Erstellt am 24. April 2016, 17:15

von APA/Red

FPÖ feiert historisches Ergebnis. FPÖ-Generalsekretär Herbert Kickl sieht in dem Ergebnis der ersten Runde der Präsidentenwahl "ein sensationelles Ergebnis für Norbert Hofer und ein historisches Ergebnis für die FPÖ".

 |  NOEN, APA (Punz)

Ob nun Alexander van der Bellen oder Irmgard Griss Gegenkandidat in der Stichwahl sein wird, ist Kickl relativ egal: "Wir nehmen's wie's kommt", sagte der FPÖ-Generalsekretär gegenüber der APA.

Für Kickl ist das Wahlergebnis ein eindeutiges Statement der Wähler, dass sie einen Bundespräsidenten mit einem anderen Amtsverständnis in der Hofburg wollen. Hofer habe im Wahlkampf klargemacht, dass er Klartext rede und ein Korrektiv zur Regierung sein wolle.

Zur Frage, ob es ein Erfolg Hofers oder der FPÖ sei, meinte der Generalsekretär, Hofer sei immer als Kandidat der FPÖ ins Rennen gegangen und habe sich im Gegensatz zu anderen nicht verstellt. Hofer habe die Positionen der FPÖ von der direkten Demokratie bis zur EU-Kritik ausführlich dargelegt.

Dass die beiden Regierungsvertreter Rudolf Hundstorfer (SPÖ) und Andreas Khol (ÖVP) eine Niederlage erlitten haben, führt Kickl auf den "fatalen Kurs" der Regierung zurück. Beide seien maßgebliche Vertreter der Regierungsparteien. Hundstorfer habe als Sozialminister ein Herzstück der Bundesregierung vertreten und Khol trage im Bereich der Pensionen maßgeblich Mitverantwortung.

Alexander Van der Bellens Wahlkampfmanager Lothar Lockl hat sich am Sonntag zuversichtlich gezeigt, dass sein Kandidat im Endeffekt den zweiten Platz für sich sichern können wird. Sollte es der frühere Grünen-Chef nicht schaffen, dann werde man Irmgard Griss in der Stichwahl unterstützen, sagte er.

"Wir hoffen, dass es sich am Ende ausgeht", so Lockl nach Bekanntgabe der SORA-Hochrechnung. Die ersten Ergebnisse und Trends seien für ihn ein Schock gewesen, "aber die Bundespräsidentenwahl wird am 22. Mai entschieden", so der Wahlkampfmanager in Van der Bellens Wahlzentrale im Palais Schönburg in Wien-Wieden.

Das Wahlkampfteam rund um die unabhängige Kandidatin Irmgard Griss will erst einmal das Ergebnis der Wahlkarten sowie der Briefwahl abwarten, bevor es ein endgültiges Resümee zieht. Manager Milo Tesselaar sieht "auf jeden Fall ein historisches Ergebnis, dass eine überparteiliche Kandidatin so abschneidet", sagte er am Sonntag gegenüber der APA.

"Grundsätzlich glaube ich, dass es in Zukunft nur gemeinsam und gegen eine Spaltung der Gesellschaft", die sich abzeichnet, gehen werde, so Tesselaar. Der Ruf nach einem neuen politischen Stil, für den Griss bei der Präsidentschaftswahl gestanden sei, sei zumindest "ganz gewaltig da". "Das Verbindende und Neue kann nur Irmgard Griss sein", sagte Tessellaar nach der ersten Hochrechnung.

SPÖ-Bundesgeschäftsführer Gerhard Schmid hat in einer ersten Reaktion auf das Abschneiden von SPÖ-Präsidentschaftskandidaten Rudolf Hundstorfer von einer "sehr schmerzlichen Niederlage" gesprochen. Personelle Konsequenzen werde es keine geben, inhaltliche aber sehr wohl, sagte er in der SP-Parteizentrale in der Löwelstraße.

"Das ist eine Niederlage, für die wir auch Verantwortung als Gesamtpartei übernehmen", sagte Schmid. "Wir haben einstimmig Rudi Hundstorfer als erfahrenen, krisenfesten Kandidaten nominiert, der Wähler hat heute anders entschieden." Das schlechte Abschneiden begründete er damit, dass "die Menschen der Darstellung des politischen Establishments eine Abfuhr erteilt haben." Es handle sich allerdings nicht um eine "Watsche für die Regierung, weil die Regierungspolitik ist etwas anderes".

Für ÖVP-Generalsekretär Peter McDonald ist das schlechte Ergebnis des schwarzen Präsidentschaftskandidaten Andreas Khol "natürlich enttäuschend, aber zu respektieren". "Die Österreicherinnen und Österreicher haben entschieden", bemerkte McDonald am Sonntagnachmittag nüchtern in einem schriftlichen Statement gegenüber der APA.

Dem eigenen Kandidaten - der die Stichwahl deutlich verfehlte - stärkte McDonald den Rücken: Khol "verdient unsere volle Anerkennung und Respekt". Dieser habe "ohne zu zögern Verantwortung übernommen und vier Monate mit vollem Einsatz und Herzblut wie ein Löwe um jede Stimme gekämpft", meinte McDonald.

Präsidentschaftskandidat Richard Lugner macht die Umfragen und den Dreikampf für sein Abschneiden verantwortlich. Ob er enttäuscht sei, wollte er noch nicht beantworten, weil er noch auf die Ergebnisse in Wien hofft. Ihm sei gesagt worden, dass er bei fünf bis sechs Prozent liege, so Lugner am Sonntag.

Lugner erzählte von seinen Wahlkampfauftritten, wo ihm viele Leute gesagt hätten, sie würden den Blauen Norbert Hofer wählen, um Ex-Grünen-Chef Alexander van der Bellen zu verhindern. Lugner räumte aber auch eigene Fehler ein: "Des mit dem Kasperl ist nicht gut angekommen."

Eine Wahlempfehlung für die Stichwahl will Lugner "sicher nicht" abgeben und ein neuerliches Antreten in sechs Jahren schloss er aus. Lugner rechnet mit einem Schock für die traditionelle Parteienlandschaft: "Wir stehen vor einer politischen Wende."