Erstellt am 09. September 2016, 17:52

Offenbar Anschlag in Paris vereitelt. In Paris ist offenbar ein Terroranschlag vereitelt worden.

 |  APA/dpa

Frankreichs Präsident Francois Hollande sagte am Freitag, nach dem Fund eines verdächtigen Autos nahe der Kathedrale Notre Dame sei eine "Gruppe zerschlagen" und ein Anschlag verhindert worden. Zuvor waren drei Frauen und ein Mann festgenommen worden, deren Hauptverdächtige der Jihadistenmiliz IS die Treue geschworen haben soll.

Laut Sender BFMTV war ein Anschlag im Pariser Gare de Lyon oder dem Bahnhof von Boussy Saint-Antoine geplant - in dem Ort mit 7.000 Einwohnern waren die Frauen am Donnerstag festgenommen worden. Innenminister Bernard Cazeneuve sagte, die "fanatisierten und radikalisierten" Frauen hätten "offenkundig neue Gewaltakte vorbereitet, die unmittelbar bevorstanden".

Bei der 19-jährigen Hauptverdächtigen Ines M. handelt es sich laut Polizei um die Tochter des Mannes, dessen mit Gasflaschen beladenes Auto am vergangenen Wochenende nahe der Kathedrale Notre Dame im Zentrum von Paris entdeckt worden war. Sie wurde bei ihrer Festnahme durch einen Schuss der Polizei verletzt, als eine ihrer Begleiterinnen einem Polizisten mit einem Messer in die Schulter stach.

Ines M. sei in Kontakt zu belgischen Islamisten in der Region um Charleroi gestanden, meldete der belgische TV-Sender RTBF. Sie soll die Jihadisten für den bewaffneten Kampf in Syrien angeworben haben. Einige der mutmaßlichen Jihadisten mit Verbindungen zu M. seien inzwischen festgenommen worden.

Die anderen Frauen sind 23 und 39 Jahre alt. Der Freund einer der beiden Frauen wurde ebenfalls am Donnerstagabend festgenommen, wie am Freitag bekannt wurde. Er sei den Geheimdiensten wegen radikalislamischer Verbindungen bekannt. Sein Bruder befinde sich derzeit in Gewahrsam wegen möglicher Verbindungen zu dem Attentäter, der im Juni einen Polizisten und dessen Partnerin im Pariser Vorort Yvelines getötet hatte.

Nach Angaben aus Ermittlerkreisen war Ines M. der Polizei wegen Überlegungen, nach Syrien zu gehen, bekannt. Dass sie dem IS die Treue schwor, gehe aus einem Brief hervor, den Polizisten bei ihr gefunden hätten, berichtete der Radiosender RTL. Die drei Frauen hätten den Tod des IS-Propagandachefs Abu Mohammed al-Adnani rächen wollen. Der 39-Jährige al-Adnani soll auch für die Planung von Anschlägen in Europa verantwortlich gewesen sein.

Innenminister Cazeneuve lobte die Arbeit von Polizei und Geheimdienst und sprach von einem "wahren Wettlauf mit der Zeit". Aus Polizeikreisen hieß es, ein Anschlag sei den Erkenntnissen zufolge möglicherweise noch für Donnerstag geplant gewesen. Eine Anschlagswarnung sei an die Bahnhöfe in Paris und im Departement Essonne ausgegeben worden. "Gestern war höchste Alarmstufe. Überall", hieß es in Ermittlerkreisen. Der Pariser Staatsanwalt Francois Molins wollte am Freitag um 17.30 Uhr eine Pressekonferenz abhalten.

Die drei Frauen wurden in Boussy-Saint-Antoine südöstlich von Paris festgenommen. Auch die Wohnung der 39-Jährigen, aus der die Frauen kamen, wurde durchsucht.

Der Fall war am Wochenende ins Rollen gekommen, als nahe der Kathedrale Notre Dame ein verdächtiges Auto entdeckt worden war. Es hatte keine Nummernschilder, die Warnblinker waren angeschaltet und im Innenraum lag eine Gasflasche. Die Flasche war leer, im Kofferraum befanden sich nach Angaben der Ermittler aber fünf volle Gasflaschen und drei Flaschen mit Diesel. Eine Vorrichtung, mit der die Flaschen als Sprengsatz hätten gezündet werden können, wurde nicht entdeckt.

Die Pariser Staatsanwaltschaft leitete Vorermittlungen wegen Terrorverdachts ein. Der Besitzer des Fahrzeugs wurde nach einer Befragung wieder freigelassen, nach seinen beiden Töchtern wurde aber weiter gefahndet. Bei einer Tochter, die er als radikalisiert beschrieb, handelt es sich um die nun gefasste 19-Jährige.

Vier weitere Verdächtige, die bereits vor Donnerstag festgenommen worden waren, befanden sich weiter in Polizeigewahrsam. Es handle sich um zwei Brüder und ihre Partnerinnen, hieß es in den Ermittlerkreisen.

In Frankreich herrscht seit den Pariser Anschlägen Mitte November der Ausnahmezustand. Die Behörden befürchten ständig weitere Attacken.