Erstellt am 06. April 2016, 14:50

von APA Red

FPÖ feierte 60-jähriges Bestehen im Palais Ferstel ohne Hofer. Die FPÖ hat am Mittwochvormittag mit einem Festakt in Wien ihren 60. Geburtstag gefeiert.

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Vor laut Parteiangaben rund 400 geladenen Gästen beging fast die gesamte Parteispitze den Jahrestag des Gründungsparteitages vom 7. April 1956. Krankheitsbedingt abwesend war Bundespräsidentschafts-Kandidat Norbert Hofer, dem Parteichef Heinz-Christian Strache in seiner Rede Genesungswünsche ausrichtete.

Im stilvollen Rahmen des Palais Ferstel und umrahmt von Einlagen eines Streichquartetts - statt den bei FPÖ-Wahlveranstaltungen üblichen Schlager-Klängen der John Otti Band - wurden in der rund dreistündigen Veranstaltung die Hochs und Tiefs der Partei mittels Videoeinspielungen, aber auch durch Wortspenden ehemaliger und aktueller Parteigranden aufbereitet. So erinnerte etwa Ehrenobmann Hilmar Kabas an die Spaltung der Partei im Jahr 2005, als Ex-Parteichef Jörg Haider das BZÖ gründete und die FPÖ in eine schwere Krise schlitterte.

Dass es dann für die am Boden liegende Partei bereits bei den Wien-Wahlen im Herbst 2005 ein recht erfreuliches Ergebnis gab, sei sein "glücklichster" Moment gewesen, sagte Kabas, der von einem "Wiederauferstehen bei den Wiener Landtags- und Gemeinderatswahlen" sprach. Zu verdanken sei dies alles dem damals noch neuen Parteichef Strache gewesen: "Er hat das wirklich herumgerissen", streute ihm Kabas Rosen.

Strache gab das Lob postwendend zurück: "Kabas hat damals alles dazu beigetragen, dass der Konkurs der FPÖ abgewendet werde konnte. Er hat die Zukunft der FPÖ erst möglich gemacht." Auch Strache erinnerte in seiner Rede daran, dass die Partei "schon manches Mal totgesagt" worden sei - "aber immer wieder sind wir aufgestanden".

Aufstehen für Österreich

Dieses "Aufstehen" habe auch Hofer mit der Partei gemein, spielte er auf dessen Wahlkampf-Slogan an. Denn auch dieser sei nach seinem lebensbedrohlichen Flugunfall wieder aufgestanden, er habe sich auch nach der "unglaublichen Prognose einer Querschnittslähmung" immer "dieses Positive, Lebensbejahende" bewahrt, sagte Strache. "Genau das steht auch für unsere Gesinnungsgemeinschaft: Nie aufzugeben, positiv zu sein."

Die Öffentlichkeit habe die FPÖ damals fast aufgegeben - "fast keiner hat an uns geglaubt, aber wir haben das Feuer wieder entfacht - und den Sprung gemacht, der es ermöglichen kann, dass wir am 24. April wirklich die Stichwahl schaffen mit Norbert Hofer".

Lobende Worte für den erkrankten Abwesenden fanden auch andere Ehrengäste wie der burgenländische Landeshauptmannstellvertreter Johann Tschürtz, der Hofer als "neuen John F. Kennedy" bezeichnete. Und Ursula Stenzel, die die Moderation am Podium mitgestaltete, betonte einmal mehr, sie habe Hofer gerne den Vortritt als FPÖ-Kandidat gelassen.

Erneut untermauerte Strache auch seine bundespolitischen Ambitionen: Die FPÖ sei mittlerweile die "gestaltende, bestimmende Kraft" im Land und treibe die Regierung mit der Themensetzung vor sich her, sagte er. Und im Gegensatz zu seinem Vorgänger Jörg Haider werde er im Falle einer Regierungsbeteiligung niemandem anderen den Vortritt überlassen: "Wir sind froh, in ungeahnte und nie zuvor erreichte Höhen vorzustoßen. Wir erleben einen Gipfelsturm - und nein, unter meiner Obmannschaft ist es nicht üblich, die Seilschaft vorzulassen, ich gehe auf die Spitze und nehme die Mannschaft mit", sagte er in Anspielung darauf, dass Haider zu Beginn der schwarz-blauen Regierung Susanne Riess-Passer die Parteiführung und Vizekanzlerschaft (mit den Worten "Susanne, geh du voran") überlassen hatte.

Er werde auch nicht Fehler der Partei aus der Vergangenheit wiederholen, als stärkere Kraft anderen die Kanzlerschaft zu überlassen: "Selbstverständlich ist es so, dass die stärkste und bestimmende Kraft Anspruch auf den Kanzler hat", sagte er unter dem Beifall der Zuhörer - unter ihnen u.a. auch Ex-Parteichef Norbert Steger, der ehemalige Dritte Nationalratspräsident Wilhelm Brauneder oder Ex-Staatssekretär Reinhart Waneck, die Strache von der Rednertribüne willkommen hieß.

Ausdrücklich begrüßt wurde von ihm auch der ehemals scharf in Konflikt mit ihm geratene Rechtsaußen der Partei, Andreas Mölzer - wie auch der ehemalige Dritte Nationalratspräsident Martin Graf. In seinem Rückblick betonte Strache auch, dass er Haider nichts nachtrage - schließlich habe sich dieser zwei Tage vor seinem Unfall-Tod noch mit ihm ausgesöhnt.

Feindbild Regierung

Kritik übte Strache einmal mehr an der Regierung - vor allem in Sachen Flüchtlingspolitik. Diese sei in der "Frage der modernen Völkerwanderung, der Invasion aus dem arabischen Raum" nicht bereit gewesen, die Grenzen zu schützen und habe sich "sogar als staatliche Schlepperorganisation" betätigt, wiederholte er seine Vorwürfe. Die Regierung sei damit eigentlich rücktrittsreif.

Mittlerweile aber hätten Rot und Schwarz "all unsere Forderungen"übernommen, wie etwa die Errichtung eines Grenzzaunes oder die Abweisung von Flüchtlingen. Bei dieser "180 Grad-Wende vor einer Wahl" müsste die Regierung sich dafür entschuldigen, "dass man die FPÖ als Hetzer diffamiert hat", so Strache.

Seine Partei werde jedenfalls auch weiterhin das tun, was sie immer getan hatte, versprach Strache den Gästen: Nämlich "die Dinge beim Namen zu nennen". Ob es die FPÖ auch in weiteren 60 Jahren noch geben werde, liege "maßgeblich an uns", man werde jedenfalls alles für eine "gedeihliche und erfolgreiche Zukunft unternehmen", sagte der Parteiobmann, ehe die Veranstaltung unter Absingen der Bundeshymne endete.