Erstellt am 14. Juli 2015, 16:54

von APA/Red

US-Politiker nehmen den FIFA-Skandal ins Visier. Nach der US-Justiz macht auch die Politik in Washington verstärkt Druck auf den von Skandalen erschütterten Fußball-Weltverband FIFA.

Fußball-Weltverband wurde von Skandalen erschüttert  |  NOEN, APA (Archiv/epa)

Der für Verbraucherschutz zuständige Ausschuss des US-Senats hat für Mittwoch Experten zu einer Anhörung eingeladen, um die Korruptionsvorwürfe gegen zahlreiche FIFA-Spitzenfunktionäre politisch zu beleuchten.

Amerikanische Ermittler spüren FIFA-Oberen nach

Bei der Sitzung sollten sowohl angebliche Schmiergeldzahlungen bei WM-Vergaben zur Sprache kommen als auch die Vorwürfe von Menschenrechtlern, ausländische Arbeiter würden auf WM-Baustellen in Katar ausgebeutet.

Die amerikanischen Ermittler spüren den FIFA-Oberen schon seit Jahren nach - unter anderen wegen des Verdachts auf organisiertes Verbrechen, Überweisungsbetrug und Geldwäsche. Am 27. Mai nahmen Schweizer Behörden im US-Auftrag kurz vor dem FIFA-Kongress in Zürich sieben Fußball-Funktionäre in Auslieferungshaft.

"Diese Anhörung zu den jüngsten FIFA-Skandalen wird der Beginn sein, um über die Rolle unseres Landes in der Organisation zu debattieren", erläuterte der republikanische Senator Jerry Moran. Der Leiter des Senats-Gremiums warf der FIFA eine "Kultur der Korruption" vor.

Sein Büro bestätigte am Dienstag, dass man auch bei FIFA-Präsident Joseph Blatter wegen einer Zeugenaussage angefragt habe, der Verband habe aber abgesagt. Der Senat ist eine der beiden Kammern des US-Parlaments.

Ausschussmitglied kündigt kritische Fragen an

Da der Ausschuss den Generalsekretär des US-Fußballverbandes, Dan Flynn, befragen will, könnte es dennoch spannend werden. Ein Ausschussmitglied kündigte in der "New York Times" kritische Fragen an, was US-Funktionäre von den FIFA-Machenschaften gewusst hätten.

Michael Hershman, Mitbegründer der Anti-Korruptionsorganisation Transparency International und ebenfalls als Zeuge erwartet, sagte der Deutschen Presse-Agentur: "Ich hoffe, dass die Anhörung eine größere Überprüfung durch die Regierung zur Folge hat, wie Sportverbände insgesamt operieren."

Insgesamt wurden 14 Personen aus mehreren Ländern in dem jüngsten Fußball-Skandal vom US-Justizministerium beschuldigt. Einer der sieben in der Schweiz festgesetzten Funktionäre hat seiner Auslieferung an die USA unlängst zugestimmt. Er könnte in den kommenden Tagen dort eintreffen. Ein konkreter Name wurde zunächst nicht bestätigt.

Unter den Inhaftierten ist auch Jeffrey Webb von den Cayman-Inseln, ein Stellvertreter von FIFA-Chef Blatter (79). Webb ist bisher Chef des Fußballverbandes für Nord- und Zentralamerika sowie der Karibik (CONCACAF), dem auch die USA angehören.

Als Konsequenz aus dem Eklat hatte der FIFA-Präsident Blatter seinen Rücktritt angekündigt. Europäische Politiker verlangten bereits Blatters schnellere Ablösung. Die FIFA will am 20. Juli festlegen, wann der Nachfolger des Schweizers gewählt wird.