Erstellt am 09. Januar 2015, 15:29

von APA Red

Frankreich-Terror: Gedenkstunde am Ballhausplatz. Bundeskanzler Werner Faymann hat in Reaktion auf das Terrorattentat von Paris für Sonntag eine überkonfessionelle Gedenkstunde am Wiener Ballhausplatz angekündigt.

Zur Gedenkstunde werden Spitzenvertreter des Staates und der Glaubensgemeinschaften erwartet, teilte Faymann am Freitag am Rande eines Besuchs im steirischen Schielleiten mit.

"Wir werden, Bundesregierung und Glaubensgemeinschaften, aufrufen, am Sonntag eine Gedenkstunde am Ballhausplatz abzuhalten", sagte Faymann vor Journalisten.

"Nicht laut schreien, sondern laut gegen Terror eintreten"

Wie Faymanns Sprecherin Susanna Enk auf Nachfrage mitteilte, werden neben Faymann und Bundespräsident Heinz Fischer die Nationalratspräsidentin Doris Bures, Vizekanzler Reinhold Mitterlehner die Spitzenvertreter der großen Glaubensgemeinschaften in Österreich an der Gedenkstunde teilnehmen. Die Öffentlichkeit sei ebenfalls eingeladen. Es sei geplant, dass Schauspieler Texte vortragen werden.

"Da geht es nicht darum, laut zu schreien, sondern laut einzutreten gegen den Terror und für den Frieden", betonte Faymann. "Ich bin überzeugt, dass die Meinungsfreiheit und die Demokratie stärker sind als die Gewalt", fügte er hinzu.

Auf die Frage, ob sich die Gegensätze zwischen den Glaubensgemeinschaften durch die angekündigte Pegida-Demonstration in Wien aufschaukeln könnten, sagte der SPÖ-Chef: "Ich habe immer die Befürchtung, dass Extreme versuchen, die Ängste von Menschen zu nutzen, um sie umzuwandeln in Hass." Gewalttaten wie jene in Paris seien zu verurteilen. Es ergebe aber keinen Sinn, Menschen oder Religionen pauschal zu verurteilen, fügte er hinzu.

Auch Präsident der Islam-Gemeinschaft nimmt teil

Bundespräsident Heinz Fischer hatte die heimischen Religionsvertreter zuvor zu einem Treffen für Dienstagvormittag eingeladen. Neben Vertretern der Islamischen Glaubensgemeinschaft werden auch Kardinal Christoph Schönborn, Oberhäupter weiterer christlicher Religionen und des Judentums erwartet.

Das Treffen soll dem "Gedankenaustausch und zur Bekräftigung gemeinsamer Werte" dienen, hieß es aus der Präsidentschaftskanzlei. Voraussichtlich teilnehmen wird auch der Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich, Fuat Sanac. Dieser hatte sich Donnerstagabend via Facebook bereits emotional zu den Attacken mutmaßlicher Islamisten in Frankreich geäußert: "Eine missliebige Meinung rechtfertigt unter keinen Umständen die Anwendung von Mord", meinte dieser.

Zudem rief Sanac die Muslime auf, sich eindeutig zu positionieren. "Stimmen müssen lauter werden - gerade im gemeinsamen Kampf gegen Hass und Terror", meinte er weiter. Eine Solidaritätsaktion der Glaubensgemeinschaft war auch für den Freitag in der Wiener Schura Moschee mittels Plakaten geplant. Zudem sollen die Imame in ihrem Freitagsgebet den Anschlag thematisiert haben.