Erstellt am 07. Juli 2014, 13:06

von APA/Red

Forderung nach Verbesserungen im Pflegebereich. Die Arbeiterkammer Wien (AK) und die Gewerkschaften haben in einer gemeinsamen Pressekonferenz am Montag in Wien den Ausbau der professionellen Altenpflege und Betreuung zu Hause, sowie eine ausreichende Ausstattung der institutionellen Pflege gefordert. Um den steigenden Bedarf bewältigen zu können, brauche es mehr Personal. Zudem solle der Pflegefonds zur Dauereinrichtung werden.

Um den steigenden Bedarf bewältigen zu können, brauche es mehr Personal. Zudem solle der Pflegefonds zur Dauereinrichtung werden.

"Das Angebot ist in Österreich je nach Region höchst unterschiedlich vorhanden und oft von Mangel gekennzeichnet. Wir haben es hier mit einem Fleckerlteppich zu tun", kritisierte AK-Präsident Rudolf Kaske.

453.000 Personen bezogen im April 2014 Pflegegeld

So kommen beispielsweise in Wien zwei Pflegekräfte auf einen Pflegegeldbezieher der Stufe drei, in der Steiermark sind es 3,7. Bei den stationären Diensten gibt es laut AK in Salzburg den höchsten Versorgungsgrad mit 131 Plätzen je 1.000 Einwohner über 75 Jahren, in der Steiermark sind dies 111, in Oberösterreich 105, am niedrigsten ist diese Zahl mit 62 in Niederösterreich.

453.000 Personen haben im April 2014 in Österreich Pflegegeld bezogen. Hierzulande gibt es 436.000 Menschen im Haupterwerbsalter zwischen 15 und 64 Jahren, die ihre Angehörigen pflegen. Knapp zwei Drittel davon sind Frauen. In der professionellen Pflege und Betreuung arbeiten knapp 50.000 Menschen, der Großteil davon im stationären Bereich, wobei der Frauenanteil bei 81 Prozent liegt, bei der mobilen Pflege und Betreuung liegt dieser bei 93 Prozent. Die Rahmenbedingungen sind laut den Gewerkschaften schwierig.

Einerseits gibt es einen hohen Anteil an Teilzeitkräften und daraus resultierend niedrige Einkommen sowie geringe Aufstiegschancen, zudem herrscht vielerorts Personalmangel, Arbeitsdruck und auch die Überstunden steigen.

Heimhelferin: "Der Druck ist ein enormer"

All dies führt dazu, dass wenige lange im Beruf verweilen, sagte Heidemarie Frühauf, Betriebsratsvorsitzende beim Wiener Hilfswerk. "Der Druck ist ein enormer", so die Heimhelferin und nannte ein Beispiel aus eigener Berufserfahrung. So blieben ihr für Leibstuhl ausleeren und reinigen, Essen vorbereiten und Tee kochen, Stützstrümpfe ausziehen und waschen, an Medikamenteneinnahme erinnern und zeitintensive Dokumentation bei einem Abendeinsatz 15 Minuten.

Noch dazu bei einem Klienten in einer Altbauwohnung im vierten Stock ohne Lift, bei der das WC am Gang liegt. Es kommt immer wieder zu Personalengpässen, obwohl die gesetzlichen Vorgaben eingehalten werden, erläuterte Silvia Weber-Tauß von der GPA-djp. "Dadurch ist eine individuelle Pflege und Betreuung nicht immer möglich."

Geforderte wurde auch ein Ausbau des CASE-and-Care-Managements, um das richtige Betreuungs- und Pflegeangebot zu finden. Für die Angehörigen müssen laut AK und Gewerkschaften die Rechte im Betrieb verbessert werden und auch die Pflegekarenz zu einem Recht werden. Hierfür ist derzeit eine Vereinbarung mit dem Arbeitgeber notwendig.

Für die Pflege- und Betreuungskräfte braucht es bessere Arbeitszeiten und Bezahlung sowie weniger Arbeitsdruck, forderte Kaske. "Mit dem gleichen Personal bei steigender Anzahl der älteren Bevölkerung wird es wohl nicht gehen", sagte der AK-Präsident. Das Ziel müsse verlässlich gute Pflege und Betreuung gleichermaßen für Pflegebedürftige, Angehörige und Beschäftigte sein. "Egal wo in Österreich", sagte Kaske.