Erstellt am 30. Mai 2015, 12:50

von APA/Red

Blatter will FIFA-Image bessern. FIFA-Präsident Sepp Blatter hat überraschende Pläne zur Image-Aufpolierung des Fußballweltverbandes angekündigt.

Fußballweltverband: Blatter will FIFA-Image bessern  |  NOEN, APA (epa)

Nach den tragischen Ereignissen ermögliche ihm seine Wiederwahl, an seinem Konzept zu arbeiten, sagte der 79-Jährige zu FIFA TV nachdem er sich am Freitag eine fünfte Amtszeit an der Spitze des mächtigen Verbandes sicherte.

Zwei Tage zuvor waren mehrere führende Funktionäre aus dem Umfeld des Schweizers wegen Bestechungsvorwürfen festgenommen worden. "Es wurde gesagt, dass ich verantwortlich bin für das, was passiert ist. Ich übernehme die Verantwortung und wir müssen nun ein besseres Image für die FIFA aufbauen und ich weiß auch wie", sagte Blatter.

Näher wollte er sich nicht zu seinen Plänen äußern. Die Arbeit daran sollte aber bereits am Samstag bei der Sitzung des Exekutivkomitees aufgenommen werden. Die Mitglieder sollten dann Informationen erhalten. Dabei werde es auch Überraschungen geben, sagte Blatter.

Der Engländer David Gill hat unterdessen nach der Wiederwahl Blatters seinen sofortigen Rückzug aus dem FIFA-Exekutivkomitee erklärt. "Dieser Schritt fällt mir nicht leicht, aber die fürchterlich beschädigenden Ereignisse der letzten drei Tage haben mich überzeugt, dass es nicht angemessen ist, unter der aktuellen Führung ein Mitglied des FIFA-Exekutivkomitees zu sein", sagte Gill.

Der frühere Club-Direktor von Manchester United gab seine Entscheidung am Samstag in Zürich bekannt. Er hatte den Platz als FIFA-Vizepräsident übernehmen sollen, der laut Statuten für die vier britischen Verbände reserviert ist. Wer sein Nachfolger werden soll, steht noch nicht fest.

Gill galt gemeinsam mit dem deutschen Verbandspräsidenten Wolfgang Niersbach als europäische Speerspitze in dem FIFA-Gremium gegen Blatter. Niersbach hat noch nicht endgültig entschieden, ob er sein Mandat ausüben wird. Erste Anzeichen deuten jedoch daraufhin, dass der 64-Jährige nicht aus dem FIFA-Gremium austreten wird. Endgültig soll über die europäische Strategie bei einem UEFA-Treffen in der kommenden Woche in Berlin beraten werden.

Russlands Präsident Wladimir Putin gratulierte Blatter unterdessen zu dessen Wiederwahl. Er sei zuversichtlich, dass "die Erfahrungen, der Professionalismus und das hohe Ansehen Blatter helfen werden, zur weiteren Verbreitung und weiteren Beliebtheit des Spiels in der ganzen Welt beizutragen", teilte der Kreml am Samstag in Moskau mit.

Putin bekräftigte, dass WM-Gastgeber Russland zur Zusammenarbeit mit der FIFA bereit sei. Putin hatte die Korruptionsermittlungen gegen FIFA-Funktionäre am Donnerstag mit Nachdruck als Versuch der USA verurteilt, Russland die Weltmeisterschaft 2018 zu entziehen.

Führende Funktionäre festgenommen

In dem Korruptionsskandal bei der FIFA stehen einem Medienbericht zufolge weitere Festnahmen bevor. Er sei sich diesbezüglich ziemlich sicher, sagte der Chef der Ermittlungsabteilung der US-Steuerbehörde IRS, Steve Weber, der "New York Times". In dieser Woche wurden kurz vor dem Jahreskongress des Weltfußballverbandes bereits mehrere führende Funktionäre aus dem Umfeld von FIFA-Präsident Sepp Blatter wegen Bestechungsvorwürfen festgenommen.

Am Freitag durchsuchte Interpol in Argentinien lokalen Medien zufolge die Büros von drei Geschäftsmännern. Sie gehörten zu den neun FIFA-Vertretern und fünf Führungskräften von Sportmedien und Sportvermarktungsunternehmen, die von den USA beschuldigt werden. Seit Beginn der 1990er Jahre sollen mehr als 150 Millionen Dollar Bestechungsgelder geflossen sein. Ein Richter ordnete die Verhaftung der drei Männer an, die aber offenbar noch nicht erfolgt ist.

Blatter griff nach seiner Wiederwahl als FIFA-Präsident die US-Justizbehörden und die Europäische Fußball-Union um Michel Platini mit scharfen Worten an. Es gebe "einen Hass, der nicht nur von einer Person bei der UEFA kommt, aber von der UEFA als Organisation, die nicht verstanden hat, dass ich 1998 Präsident geworden bin", sagte er in einem TV-Interview des Schweizer Sender RTS.

Der 79-jährige Schweizer hatte sich vor 17 Jahren bei seiner erstmaligen Wahl gegen seinen Herausforderer, UEFA-Präsident Lennart Johansson, durchgesetzt.

"Vergebe jedem, aber vergesse nicht"

UEFA-Chef Platini hatte Blatter vor dem fünften Wahlsieg am Freitag beim FIFA-Kongress in Zürich gegen den einzigen Gegenkandidaten Prinz Ali bin al-Hussein zum Rücktritt aufgefordert. "Ich vergebe jedem, aber ich vergesse nicht", sagte Blatter dazu.

Diese Forderung von Platini und die Festnahmen von sieben Fußball-Funktionären in Zürich zwei Tage vor der Wahl auf Antrag von US-Behörden seien "kein Zufall". Blatter: "Es gibt Zeichen, die nicht täuschen: Die Amerikaner waren Kandidaten für die WM 2022 und sie haben verloren." Zudem sieht er einen Zusammenhang zwischen dem Jordanier al-Hussein und den USA. "Man darf nicht vergessen, dass sie der Hauptsponsor des haschemitischen Königsreichs sind, also von meinem Gegner. Diese Sache riecht nicht gut", sagte Blatter.

Frankreichs Fußball-Verband hat unterdessen UEFA-Chef Platini brüskiert und sich bei der FIFA-Präsidentschaftswahl für Blatter entschieden. "Ich habe für Joseph Blatter gestimmt. Zwischen ihm und Prinz Ali war es für mich die bessere Wahl", sagte Frankreichs Verbandspräsident Noël Le Graët nach der Abstimmung beim FIFA-Kongress am Freitag in Zürich französischen Medienberichten zufolge.

Le Graëts Landsmann Platini ist ausgesprochener Blatter-Kritiker. Vor dem Kongress hatte Platini den Schweizer nochmals in einem Vier-Augen-Gespräch zum Rückzug aufgefordert. Innerhalb der UEFA hatte er auf 45 bis 46 der 53 Stimmen für Al-Hussein gehofft. Seinen eigenen nationalen Verband, für den er mitverantwortlich die WM 1998 organisiert und als großer Star 72 Länderspiele bestritten hatte, konnte er aber nicht vom Anti-Blatter-Kurs überzeugen.

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