Erstellt am 13. August 2016, 10:19

Faymann wird UNO-Sondergesandter. Ex-Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) wird Sondergesandter von UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon für den weltweiten Kampf gegen die Jugendarbeitslosigkeit. Das teilte Ban am Freitagnachmittag (Ortszeit) in New York mit.

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Faymanns frühere Sprecherin Susanna Enk bestätigte der APA auf Anfrage die Personalie. Demnach nimmt Faymann die neue, ehrenamtliche Tätigkeit mit Anfang September auf.

Laut Enk hat es - "meines Wissens" - bisher noch keinen für die Beschäftigung Jugendlicher zuständigen UNO-Sondergesandten gegeben. In einer Aussendung Bans heißt es, die Bestellung komme "zu einer Zeit, in der ein hohes Niveau der Jugendarbeitslosigkeit hartnäckig (...) eine weltweite Sorge bleibt".

Der UNO-Generalsekretär beklagte auch, dass Jobs für Jugendliche oft mit schlechten Bedingungen und schlechter Bezahlung verbunden seien.

Faymann habe eine "langjährige und proaktive Rolle bei der Eröffnung von Chancen für junge Menschen auf dem Arbeitsmarkt in Österreich" eingenommen, würdigte der Südkoreaner, der früher seine Heimat als Botschafter in Wien vertreten hatte, den ehemaligen Bundeskanzler. So habe Faymann etwa die Lehrausbildung und Workshops gefördert, um die Qualifikationen von Jugendlichen zu erhöhen.

"Der UNO-Sondergesandte für Jugendbeschäftigung wird ein starker Fürsprecher sein, wenn es darum geht, die Kernherausforderungen der Jugendbeschäftigung anzugehen, indem er diese Herausforderungen stärker hervor streicht und auf allen Ebenen zu Tätigkeit aufruft", zeigte sich Ban überzeugt. "Es ist unerlässlich, dass wir unsere Anstrengungen überall verstärken, um Jugendlichen Möglichkeiten für annehmbare Arbeit zu schaffen."

Junge Menschen seien überdurchschnittlich häufig von Arbeitslosigkeit betroffen; die Wahrscheinlichkeit sei hier drei Mal so hoch wie für Ältere. Die nach wie vor festzustellenden Auswirkungen der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise hätten diesen Trend verstärkt. Weltweit seien derzeit 73 Millionen Jugendliche ohne Job.

Laut der Internationalen Arbeitsorganisation ILO müssten in den nächsten zehn Jahren 475 Millionen Arbeitsplätze geschaffen werden, um auch die derzeit arbeitslosen Jugendlichen sowie jährlich 40 Millionen Neuzugänge auf dem Arbeitsmarkt unterzubringen.

Ban erhofft sich von Faymann, dass er auch die heuer im Februar gestartete Globale Initiative für ordentliche Jobs für Jugendliche vorantreibt, die zu diesem Zweck die Vereinten Nationen, Unternehmen, Sozialpartner, die Politik, Bildungseinrichtungen und Jugendorganisationen zusammenbringen will. Er soll auch dabei helfen, dass die Ziele in Sachen Jugendbeschäftigung erreicht werden, die in der 2030 Agenda der UNO für Nachhaltige Entwicklung angestrebt werden.

Der am 4. Mai 1960 geborene Werner Faymann war Anfang der 80er Jahre zunächst Vorsitzender der Sozialistischen Jugend Wien, ab 1988 war er Geschäftsführer der Wiener Mietervereinigung, ab 1994 Wiener Wohnbaustadtrat. 2006 wechselte er als Infrastrukturminister in die Bundesregierung unter Kanzler Alfred Gusenbauer.

Bei den vorgezogenen Nationalratswahlen 2008 trat Gusenbauer nicht mehr an: Faymann übernahm von ihm zunächst den SPÖ-Parteivorsitz und dann das Amt des Regierungschefs. Heuer am 9. Mai trat Faymann mangels geschlossenen Rückhalts in der eigenen Partei angesichts von Herausforderungen wie dem Kampf gegen die Arbeitslosigkeit oder wie der Flüchtlingspolitik zurück.

Insbesondere die Lehrlingsausbildung galt unter Faymann in der EU als vorbildhaft. Mehrere Politiker aus dem europäischen Ausland führte Faymann bei Wien-Besuchen in die "Jugend am Werk"-Lehrwerkstätte in Wien-Brigittenau. Laut seiner Ex-Sprecherin Susanna Enk nimmt Faymann seine UNO-Tätigkeit am 1. September auf. Es handle sich um eine "ehrenamtliche Tätigkeit", betonte sie.

Hohe UNO-Posten hatten schon mehrere Österreicher inne. Der spätere Bundespräsident Kurt Waldheim war von 1972 bis 1981 UNO-Generalsekretär. Der Spitzendiplomat Peter Launsky-Tieffenthal wurde 2012 von Ban zum UNO-Untergeneralsekretär bestellt, er war zwei Jahre lang in New York Leiter der Presse- und Informationsabteilung mit knapp 700 Mitarbeitern.

Valentin Inzko ist seit 2009 Hoher Internationaler Repräsentant in Bosnien-Herzegowina. Dieses Amt hatte zwischen 1999 und 2002 schon mit Wolfgang Petritsch ein weiterer Österreicher ausgeübt.