Erstellt am 13. Januar 2016, 19:01

Fünf Festnahmen nach Anschlag in Istanbul. Nach dem Selbstmordanschlag von Istanbul sind nach Angaben der türkischen Regierung insgesamt fünf Verdächtige festgenommen worden.

 |  NOEN, APA (AFP)

Ministerpräsident Ahmet Davutoglu sagte in Istanbul, am Mittwoch sei es zu vier weiteren Festnahmen gekommen. Nach Angaben von Innenminister Efkan Ala war ein erster Verdächtiger bereits am Dienstagabend festgenommen worden.

Bei dem Anschlag am Dienstag waren zehn Deutsche getötet worden. Die türkische Regierung macht die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) für die Tat verantwortlich, die sich bisher aber nicht dazu bekannt hat. Davutoglu versicherte, der Selbstmordanschlag habe sich nicht spezifisch gegen deutsche Staatsbürger gerichtet. Die Türkei werde in Hinkunft sichtbarere Sicherheitsmaßnahmen in dicht besiedelten Gebieten ergreifen.

Der IS, der Teile des Irak und Syriens beherrscht, hat schon mehrere Anschläge in der Türkei verübt. Seit Beginn des Bürgerkriegs in Syrien seien 3.318 Personen wegen des Verdachts der Unterstützung einer Terrororganisation festgenommen worden, sagte der türkische Innenminister Efkan Ala. Außerdem seien 9.000 Einreiseverbote für Menschen aus 124 Ländern ausgesprochen worden.

Hintergrund der hohen Zahl ist vor allem, dass viele IS-Sympathisanten über die Türkei nach Syrien einreisen. In 387 Fällen seien Einreiseverbote gegen deutsche Staatsbürger ausgesprochen worden. Zudem seien 94 Deutsche aus der Türkei abgeschoben worden.

Vor dem Selbstmordattentat hat der türkische Geheimdienst MIT laut einem Medienbericht vor Terrorangriffen unter anderem auf Touristen im Land gewarnt. Die Zeitung "Hürriyet" berichtete, die Hinweise vom 17. Dezember und 4. Jänner seien an Sicherheitsbehörden im ganzen Land gegangen. In den Warnungen habe es geheißen, Selbstmordattentäter des IS seien ins Land eingedrungen.

Sie könnten nach Istanbul oder Ankara weitergereist sein oder auch über die Türkei in andere europäische Länder ziehen. "Hürriyet" berichtete, in der Warnung heiße es, der "Islamische Staat" plane Selbstmordanschläge "auf in der Türkei lebende Nichtmuslime, Ausländer, Tourismusregionen, von ausländischen Besuchern stark frequentierte Orte oder auf Botschaften und Konsulate der entsprechenden Länder und auf NATO-Einrichtungen im Land".

In Deutschland herrschten unterdessen Trauer und Entsetzen nach dem Anschlag. Touristen aus Hessen, Berlin, Brandenburg und Rheinland-Pfalz sind unter den Toten. Die Opfer aus einer Gruppe waren nach Angaben des Reiseveranstalters Lebenslust Touristik auf einer Drei-Länder-Erlebnisreise.

"Ich verurteile dieses feige Verbrechen aufs Schärfste. Heute ist ein Tag des Innehaltens und der Trauer. Wir sind entschlossen, den Gefahren des internationalen Terrorismus entgegenzutreten", sagte etwa der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier." In Berlin wehten die Flaggen auf Behördengebäuden auf halbmast.