Erstellt am 25. Mai 2015, 12:44

von APA/Red

"Bittersüßer" Mercedes-Sieg - Rosberg machte dennoch Party. Nico Rosberg hat nach seinem "bittersüßen" Hattrick in Monaco Party gemacht, sein Mercedes-Team hingegen einige Krisensitzungen vor sich. Die Strategiepanne, die Lewis Hamilton am Sonntag um den sicheren Sieg gebracht und Rosberg zum dritten Sieg in Folge im Fürstentum gespült hat, erfordert Konsequenzen. Aufsichtsrat Niki Lauda stellte klar: "Der Vorfall muss analysiert werden."

 |  NOEN, APA (epa)

Zwar wird auch 2015 die Formel-1-WM offensichtlich zu einem Solo für Mercedes, nachdem Hamilton (3) und Rosberg (2) fünf der bisher sechs Rennen gewonnen und dabei drei Doppelsiege gefeiert haben. Aber der Kampf um den Fahrertitel hat sich durch das Reifenwechsel-Malheur von Monaco etwas gedreht.

Hätte Hamilton seinen sicher scheinenden Sieg vor Rosberg nach Hause gefahren, wäre der Weltmeister bei 27 Punkten Vorsprung sicher auch als WM-Führender zum übernächsten Grand Prix nach Österreich gekommen. So kann Rosberg bei nur noch zehn Zählern Rückstand in zwei Wochen in Kanada sogar selbst und erstmals in diesem Jahr die WM-Führung an sich reißen.

Das ist allerdings unwahrscheinlich, denn die F1W06-Silberpfeile sind nicht nur schnell, sondern auch standfest. Beide Piloten sind in allen bisherigen Rennen auf das Podest gekommen, Platz drei in Monaco war für Hamilton das "schlechteste" Saisonergebnis.

Hamilton: "Gebe Team keine Schuld"

Der Brite gab sich wenige Tage nach seiner hundert Millionen Dollar schweren Vertragsverlängerung professionell zurückhaltend, obwohl ihn der späte Reifenwechsel den Sieg gekostet hatte. "Dieses Rennen liegt mir seit vielen Jahren am Herzen, deshalb wollte ich unbedingt gewinnen", sagte Hamilton.

Der Engländer gab sich in der Team-Aussendung aber - natürlich - diplomatisch. "Ich gebe dem Team keine Schuld. Wir werden es analysieren und gemeinsam herausfinden, was falsch gelaufen ist. Wir gewinnen und wir verlieren gemeinsam. Das Leben geht weiter und wir greifen wieder an", sagte er.

Während Hamilton seinen Frust angeblich u.a. mit Gigi Hadid - das US-Model erwiderte Hamiltons Abstecher nach Cannes mit einem Gegenbesuch in Monaco - verarbeitete, ließ auch Rosberg ausnahmsweise die Korken knallen.

Der angehende Familienvater feierte Sonntagabend bei der "Amber Lounge", dass er mit seinem zweiten Saisonsieg in Folge - auch das ist ihm zum ersten Mal gelungen - zum vierten Fahrer nach Graham Hill, Alain Prost und zuletzt Ayrton Senna mit drei Monaco-Siegen in Folge avanciert war. Senna war dies sogar fünf Mal in Serie gelungen.

Rosberg: "Hamilton hätte Sieg definitiv verdient"

Dem 29-jährigen Deutschen war bewusst, wie wohl gesonnen ihm das Schicksal gewesen war. Denn auf der Straße war Hamilton das ganze Wochenende klar besser gewesen. "Das war mit Sicherheit die glücklichste Erfahrung in meiner bisherigen Rennfahrerkarriere. Was für ein verrücktes Rennen", sagte Rosberg.

Noch vor dem Rennen hatte Bernie Ecclestone den Lebemann Hamilton als perfekten Formel-1-Botschafter bezeichnet und Rosberg unterstellt, er sei nicht gut für sein Geschäft. Etwas, das sich Rosberg mit Sicherheit merken wird.

Auch er blieb aber fair und gab zu: "Bis zur Safety-Car-Phase hatte Lewis perfekte Arbeit abgeliefert. Er war das gesamte Wochenende über besser als ich. Er hätte den Sieg definitiv verdient gehabt und ich kann mir vorstellen, wie schrecklich er sich fühlen muss."

Monaco sei deshalb trotz seines Sieges auch ein Warnschuss gewesen. "Beim nächsten Rennen in Montreal muss ich noch härter arbeiten", hat sich Rosberg für Kanada vorgenommen.

Wolff: "Haben gewonnen und gleichzeitig verloren"

Motorsportchef Toto Wolff gab in Monaco den "Zerrissenen". Offenbar war man auch etwas irritiert gewesen, weil nach dem Verstappen-Crash das "virtuelle" Safety Car angezeigt worden war, ehe doch das "echte" auf die Strecke kam.

"Was für ein verrückter Tag. Ich glaube nicht, dass es je ein bitter süßeres Gefühl als dieses gegeben hat", ließ der Wiener ins Presse-Protokoll schreiben. "Wir haben gewonnen und zur gleichen Zeit auch verloren. Unser Fehler hat Lewis den Sieg gekostet, wir haben uns simpel gesagt einfach verrechnet", erklärte der Österreicher die laut ihm auf falschen Computerdaten basierende Panne.

"Wir dachten, genügend Vorsprung zu haben, aber die Rechnung war falsch", erklärte Wolff. "Unsere Entscheidung, unser Fehler", sagte er klipp und klar und lobte Hamiltons "anständige" Art. "Er war eine Leitfigur und ein echter Sportsmann."

Wolff kündigte an, dass man nun hinter verschlossenen Türen sehr selbstkritisch vorgehen werde. "Dieses Erlebnis wird uns in den kommenden Rennen als Team besser und stärker machen."

Aber auch Rosbergs Sieg gehöre gewürdigt, betonte Wolff. "Auch er hat keinen Fehler gemacht. Drei aufeinanderfolgende Siege in Monaco sind erst drei anderen Fahrern in der Geschichte unseres Sports gelungen. Dies ist ein ganz besonderer Moment, den er genießen sollte."

Das tat Rosberg auch. "Natürlich freue ich mich auch, wieder hier in Monaco gewonnen zu haben. Das ist immer etwas Besonderes", sagte er, bevor er in seiner Wahlheimat in die Partynacht abtauchte. "Ein Sieg ist ein Sieg."