgang bis zum Gate ermöglicht haben, mussten die Kriminellen und ihre Schützlinge durch die strengen Sicherheitschecks kommen, wo alle Menschen auf verbotene Gegenstände oder gefährliche Flüssigkeiten untersucht werden.

Nun galt es den nächsten Checkpoint, die Passkontrolle, zu überwinden, um in den Non-Schengen-Bereich zu gelangen. Da gehen Flughafen-Kenner davon aus, dass die Illegalen nicht den Weg gegangen sind, der für Passagiere vorgesehen ist. Denn dort werden der Reisepass, das Visum sowie das Ticket kontrolliert. Da sich direkt neben der Passkontrolle zwei Mitarbeiterschleusen befinden, die allerdings nur einzeln betreten werden können, könnten hier die Securities den Illegalen einen Mitarbeiterausweis ausgehändigt haben, um die Passkontrolle zu umgehen.

Neue Handvenenscans für Mitarbeiter geplant

Mit der neuen Technik des Handvenenscans - Kostenpunkt eine Million Euro - soll in Zukunft eine solche Täuschung über die Identität der eintretenden Person technisch ausgeschlossen werden. Die Einführung dieses Systems steht nicht mit dem aktuellen Missbrauch von Zutrittskarten in Zusammenhang, sondern war schon seit zwölf Monaten geplant, sagte Kleemann.

Die letzte Überprüfung für USA-Reisende erfolgte direkt am Gate. Mitarbeiter der von der AUA beauftragten Securityfirma G4S kontrollierten hier noch einmal kurz vor Betreten des Flugzeuges auf Ersuchen des US-Department of Homeland Security die Pässe, Visa und Tickets. Da sich hier der Beschuldigte G4S-Security selbst im Dienst befand, war es ein Leichtes, den illegal Reisenden ohneweiteres auf den Flieger zu bringen. Als Reaktion auf den Vorfall wird in Zukunft bei der Überprüfung der Reisedokumente das Vier-Augen-Prinzip eingesetzt, betonte AUA-Sprecher Thier. Zudem wurde eine Arbeitsgruppe gegründet, um das Zutrittsverfahren zu evaluieren, sagte Flughafensprecher Kleemann.

Kritik kommt von vida

„Auslagerungen und Sparen am falschen Platz begünstigen immer mehr das Entstehen von Sicherheitslecks“, kritisierten am Mittwoch die vida-Verkehrsgewerkschafter Johannes Schwarcz und Roman Hebenstreit. Anlass waren die am Flughafen Wien aufgedeckten Sicherheitslücken, "wodurch Menschen illegal durch die Personenkontrollen der AUA geschleppt werden konnten."

Schwarcz, Vorsitzender des vida-Fachbereichs Luft- und Schiffverkehr sowie Betriebsrat bei der AUA, forderte in einer Ausendung, "dass die AUA und andere Fluglinien die Auslagerung von hoch sicherheitsrelevanten Bereichen wieder rückgängig machen" müssten.

Nur gut ausgebildetes und entsprechend bezahltes Stammpersonal könne dazu beitragen, dass derartige Sicherheitslecks, die Crews und Passagiere gleichsam in ernste Gefahr bringen könnten, "auf ein Minimum reduziert werden können".

Die AUA hat am Mittwoch der vida-Darstellung widersprochen. Der von der Gewerkschaft kritisierte Dienst, der Dokumenten-Check, werde "seit 20 Jahren" von Fremdfirmen durchgeführt. Seit 2013 sei das die G4S, ab 2006 sei es die Flughafen Wien-Tochter VIAS gewesen, wiederum davor die LIS, erklärte AUA-Sprecher Peter Thier. Die vida möge "richtig recherchieren und nicht Unsinn verbreiten".
 

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