Erstellt am 13. Dezember 2014, 20:22

von Fritz Hauke

Wiener Neustadt geht mit 0:6 unter. Ein Jahresende zum Vergessen: Wiener Neustadt geht gegen den direkten Konkurrenten im Abstieg baden. Und zwar richtig. Der SC kam nie in die Verlegenheit für Gefahr zu sorgen.

Helgi Kolvidsson, Wiener Neustadt-Trainer.  |  NOEN, HANS PUNZ / APA / picturedesk.com
Saisonabschluss im Innviertel. Genau dort, wo die Wiener Neustädter seit dem 27. Februar 2010 auf einen Sieg warten. Seit 19 Spielen konnte der SC insgesamt gegen die Oberösterreicher nicht gewinnen.

Wiener Neustadt stand schon zu Beginn auf wackeligen Beinen, die Rieder fanden immer wieder offene Räume. In der 13. Minute musste SC-Tormann Thomas Vollnhofer erstmals gegen Ried-Stürmer Denis Thomalla entscheidend eingreifen. Die Gäste versuchten erst mit hohen Bällen auf Maierhofer ihr Glück, wenig später mischten sie ein paar Kombinations-Versuche über Ranftl, Osman Ali und Freitag dazu.

Ried zog das Korsett in der Folge enger um den Neustädter Strafraum. Bei einem Abseitstor verstummte der Rieder Jubel rasch wieder, kurz darauf durften die Oberösterreicher weiterjubeln. Stefan Lainer nahm sich aus knapp 25 Meter ein Herz und knallte die Kugel ins lange Kreuzeck (21.). Wohl ein Kandidat für die Kategorie „Tor des Jahres“…

Neustädter wirkten angezählt

Eine halbe Stunde war gespielt, als Kristijan Dobras den ersten Wiener Neustädter Torschuss verzeichnete. Allerdings war der eher aus der Kategorie „Rückpass des Jahres“…

Im Gegenzug wieder die Rieder – doch die Oberösterreicher spielten eine 3:1-Überzahlsituation nicht clever genug zu Ende. Patrick Möschl setzte die Kugel aus spitzem Winkel neben den Kasten.

Auf der anderen Seite schloss Dobras eine schöne Ballstafette ab – allerdings doch weit über dem Tor (35.). Rieds Antwort kam. Und zwar mit Abwehrchef Harry Pichler. Mit einem Kopfball zwang er Vollnhofer zu einer Traumparade. Die Neustädter wirkten angezählt – und dann folgte auch noch der nächste Leberhaken. Thomas Murg, 1,73 Meter klein, setzte sich im Luftkampf mit den SC-Abwehrhünen durch und stellte per Kopf auf 2:0 (40.). Für den Assist sorgte der Torschütze zum 1:0, Stefan Lainer.

Nicht konsequent genug verteidigt

Und es hätte noch dicker kommen können. Möschl traf mit einem Distanzschuss aus zwanzig Metern die Latte – Glück für die Wiener Neustädter. Bei einer Möschl-Flanke in der Nachspielzeit sprangen Feund und Feind vorbei, der Ball kullerte ins Out.

Wiederanpfiff – 45 Minuten Zeit, es besser zu machen. Oder auch nicht: Die Wiener Neustädter verteidigen nicht konsequent genug, Thomalla bedient Walch, und der knallt Vollnhofer aus kurzer Distanz aus dem Tor, 3:0 (49.). Ried kontrollierte, verwaltete. Wiener Neustadt hatte keinen Plan – und hätte in der 66. Minute fast das vierte Tor kassiert. Walch umkurvt Vollnhofer und verfehlt dann aber doch das leere Tor.

In der 77. Minute war es dann doch so weit: Ein Schöpf-Fehler im Mittelfeld nutzen die Rieder eiskalt. Thomalla bedient Perstaller, der lässt Vollnhofer keine Chance – 4:0. 83. Minute, wieder Thomalla auf Perstaller, 5:0. Wiener Neustadt in der Rückwärtsbewegung nicht auf der Höhe. Von den starken Leistungen in den vergangenen Heimspielen Altach und Wolfsberg nichts zu sehen. Einen hatten die Rieder noch: Fröschl flankt auf Möschl, 6:0. Ein Schlusspunkt für einen ganz schwarzen Fußballabend für den SC Wiener Neustadt.

Stimmen zum Spiel

Stefan Maierhofer (SC Wiener Neustadt): „In der ersten Halbzeit haben wir richtig versagt und in der zweiten Halbzeit haben wir noch einmal versagt. Das war ein ganz schlechtes Spiel von uns.“
 
Helgi Kolvidsson (Trainer SC Wiener Neustadt): „Unerklärlich, die zwei Gesichter unserer Mannschaft. Wir sind einfach nicht stabil genug. Mit dieser Zweikampfquote kannst du kein Spiel gewinnen. Beim ersten Tor können wir den Ball dreimal klären, beim zweiten sind wir weit weg von Mann und Gegner. Ried hat heute stark gespielt und auch nicht verdient gewonnen.“
 
Oliver Glasner (Trainer SV Ried): „Sicherlich eine unserer besten Saisonleistungen. Von Beginn an extrem konterstark. Das erste Tor war ein Beweis dafür, wie giftig wir heute waren. Wir haben uns vorgenommen über die Flügel zu kommen – und das ist uns auch immer wieder gut gelungen.“
 
Thomas Murg (SV Ried, Torschütze zum 2:0): „Ich glaube, wir haben heute gezeigt, dass wir da hinten in der Tabelle nicht hingehören. Im Frühjahr greifen wir wieder voll an – wir wollen Platz fünf, den werden wir auch  erreichen.“