Erstellt am 19. Mai 2015, 14:22

von APA/Red

Abstieg in Deutschland teuer wie nie: 30-Mio.-Minus und mehr. Für die Fans ist der Abstieg ihres Clubs aus der deutschen Fußball-Bundesliga ein emotionales Problem. Für die Vereine hingegen ist der Absturz in die Zweitklassigkeit vor allem ein finanzielles Desaster.

Beim HSV liegen die Nerven blank  |  NOEN, APA (epa)

Viele Millionen kostet der sportliche Niedergang, bei Hannover 96 oder Hamburg würden mindestens 30 Millionen Euro in der Kasse fehlen.

Und dieses Minus macht eine möglichst schnelle Rückkehr in die 1. Liga so schwierig: In den zurückliegenden zehn Saisonen gab es 26 Erstliga-Absteiger, aber nur viermal gelang gleich in der folgenden Saison der sofortige Wiederaufstieg in die oberste Spielklasse. Mehr Clubs stiegen in der Folge aber noch weiter ab. Von den Erstliga-Absteigern der vergangenen zehn Jahre spielen derzeit fünf in der 3. Liga oder tiefer.

Der größte Verlust ergibt sich bei einem Abstieg aus den geringeren Einnahmen aus dem TV-Topf der Deutschen Fußball Liga (DFL), der in dieser Saison so hoch war wie noch nie. Wie groß der Unterschied ist, hängt vor allem von der vorherigen Platzierung in der 1. Liga ab: Je höher die war, desto größer ist das Minus.

Bei Hertha BSC würden in der 2. Liga rund elf Millionen Euro aus der Fernsehvermarktung fehlen, bei den in den Vorjahren deutlich erfolgreicheren Hannoveranern sind es mehr als 20 Millionen. Langfristig ist der finanzielle Schaden sogar noch größer, denn selbst bei einem schnellen Wiederaufstieg fehlen wichtige Punkte für die Fünfjahreswertung.

Zuschauer-Einnahmen als wichtiger Faktor

Aber auch die Zuschauer-Einnahmen sind ein wichtiger Faktor. Je größer das Stadion, desto mehr trifft ein Absturz die Clubs. Der VfB Stuttgart - Arbeitgeber der ÖFB-Legionäre Martin Harnik und Florian Klein - mit seiner Arena für 60.000 Zuschauer muss daher mit einem deutlich größeren Minus rechnen als der SC Paderborn (in dessen Stadion ohnehin nur 15.000 Menschen passen) und kalkuliert in der 2. Liga mit 35.000 Zuschauern. Hertha BSC verzeichnete im bisher letzten Zweitliga-Jahr ein Minus von rund 10.000 Zuschauern pro Spiel.

Daneben haben fast alle Clubs leistungsbezogene Verträge mit ihren Sponsoren, denn der Werbewert in der 2. Liga ist für die Unternehmen deutlich geringer. Der Hamburger SV kalkuliert im Falle des Abstieges mit einem Sponsoring-Minus von rund zehn Millionen Euro. Besonders problematisch wird es, wenn Verträge auslaufen und neue Geldgeber gesucht werden müssen. Vor allem bundesweit agierende Unternehmen werben nicht gerne mit einem Zweitligisten.

Ein großer Wertverlust entsteht auch bei Profis, deren Verträge nur für die 1. Liga gelten: Sie können ablösefrei wechseln. Bei Hannover 96 trifft das Problem laut Manager Dirk Dufner auf ein Drittel der Spieler zu. Beim SC Freiburg scheint das kein Problem zu sein, weil alle Kontrakte auch für die 2. Liga gelten sollen. Anderseits haben einige Clubs Profis mit laufenden Kontrakten im Kader, die für die 2. Liga viel zu teuer und - wie etwa der Stuttgarter Ex-Torjäger Vedad Ibisevic - schwer vermittelbar sind.

Auch Fanartikel verlieren bei Abstieg an Wert 

Weiters haben manche Spieler sehr spezielle Ausstiegsklauseln. Nach Angaben von 96-Manager Dufner reduzieren sich bei einigen Profis die festgeschriebenen Ablösesummen im Falle des Abstiegs. So soll der deutsche Ersatz-Teamtormann Ron-Robert Zieler den Club im Fall des Falles schon für geschätzte drei Millionen Euro verlassen können - was ungefähr eine Halbierung der Ausstiegsklausel wäre.

Und selbstverständlich verlieren auch die Fanartikel durch den Abstieg drastisch an Wert, denn nur hartgesottene Anhänger erwerben auch in der 2. Liga die neueste Kollektion. Alle anderen tragen - wenn überhaupt - die alten Trikots bei den Spielen. Auch das Merchandising-Minus trifft große Clubs wie den HSV oder Stuttgart deutlich stärker als kleine Vereine wie Paderborn oder Freiburg.