Erstellt am 11. September 2014, 14:02

Formel E-Serie startet am Samstag. Die "grüne Welle" hat endgültig auch den Motorsport erfasst. Die Formel E, die globale und bis zu 230 km/h schnelle Rennserie für Autos mit Elektro-Antrieb, startet am Samstag in Peking zu ihrer Premierensaison.

Der Bezahlsender Sky hat sich die Rechte gesichert und überträgt das erste der zehn auf identischen Fahrzeugen bestrittenen Saisonrennen ab 9.30 Uhr live.

Autorennen mit Flüsterton

Die Initiatoren mit FIA-Präsident Jean Todt an der Spitze sind zuversichtlich, mit der Umsetzung der Idee den Nerv der Zeit getroffen zu haben. Todt und seine Mitstreiter sind von der Notwendigkeit überzeugt, der Entwicklung in der Automobil-Industrie die notwendige Beachtung schenken zu müssen.

Bei diesem Anspruch ist die Lancierung der Formel E nach der Hybrid-Technik in der Langstrecken-WM und in der Formel 1 der nächste logische Schritt. „Die Welt ist steten Veränderungen unterworfen. Als Aushängeschild im Motorsport tragen wir die Verantwortung, diesen Veränderungen Rechnung zu tragen. Aus unserer Warte hat sich deshalb aufgedrängt, eine Vision für neue Technologien und für die Entwicklung in der Autoindustrie zu schaffen", sagt Todt.

Trotz Aufbruchstimmung und Euphorie bei den Mächtigen der FIA ist die Akzeptanz der neuesten Formel-Kategorie schwer abschätzbar. Die Idee einer Rennserie ohne Schadstoff-Ausstoß stößt natürlich auf Zustimmung. Die Kritiker führen unter anderem ins Feld, den Sport der Lächerlichkeit preiszugeben. Ihnen ist ein Dorn im Auge, dass die Autos "auf leisen Sohlen" daherkommen. Autorennen und Flüsterton - das passt für sie nicht zusammen.

Nach Peking acht weitere Stationen

Es ist daher kein Zufall, dass sich die "neue E-Klasse" nicht auf herkömmlichen Rundkursen, sondern in den Städten niederlässt. Dort, wo die elektrische Schubkraft auch im Straßenverkehr auf große Resonanz stößt. Nach dem Auftakt in Peking setzt die Formel E ihre Weltreise in acht weiteren und mondänen Stationen wie Buenos Aires, Miami oder Monaco bis nach London fort, wo im Juni 2015 das Finale ausgetragen wird.

Offen ist noch ein Februar-Termin, denn Rio de Janeiro hat nachträglich seinen Verzicht erklärt. Am Zuckerhut fehlt im Jahr zwischen Fußball-WM und Olympischen Spielen offenbar der Enthusiasmus für einen weiteren Groß-Event.

Die Rennen werden aus Kostengründen als Ein-Tages-Veranstaltungen durchgezogen. Freie Trainings, Qualifying und die als "ePrix" deklarierten Rennen finden innerhalb weniger Stunden statt. Die rund 60 Minuten dauernden ePrix sind zweigeteilt. Weil die Antriebsaggregate für die gesamte Distanz (noch) nicht über genügend Speicherkapazitäten verfügen, müssen die Fahrer nach halbem Pensum einen Fahrzeugwechsel vornehmen.

Frauenquote bei 10 Prozent

Eingeschrieben für die erste Meisterschaft in der Formel E sind zehn Teams mit 20 Fahrern, unter ihnen einige aus der Formel 1 bestens bekannte Namen. Am Start sind u.a. der Schweizer Red-Bull-Testpilot Sebastien Buemi, der Italiener Jarno Trulli, der Japaner Takuma Sato sowie die Brasilianer Nelson Piquet Jr. und Bruno Senna oder der Deutsche Nick Heidfeld, der für das Venturi-Team von Schauspieler Leonardo di Caprio antritt.

Insgesamt hat mehr als die Hälfte der Teilnehmer eine Vergangenheit in der Königsklasse. Vertreten ist auch das weibliche Geschlecht. Dank der Engländerin Katherine Legge und der Italienerin Michela Cerruti beträgt die Frauenquote stolze zehn Prozent.

Die Elektro-Motoren leisten im Maximum 270 PS. 225 km/h werden daher das Höchste der Gefühle sein. Der Vergleich mit den Autos in der Formel 1 oder der Endurance-Serie hinkt aber. „Die Formel E ist etwas komplett anderes. Es steht nicht nur weit weniger Power zur Verfügung. Diese Autos haben auch deutlich weniger Grip. Zudem sind sie um einiges schwerer", erklärte Buemi. „Der Sound ist deutlich anders und leiser", sagte Heidfeld.

Die E-Mobile müssen laut Reglement inklusive Fahrer im Minimum 888 Kilo auf die Waage bringen. Davon entfallen allein 320 Kilo auf die Batterie. Das Gesamtgewicht ist damit um rund 200 Kilo höher als das eines Formel-1-Autos. Die Formel E ist auch interaktiv, denn die Fans können online für ihren Lieblingsfahrer stimmen. Die Top-Drei bekommen einen zusätzlichen, fünfsekündigen Energie-Schub von 40 PS.