Erstellt am 14. April 2014, 16:00

Fünf Jahre Haft für Sapina. Er war die Schlüsselfigur des bisher größten europäischen Fußball-Wettskandals. Ante Sapina bestach Spieler, Trainer sowie Schiedsrichter und erzielte mit Wetten auf die so manipulierten Partien hohe Gewinne.

Das Bochumer Landgericht verurteilte den 38-Jährigen am Montag zu fünf Jahren Haft. Damit wurde die Strafe aus einem bereits im Mai 2011 gefällten ersten Urteil um sechs Monate reduziert.

Der zweite Prozess war nötig geworden, nachdem der Bundesgerichtshof das frühere Urteil in der Revision teilweise aufgehoben hatte. Die Reduzierung der Strafe begründeten die Richter unter anderem mit der Aufklärungshilfe Sapinas. Der Wettbetrüger sei als Kronzeuge anzusehen, weil er "die Urteilsgrundlage durch seine Angaben sicherer gemacht hat", sagte der Vorsitzende Carsten Schwadrat in der Urteilsbegründung. "Herr Sapina hat in seinen Vernehmungen eine Vielzahl von Details preisgegeben."

Sapina hatte zugegeben, mit Wetten auf manipulierte Fußballspiele hohe Gewinne erzielt zu haben. Die Einsätze platzierte er über eine Londoner Firma auf dem asiatischen Wettmarkt. Laut Urteil bildete Sapina zusammen mit mindestens zwei Mitarbeitern des britischen Vermittlers eine Betrüger-Bande. In Summe mehr als 4,3 Millionen Euro wurden ihm an Einsätzen und Gewinnen ausbezahlt. Geblieben ist ihm davon allerdings angeblich nichts. "Es hat sich überhaupt nicht gelohnt", sagte Sapina selbst in seiner letzten Stellungnahme vor der Urteilsverkündung.

Der Berliner war bereits 2005 im Zusammenhang mit einem ersten Fußball-Wettskandal zu zwei Jahren und elf Monaten Haft verurteilt worden. Dass er nach seinem damaligen Gefängnisaufenthalt sofort wieder in alte Verhaltensmuster verfiel, wirkte sich laut Urteil strafschärfend aus. "Der Angeklagte hat aus der ersten Verurteilung nichts gelernt", betonte Richter Schwadrat. Was schließlich in den Jahren 2008 und 2009 abgelaufen sei, sei schwere Wirtschaftskriminalität gewesen. "Der Angeklagte hat den Sportbetrieb in enormer Weise in Misskredit gebracht", erklärte Schwadrat.

Ante Sapina kündigte an, er wolle nun gerne die Seiten wechseln und mithelfen, eine Software zur Entdeckung von Wettmanipulationen zu entwickeln. "Ich kann mich da nur anbieten", sagte der Kroate.

Ein ebenfalls geständiger Mittäter wurde auch zu fünf Jahren Haft verurteilt. Ob die verhängten Urteile rechtskräftig werden, wollen sich Staatsanwaltschaft und Verteidigung in Ruhe überlegen. "Das Urteil ist ein deutliches Zeichen", sagte Oberstaatsanwalt Andreas Bachmann, obwohl er selbst sogar sieben Jahre Haft gefordert hatte. Daher wolle er eine mögliche Revision prüfen. Ähnlich äußerten sich die Verteidiger.