Erstellt am 08. Oktober 2014, 12:28

von APA/Red

Formel 1 beehrt Putins Prestigeobjekt in Sotschi. Den Gang durch die erste Formel-1-Startaufstellung in seiner Heimat Russland wird sich Präsident Wladimir Putin wohl kaum entgehen lassen.

Ob er beim nächsten spannungsgeladenen Mercedes-Duell zwischen WM-Spitzenreiter Lewis Hamilton und seinem deutschen Verfolger Nico Rosberg in Sotschi womöglich sogar den Siegerpokal überreicht, war vorerst aber nicht bekannt.

Fünf Tage nach seinem 62. Geburtstag wird auf jeden Fall das nächste sportliche Prestigeobjekt für das russische Staatsoberhaupt wahr. Wegen der Eskalation des Konflikts mit der Ukraine steht die Grand-Prix-Premiere am Schwarzen Meer in der Kritik, die Piloten freuen sich trotzdem auf das Spektakel nach Olympia im Februar und vor der Fußball-WM 2018 in Russland.

"Genau das wollen wir als Fahrer", sagte etwa Vierfach-Weltmeister Sebastian Vettel zur 5,853 Kilometer langen Strecke, eingebettet in den Olympiapark der Winterspiele. Der Deutsche hatte sie in einem Pkw als erster Formel-1-Pilot im August testen dürfen.

"Haben unser Leben lang darauf gewartet"

"Unser Rennen wird einzigartig sein", versprach Alexander Saurin, Vize-Gouverneur der Region Krasnodar. "Wir haben unser Leben lang darauf gewartet." Vor vier Jahren unterzeichnete Putin zusammen mit Formel-1-Geschäftsführer Bernie Ecclestone den Vertrag. Schon Anfang der 1980er-Jahre hatte der Brite seine Formel 1 auch in die damalige Sowjetunion schicken wollen.

Von seiner Idee, die Rennwagen über den Roten Platz fahren zu lassen, sollen die Russen aber nicht so erbaut gewesen sein. Putin machte es nun möglich. Im Schwarzmeerort Sotschi, wo vor rund acht Monaten um Olympia-Gold gekämpft wurde, treten die Silberpfeil-Rivalen Hamilton und Rosberg zum nächsten Duell um den WM-Titel an. Es geht um den Sieg beim ersten Formel-1-Rennen in Russland.

Eine Premiere, die glanzvoll sein soll - trotz aller Kritik und sogar Forderungen nach einer Absage wegen des Ukraine-Konflikts. Ein Start, der der Beginn in eine lange Ära der Motorsport-Königsklasse in Russland sein soll, der jedoch weiterhin unter dem Eindruck des grauenvollen Unfalls des Franzosen Jules Bianchi stehen wird. Der 25-jährige Marussia-Pilot war am Sonntag in Suzuka so schwer verunglückt, dass er wegen schwerer Kopfverletzungen weiterhin in Lebensgefahr schwebt.

Wichtig für weltweite Expansion der Formel 1

Eine gelöste Stimmung im Fahrerlager von Sotschi ist daher nur schwer vorstellbar. Ob Hamilton oder Mercedes-Widersacher Rosberg, Erster und Zweiter in Japan, alle sind in Gedanken auch bei Bianchi. Ob der Internationale Automobil-Verband (FIA) als Regelhüter nach dem Unfall mit einem Bergungskran auch Maßnahmen für das Renngeschehen in Russland vornehmen wird, ist unklar.

Unbestritten sind dagegen die Beweggründe für die Formel 1, auch in Russland anzutreten, dem neunten neuen Markt seit 15 Jahren. Es sei ein wichtiges Rennen für die weltweite Expansion der Formel 1, betonte Force-India-Teamchef Vijay Mallya, ist doch das größte Land der Welt ein Schlüsselmarkt für die großen Autohersteller. Um aus dem Olympiapark mit seinen spektakulären Bauten eine Formel-1-Strecke zu machen, hatte die Regierung 142 Millionen Euro veranschlagt. Von deutlich höheren Kosten wird ausgegangen.

Hamilton ist Mansell dicht auf den Fersen

Sportlich verspricht der 16. der 19 Saisonläufe das nächste Kapitel im "Krieg der Sterne" und die vorzeitige Entscheidung in der Konstrukteurs-WM zugunsten von Mercedes: Rosberg steht dabei unter Druck, gelangen doch seinem Teamkollegen Hamilton zuletzt drei Siege in Serie. Vor allem die Vorstellung des Engländers im Regen-Grand-Prix in Japan war beeindruckend. Zehn Punkte trennen die WM-Rivalen vier Rennen vor Schluss.

Hamilton kann außerdem bereits in Sotschi mit seinem 31. Karrieresieg zum erfolgreichsten Formel-1-Piloten im motorsportverrückten Großbritannien zusammen mit Nigel Mansell aufsteigen. Für ihn heißt das Motto in der Olympiastadt daher erst recht nicht: Dabei sein ist alles. Für Putin im Fall der Formel 1 schon eher.