Erstellt am 30. August 2016, 16:34

von APA Red

Kritik an Türkei wegen Syrien-Vorstoß. Der französische Präsident Francois Hollande hat den türkischen Vorstoß gegen Kurden in Nordsyrien scharf kritisiert und alle Konfliktparteien zur Einstellung der Kämpfe aufgefordert.

 |  APA/ag.

Hollande kritisierte am Dienstag auf einer Botschafterkonferenz in Paris, dass Ankara zugleich den IS und die kurdischen Anti-IS-Kämpfer attackiere. Auch die USA äußerten sich kritisch.

Die Türkei habe Truppen in Syrien stationiert, um sich gegen den IS zu verteidigen, sagte Hollande. Gleichzeitig gehe die Türkei gegen Kurden vor, die ihrerseits mit Unterstützung der internationalen Koalition den IS bekämpften. "Diese mannigfaltigen widersprüchlichen Interventionen bergen das Risiko, einen Flächenbrand auszulösen", sagte der sozialistische Politiker.

Die türkische Armee hatte am vergangenen Mittwoch die Grenze nach Syrien überquert. Dabei verfolgt die Regierung in Ankara zwei Ziele: Die Extremistenmiliz IS zu vertreiben und zu verhindern, dass kurdische Rebellen die Macht in diesen Gebieten übernehmen. Das hat auch die USA, die die internationale Koalition gegen den IS anführen, zu scharfer Kritik veranlasst, was zu einem Streit zwischen den NATO-Verbündeten geführt hat.

Einwohner aus Stadt vertrieben

Unkoordinierte Einsätze spielten den Islamisten nur in die Hände, erklärte das US-Verteidigungsministerium. US-Vizesicherheitsberater Ben Rhodes sagte am Dienstag, die türkischen Operationen werden auch Thema beim Treffen von Präsident Barack Obama mit seinem Amtskollegen Recep Tayyip Erdogan am Sonntag im chinesischen Hangzhou sein.

Die USA wollten vermeiden, dass Mitglieder der Koalition im Kampf gegen den IS gegeneinander vorgingen, betonte Rhodes. Obama wolle mit Erdogan darüber sprechen, "dass wir vereint bleiben müssen in unseren Bemühungen, den IS zu besiegen".

Unterdessen warf der Militärrat von Manbij den türkischen Truppen vor, Einwohner aus der Region um die nordsyrische Stadt zu vertreiben. Dabei seien "Massaker" Teil einer "systematischen Politik gegen Zivilisten", erklärte Sherwan Darwish, Sprecher des Militärrates von Manbij, am Dienstag. Der Rat ist eng mit den von Kurden dominierten Syrischen Demokratischen Kräften (SDF) verbunden.

Ankara zeigte sich unbeeindruckt von der Kritik. Niemand habe das Recht, der Türkei vorzuschreiben, "gegen welche Terrororganisationen wir kämpfen können und welche wir ignorieren sollen", sagte der türkische Europa-Minister Omer Celik. Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu warf der Kurdenmiliz YPG "ethnische Säuberung" in Manbij vor.

Frankreich, das Teil der Koalition zur Bekämpfung des IS ist, hat den Kurden und anderen Aufständischen Elitesoldaten zur Seite gestellt. Hollande sagte, es sei absolut dringlich, dem Blutvergießen in Syrien ein Ende zu setzen. Darüber werde er Ende der Woche mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin am Rande des G20-Gipfels in China sprechen.

Dutzende Rebellen bei Luftangriff getötet

Russland ist der Hauptverbündete Assads. Im UNO-Sicherheitsrat hat Frankreich eine Resolution eingebracht, die den Einsatz chemischer Waffen durch die syrische Armee und den IS verurteilt. Russland könne den Einsatz solcher geächteten Waffen nicht ignorieren und müsse die Resolution unterstützen, forderte Hollande.

Unterdessen leiteten die Aufständischen in der nordsyrischen Provinz Hama eine Großoffensive gegen die Einheiten von Machthaber Bashar al-Assad ein. Im Zuge der neuen Offensive sei es den Rebellen gelungen, die strategisch wichtige Stadt Halfaya zu erobern, teilte die oppositionsnahe Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit. Halfaya liegt an einer wichtigen Route, die die Küstenregion mit der Schnellstraße zwischen Aleppo und der Hauptstadt Damaskus verbindet.

In syrischen Armeekreisen wurde die Einnahme des Ortes nicht bestätigt. Es hieß lediglich, bei Luftangriffen seien Dutzende Rebellen getötet worden. Die Beobachtungsstelle berichtete ebenfalls von mindestens 20 getöteten Aufständischen.

Österreich will unterdessen den Menschen in der umkämpften nordsyrischen Stadt Aleppo mit zwei Millionen Euro helfen. Einen entsprechenden Beschluss fasste der Ministerrat am Dienstag in Wien. Eine Million soll an das internationale Rote Kreuz (IKRK) und eine Million an österreichische NGOs fließen, "sobald Hilfe vor Ort wieder möglich ist", verlautete aus dem Außenministerium.

Das Geld stammt aus dem Auslandskatastrophenfonds. Schwerpunkte sind die medizinische Versorgung und die Versorgung von Kindern. Das SOS Kinderdorf ist als eine der wenigen Nichtregierungsorganisationen (NGOs) noch direkt in Aleppo aktiv.