Erstellt am 26. August 2016, 15:57

Champions-League-Reform als UEFA-Kniefall vor Topclubs. Die Champions-League-Reform der Europäischen Fußball-Union (UEFA) ab der Saison 2018/19 ist ein Kniefall vor den Topclubs, die dadurch zusätzliche Fixplätze für die Gruppenphase erhalten und noch mehr Prämien kassieren werden.

 |  APA/dpa

Die vier Topnationen des UEFA-Nationenrankings bekommen demnach in zwei Jahren die Garantie, mit jeweils vier Clubs fix in der Königsklasse vertreten zu sein.

Einen detaillierten Plan für die Neuverteilung der Startplätze will die UEFA aber erst im Dezember präsentieren, wie sie am Freitag im Vorfeld der Europa-League-Auslosung in Monaco mitteilte.

Doch schon jetzt steht fest, dass sie auf Kosten der mittleren und kleinen Fußball-Länder wie Österreich geht, da künftig nur noch vier Plätze (bisher fünf) über den Meisterweg für die Champions-League-Gruppenphase ausgespielt werden. Dies verriet UEFA-Wettbewerbsdirektor Giorgio Marchetti bereits am Freitag.

Mit dieser Reform, die vorerst für drei Jahre bis zum Sommer 2021 gelten soll, beugt sich der Kontinentalverband also dem Druck der Top-Clubs, die sogar mit einer Abspaltung gedroht hatten. Auch die Geldverteilung soll zugunsten historisch erfolgreicher Vereine verändert werden.

Derzeit führt Spanien das UEFA-Ranking vor Deutschland, England und Italien an. Diese vier Nationen werden aufgrund ihres aktuellen Vorsprungs wohl auch in zwei Jahren an der Spitze stehen und damit am meisten von der UEFA-Reform profitieren.

"Unfassbar! Gesellschaftspolitisch wird immer von Umverteilung geredet, damit die Reichen nicht noch reicher und die Armen nicht noch ärmer werden. Doch mit dieser Reform nimmt man den Armen noch mehr Geld weg. Dafür werden die großen Clubs gestärkt und bekommen noch mehr Geld, das ist Kapitalismus pur", lautete die Reaktion von Bundesliga-Vorstand Christian Ebenbauer im Gespräch mit der APA. "Fußball lebt ja vom Wettbewerb, aber diese Reform geht klar zulasten der mittleren und kleinen Verbände. Damit killt man den Wettbewerb."

Ab 2018/19 werden nämlich 26 statt wie bisher 22 Plätze der Gruppenphase bereits fix vergeben sein, neben den vier über die Meisterweg-Qualifikation sollen nur noch zwei (bisher fünf) über den Liga-Weg ausgespielt werden. Statt zehn werden also nur noch sechs Teams via Quali in die Gruppenphase einziehen können.

Somit wird auch der von Ebenbauer angesprochene Mittelbau geschwächt, denn die Nationen auf den Plätzen elf und zwölf (derzeit Tschechien und die Schweiz) werden dann keinen festen Startplatz mehr haben und müssen so wie Österreich ihren Meister in die Qualifikation schicken.

"Der Name Champions League wird damit ad absurdum geführt", betonte Ebenbauer und sprach auch die terminlichen Auswirkungen für Nationen außerhalb der Top Ten an, die nun noch früher in die Qualifikation einsteigen müssen. Der Bundesliga-Vorstand hofft daher auf einen Schulterschluss mit den anderen betroffenen Verbänden. "Mittlere und kleinere Ligen müssen sich zusammentun, denn so geht es nicht."

Einen generellen Modus-Wechsel gibt es in Champions League und Europa League aber nicht. Weiter wird mit acht beziehungsweise zwölf Gruppen gespielt, danach beginnt in beiden Wettbewerben die K.o.-Phase mit Achtelfinale bzw. Runde der letzten 32.

"Unser Ziel war es, dass jeder Verband die Möglichkeit bekommt, die Wettbewerbe zu erreichen", erklärte UEFA-Generalsekretär Theodore Theodoridis. Die Chance mag zwar bestehen, für die meisten allerdings nur auf dem Papier.

Auch die Geldverteilung soll zugunsten erfolgreicher Clubs verändert werden. So wird der Teamkoeffizient, den prominente Clubs wie Champions-Leageu-Rekordsieger Real Madrid und Bayern München anführen, mit 30 Prozent nun erstmals berücksichtigt, der sogenannte Anteil aus dem Market Pool für alle Vereine aus einem Land dagegen von 40 auf 15 Prozent reduziert.

Einschnitte gibt es auch bei der fixen Startprämie. Die Gesamtsumme der finanziellen Ausschüttungen soll aber erhöht werden, versprach die UEFA. Dabei wird aber laut Ebenbauer interessant sein, wie die prozentuelle Verteilung zwischen Champions und Europa League am Ende des Tages aussehen wird.

Red Bull Salzburg und Rapid zeigten sich mit der am Freitag von der UEFA bekanntgegeben Reform des Fußball-Europacups alles andere als glücklich. Die Änderungen bedeuten unter anderem, dass es für Vereine aus Ländern wie Österreich noch schwieriger wird, sich für die Champions League zu qualifizieren - sehr zum Ärger der beiden österreichischen Top-Clubs.

So meinte etwa Rapids Wirtschaftsvorstand Christoph Peschek: "Es muss immer die sportliche Leistung und nicht die Finanzkraft im Mittelpunkt stehen. Alles, was die Schere weiter aufgehen lässt, ist nicht sinnvoll. Als Meister sollte man eine realistische Chance auf die Champions League haben."

Noch deutlichere Worte fand Rapid-Trainer Mike Büskens. "Irgendwann werden wir den Achten, Neunten oder Zehnten einer Top-Liga auch noch in der Champions League haben. Es dreht sich immer nur ums Geld. Irgendwann wird das Spiel ganz auf die Seite geschoben und man ist nur noch Mittel zum Zweck."

Der Deutsche gab zu, als ein im Profi-Fußball tätiger Mensch selbst ein Profiteur des allgemeinen Strebens nach immer höheren Umsätzen zu sein. "Aber irgendwann muss es auch einmal gut sein."

Zurückzuführen sei die Reform auf einen Spagat, den die UEFA aufgrund des Drucks der großen Nationen vollführen musste. "Das wird wahrscheinlich der Kompromiss sein, damit zum 54.000. Mal Real Madrid mit Bayern München die Klingen kreuzt", vermutete Büskens. Er finde diese Entwicklung "schade".

Unzufrieden war auch Salzburgs Sportdirektor Christoph Freund. "Für die kleineren Länder ist das mit Sicherheit kein Vorteil. Es wir noch schwieriger werden, um dabei zu sein." Zumindest derzeit stellt die Europa League für die "Bullen" noch ein annehmbares Trostpflaster dar. "Heuer war die Europa League eigentlich unser Ziel. Wie man sieht, ergeben sich auch in der Europa League sehr attraktive Gruppen. Für die Entwicklung der jungen Spieler ist das eine tolle Sache."