Erstellt am 06. November 2015, 12:09

Für USA Bombe als Ursache für Absturz auf Sinai möglich. Nach der britischen Regierung hat auch US-Präsident Barack Obama einen Bombenanschlag als mögliche Ursache für den Absturz des russischen Passagierflugzeugs auf der Sinai-Halbinsel nicht ausgeschlossen.

 |  NOEN, APA (AFP)

Er blieb in seiner Einschätzung aber deutlich vorsichtiger als London. Washington dringt indes offenbar als Konsequenz aus dem Absturz auf strengere Kontrollen an ausländischen Flughäfen.

"Ich denke, es gibt eine Möglichkeit, dass eine Bombe an Bord war", sagte Obama am Donnerstag. Premierminister David Cameron hatte zuvor gesagt, es sei "mehr als wahrscheinlich", dass der Airbus von einer Bombe zerstört worden sei. Cameron berief sich auf "Geheimdienstinformationen".

Großbritannien hatte wegen des Verdachts, im ägyptischen Badeort Sharm el-Sheikh sei ein Sprengsatz an Bord der Maschine geschmuggelt worden, am Mittwoch alle Flüge dorthin gestoppt. Ab Freitag, nach einer Verschärfung der Sicherheitsvorkehrungen, sollen die bis zu 20.000 festsitzenden britischen Touristen zurückgeholt werden. Die Reisenden dürfen allerdings nur Handgepäck mitführen. Die Koffer müssen gesondert reisen.

Ein gemeinsamer Einsatz britischer Agenten und ihrer US-Kollegen hat nach Informationen der Zeitung "The Times" die Erkenntnisse gebracht, die auf eine Bombe als Ursache für den Airbus-Absturz auf der Sinai-Halbinsel schließen lassen. Die Agenten hätten Satelliten eingesetzt. Damit sei die elektronische Kommunikation zwischen Extremisten der Organisation "Islamischer Staat" (IS) in Syrien und in Ägypten abgefangen worden, berichtet die Zeitung in ihrer Freitagsausgabe.

"Der Ton und der Inhalt der Mitteilungen überzeugten die Experten, dass eine Bombe von einem Passagier oder von einem Mitglied des Flughafenpersonals an Bord gebracht wurde", hieß es in dem Bericht, der keine Quellen für seine Informationen nennt.

Nach einem Bericht der BBC hat die britische Regierung Hinweise darauf erhalten, dass eine Bombe im Frachtraum des abgestürzten russischen Passagierflugzeugs war. Die Informationen stützten sich auf abgehörte Gespräche von Milizen auf der Sinai-Halbinsel, berichtete der Sender am Freitag.

Die Maschine der russischen Fluggesellschaft Metrojet war am vergangenen Samstag kurz nach dem Start im ägyptischen Sharm el-Sheikh abgestürzt; alle 224 Insassen starben. Die Auswertung des Flugschreibers der in Ägypten abgestürzten russischen Passagiermaschine hat laut Moskauer Medien nicht die erhofften Fortschritte gebracht.

Die Aufzeichnungen hätten gezeigt, dass alle Systeme des Airbus A321 bis zum "Ereignis" intakt gewesen seien, sagte ein namentlich nicht genannter Experte der russischen Tageszeitung "Kommersant" (Freitag). Etwa 20 Minuten nach dem Start sei die Aufzeichnung abrupt abgebrochen. Möglicherweise seien bei der Abtrennung des Hecks alle Kabel abgerissen worden, die die "black box" mit Sensoren verbinden.

Fraglich sei, ob der Stimmenrekorder hilfreicher sein könne bei der Suche nach der Ursache des schwersten Unglücks in der Geschichte der russischen Luftfahrt, sagte der Experte. Falls das Flugzeug der sibirischen Gesellschaft Kolavia in wenigen Sekunden zerstört worden sei, hätten die Piloten vermutlich nicht reagieren können. Zudem sei der Stimmenrekorder am Absturzort auf der Sinai-Halbinsel beschädigt geborgen worden. Das Abhören könne daher länger dauern.

Belgien rät indes von Reisen nach Sharm el-Sheikh ab. Es gebe keine ausreichenden Garantien für die Sicherheitskontrollen auf dem dortigen Flughafen, sagte Außenminister Didier Reynders am Donnerstag. "Wir kennen noch nicht die Ergebnisse der Untersuchung", sagte der Minister.

Das französische Außenministerium riet den Bürgern ebenfalls davon ab, nach Sharm el-Sheikh zu reisen, wenn es nicht unbedingt nötig ist. Das österreichische Außenministerium empfiehlt "landesweit verstärkte Umsicht" aufgrund erhöhter Anschlagsgefahr. Vor Reisen in den Nord-Sinai und in das Sahara-Gebiet wird ausdrücklich gewarnt.