Erstellt am 16. November 2015, 09:17

von APA/Red

Frankreichs Premier Valls rechnet mit weiteren IS-Angriffen. Nach den Worten von Frankreichs Premierminister Manuell Valls bereitet die Jihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) nach den Angriffen in Paris auch Aktionen in anderen europäischen Ländern vor.

Frankreichs Premierminister Manuel Valls  |  NOEN, APA (AFP)

"Wir wissen, dass Operationen vorbereitet werden, nicht nur in Frankreich, sondern gegen andere europäische Länder", sagte Valls am Montag in der Früh dem Radiosender RTL.

Die französische Regierung habe gewusst, dass Attentate geplant worden seien. Sie seien von Syrien aus "organisiert" und "geplant" worden. "Wir müssen länger mit dieser Bedrohung leben", sagte er. Als Reaktion auf die Anschläge von Paris hatte die französische Luftwaffe am Sonntag ihre bisher schwersten Angriffe auf Stellungen der Extremisten-Miliz Islamischer Staat in Syrien geflogen. Ziel war die IS-Hochburg Raqqa, wie das Verteidigungsministerium in Paris mitteilte.

Wie zuvor Präsident Francois Hollande kündigte Ministerpräsident Valls eine "gnadenlose" Jagd nach den Hintermännern der Anschlagserie an. Zehn Kampfflugzeuge hätten 20 Bomben auf ein Kommandozentrum, ein Rekrutierungszentrum, ein Munitionsdepot und ein Ausbildungslager abgeworfen, hieß es. Frankreich gehört zu den Gründungsmitgliedern der US-geführten Koalition gegen den IS und hat sich von Anfang an an Luftangriffen im Irak und in Syrien beteiligt. Die Extremisten-Miliz bezeichnete die Anschläge als Vergeltung dafür.

Viele Spuren nach Belgien

Bei der Suche nach den Hintermännern der Anschläge weisen die meisten Spuren in die belgische Islamisten-Szene. In Brüssel wurden deswegen sieben Verdächtige festgenommen. Die französische Polizei sucht zudem nach einem Verdächtigem mit französischem Pass, der in Belgien geboren sei. Er soll mit zwei seiner Brüder Justizkreisen zufolge an der Vorbereitung der Anschläge beteiligt gewesen sein.

Einer der Brüder sei bei den Attentaten ums Leben gekommen, der andere sei in Belgien festgenommen worden. Bei der Fahndung gab es allerdings eine Panne. Der 26-Jährige wurde am Samstag an der belgischen Grenze in einem Auto angehalten und kontrolliert, durfte aber weiterfahren. Der Mann wird mittlerweile mit einem internationalen Haftbefehl gesucht. Er sei gefährlich, hieß es.

Der deutsche Innenminister Thomas de Maiziere zeigte sich alarmiert über die mögliche Flucht eines oder mehrerer der Attentäter. "Es ist besorgniserregend, dass möglicherweise eine Tätergruppe noch unterwegs ist", sagte er im ZDF. Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) hat indes als Reaktion auf den Terror von Paris einige Sofortmaßnahmen in die Wege geleitet. Ab sofort soll es eine verstärkte Schleierfahndung, eine Stärkung der Analyseabteilungen des Staatsschutzes, erhöhte Observationsmaßnahmen und zusätzliche Investitionen in Strukturermittlungen geben, heißt es in einem Papier des Innenressorts.

Die französischen Ermittler waren durch zwei in unmittelbarer Nähe der Tatorte abgestellte Autos mit belgischen Nummernschildern auf die Spur nach Belgien gekommen. Die Fahrzeuge sollen von den Attentätern genutzt worden sein. Unter anderem soll der gesuchte Verdächtige die Autos in Belgien gemietet haben.

Mindestens einer der Attentäter könnte getarnt über Griechenland als Flüchtling in die Europäische Union gelangt sein. Dies löste eine Debatte über Begrenzungen und schärfere Kontrollen der Flüchtlingsströme aus. Bayern forderte die sofortige Verschärfung der Kontrollen an der österreichischen Grenze.

Die bisher auf ausgewählte Orte beschränkten Grenzkontrollen der deutschen Bundespolizei solle es künftig an sämtlichen Übergangsstellen wieder geben, forderten der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer und Innenminister Joachim Herrmann am Sonntag in München.

G-20-Gipfel: "Gemeinsamer Kampf gegen Terrorismus"

Die Staats- und Regierungschefs der 20 führenden Schwellen- und Industrieländer (G-20) riefen zu Beginn ihres Gipfeltreffens in der Türkei zum gemeinsamen Kampf gegen den internationalen Terrorismus auf. "Wir setzen hier beim G-20-Gipfel ein entschlossenes Signal, dass wir stärker sind als jede Form von Terrorismus", sagte die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Die Angreifer hatten abgestimmt in drei Teams in einem Pariser Ausgeh-Viertel sowie beim Stade de France während des Fußball-Länderspiels Frankreich-Deutschland am Freitagabend willkürlich Menschen getötet. Insgesamt kamen mindestens 130 Menschen ums Leben.

Rund 100 Menschen wurden verletzt, unter ihnen ein 20-jähriger Tiroler. Der Patient sei "stabil" und man gehe davon aus, dass er Mitte nächster Woche "flugbereit" sei und nach Österreich zurückkehren kann, sagte der Arzt Hermann Köhle am Sonntag in Paris. Zurzeit läge der Mann noch auf der Intensivstation, er sei aber "außer Lebensgefahr".