Erstellt am 13. März 2015, 10:13

von APA/Red

Mercedes weiter erste Kraft, Red Bull leidet unter Motoren. Mercedes hat wie erwartet auch 2015 die schnellsten Autos in der Formel 1. Nico Rosberg erzielte jeweils vor Lewis Hamilton in beiden Freitag-Trainings für den Grand Prix von Australien, mit dem am Sonntag die WM beginnt, Bestzeit.

Beide Silberpfeil-Fahrer hängten dabei die Konkurrenz klar ab. Auch bei Red Bull Racing ging der Trend weiter, die Renault-Motorenprobleme sind nach wie vor da.

Das dokumentierte sich am deutlichsten in der zweiten Übungs-Einheit am späteren Nachmittag, an der Lokalmatador Daniel Ricciardo wegen einer defekten ICE-Einheit am Renault-Motor nicht teilnehmen konnte. Am Vormittag hatte sich der 25-Jährige aus Perth mit seinem schwer zu kontrollierenden RB11 gedreht.

Auch der 17-jährige Toro-Rosso-Fahrer Max Verstappen, der kurz nach Mittag bei Sonnenschein und 19 Grad als jüngster Fahrer der WM-Geschichte als erster Pilot auf den malerischen Straßenkurs im Albert Park gegangen war und zusammen mit Carlos Sainz Jr. das jüngste Gespann in der Formel 1 bildet, verpasste einen Großteil der Einheit wegen einer kaputten ERS-Batterie. Renault rüstet 2015 nur noch die beiden Red-Bull-Teams aus.

Rosberg erzielt Tagesbestzeit

Große Zufriedenheit herrschte dafür bei Mercedes. Rosberg war im ersten Training 29 Tausendstel und dann eine Zehntel schneller als Weltmeister Hamilton.

Noch wichtiger: Die Konkurrenz blieb deutlich zurück, am nächsten kam im FP2 noch Neo-Ferrari-Pilot Sebastian Vettel mit sieben Zehntel Rückstand. "Es gibt nicht das Geringste auszusetzen. Alles hat problemlos funktioniert, das ist ermutigend", sagte Team-Aufsichtsratsvorsitzender Niki Lauda.

Rosberg erzielte die Tagesbestzeit in Melbourne mit 1:27,697 Sek. Damit bestätigte sich, dass die Autos heuer nicht nur etwas lauter, sondern auch um zwei Sekunden schneller sind als 2014. Die anhaltende Mercedes-Überlegenheit hatte sich zudem schon bei den Wintertestfahrten abgezeichnet.

"Wir sind das Team, das es zu schlagen gilt", hatte sich Rosberg bereits vor den ersten beiden 90-Minuten-Trainings zuversichtlich gezeigt. "Der erste Tag war wirklich vielversprechend", sagte auch Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff. "Wir sind offenbar in einer guten Position, die Saison wird aber trotzdem spannend." Lauda hatte bemerkt: "Auffallend ist, dass Ferrari bei den Longruns am nächsten dran ist."

"Renault-Motoren schwierig zu fahren"

Bei Red Bull dominierte hingegen die Enttäuschung. "So kann es nicht weitergehen", kommentierte Motorsport-Berater Helmut Marko die offenbar anhaltenden Renault-Mängel. Der Grazer monierte im Speziellen die anhaltend schlechte Fahrbarkeit der französischen Antriebsstränge, die neben einem PS-Mangel schon im Vorjahr hauptausschlaggebend für den Rückfall des vierfachen Weltmeisterteams gewesen waren.

"Alle Autos mit Renault-Motoren sind ganz schwierig zu fahren", nahm sich Marko noch in der Boxengasse gegenüber dem ORF-TV kein Blatt vor den Mund. Verwunderlich, denn wie im Vorjahr hatte Renault auch diesmal ermutigende Prüfstand-Ergebnisse gemeldet.

Gespräche mit den Verantwortlichen sowie ein Meeting bereits am kommenden Mittwoch in England wurden als erste Maßnahme festgelegt. Red Bull droht noch größeres Ungemach, weil 2015 nur noch vier statt fünf Motoreneinheiten erlaubt sind. "Ich weiß nicht, ob das schon durchgedrungen ist", meinte Marko. "Es ist unverständlich, dass ein Motor nach nur 50 Kilometern einen Schaden hat."

In der zweiten Trainings-Einheit waren auch die beiden Sauber-Piloten Marcus Ericsson (SWE) und Felipe Nasr (BRA) im Einsatz. Das war in der ersten nicht möglich gewesen, weil Giedo van der Garde erfolgreich ebenfalls einen Platz als Stammfahrer beim Schweizer Team eingeklagt hatte.

Rechtsstreit geht weiter

Der Niederländer hatte deshalb am Vormittag auch die Sitzprobe im Auto von Ericsson vorgenommen, durfte aber wegen fehlender Superlizenz dann doch nicht fahren. Sauber ließ in der ersten Session dennoch beide Autos in der Box, um keine Beschlagnahme oder andere Strafen zu riskieren. Der Rechtsstreit geht am Samstag weiter, Teamchefin Monisha Kaltenborn droht sogar Gefängnis.

Das Gericht in Victoria hat aber auch klärende Gespräche zwischen Sauber und van der Garde angeregt. "Ich kann dazu nichts sagen", meinte die Österreicherin nach dem Training.

Aus einem kuriosen Grund konnten die beiden Manor-Boliden am Freitag nicht teilnehmen. Im Zuge der Übernahme des ehemaligen Marussia-Teams ist offenbar die Start-Software gelöscht worden.

Für eine Schrecksekunde sorgte Marcus Ericsson. Der Ersatzfahrer für den im Februar verunfallten Fernando Alonso rutschte mit seinem McLaren heftig in die Mauer. Befürchtungen, die Ursachen könnten ähnliche gewesen sein wie beim mysteriösen Alonso-Crash, lösten sich schnell auf. "Fahrfehler, ich war selbst schuld", meldete der Däne.