Erstellt am 12. Oktober 2014, 21:06

von APA/Red

Geberkonferenz sammelt 5,4 Milliarden Dollar. Bei einer internationalen Geberkonferenz in Kairo sind Hilfszusagen für den Wiederaufbau im Gazastreifen in Höhe von 5,4 Milliarden Dollar (4,27 Mrd. Euro) gemacht worden.

Der norwegische Außenminister Börge Brende gab Sonntagabend die Gesamtsumme der Zusagen zum Abschluss der Konferenz bekannt. Norwegen hatte das Gebertreffen gemeinsam mit Ägypten organisiert.

Die mit Abstand umfangreichste Spende versprach mit einer Milliarde Dollar Katar, westliche Staaten verknüpften ihre Hilfsangebote am Sonntag in der ägyptischen Hauptstadt mit weitergehenden Erwartungen. So drängte US-Außenminister John Kerry auf einen Neustart der Friedensgespräche zwischen Israel und den Palästinensern.

30 Außenminister nahmen an Konferenz teil

450 Millionen Euro will die EU bereitstellen, wie die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton am Sonntag sagte. Die USA geben nach Angaben von Außenminister Kerry 212 Millionen US-Dollar.

An der von Ägypten und Norwegen einberufenen Konferenz nahmen rund 30 Außenminister sowie regionale und internationale Organisationen teil. Laut dem Wiener Außenministerium war Österreich durch seinen Botschafter in Kairo, Ferdinand Maultaschl, vertreten.

Die Gelder werden zur Beseitigung der schweren Schäden benötigt, die der jüngste Gaza-Krieg hinterlassen hat. Israel hatte im Juli und August mehr als 5.000 Ziele in dem Palästinensergebiet angegriffen, um den Raketenbeschuss der islamistischen Hamas einzudämmen.

Kriegsparteien waren nicht eingeladen

Militante Palästinenser feuerten 4.500 Raketen auf Israel ab. Mehr als 2.100 Palästinenser und mehr als 70 Israelis wurden in dem 50-tägigen Krieg getötet. 18.000 Häuser wurden nach Angaben der UNO-Nothilfeorganisation OCHA zerstört oder beschädigt.

Die beiden Kriegsparteien Israel und die Hamas waren nicht zur Konferenz eingeladen. Lediglich die Autonomiebehörde unter Führung von Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas war in Kairo. Abbas bezifferte die Wiederaufbaukosten auf insgesamt rund vier Milliarden Dollar.

Der israelische Außenminister Avigdor Lieberman sagte, dass eine "Reparatur der zivilen Infrastruktur" auch im israelischen Interesse liege. Allerdings müssten die Autonomiebehörde und internationale Beobachter dafür sorgen, dass kein Material für den Bau von Angriffstunneln oder Raketen abgezweigt werde.

Im Außenministerium war am Sonntag nicht in Erfahrung zu bringen, ob sich auch Österreich zusätzlich zur EU-Hilfe an den Wiederaufbaukosten beteiligt. In einer Aussendung hatte das Ministerium am Sonntag in der Früh mitgeteilt, dass heuer und nächstes Jahr 6,5 Millionen Euro an österreichischer Entwicklungshilfe in die palästinensischen Gebiete fließen werden.

Ban ki-Moon: Geberkonferenz sei keine Standard-Lösung

UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon warnte, die Geberkonferenz dürfte nicht zum Ritual werden: "Aufbauen und zerstören – und dann von der internationalen Gemeinschaft erwarten, sie zahle die Rechnung", sei keine Lösung.

Auch US-Außenminister Kerry sah eine dauerhafte Lösung des Nahost-Konfliktes als Ziel der Verhandlungen. Dem Gazastreifen könne nur dann nachhaltig geholfen werden, wenn er unter palästinensischer Selbstverwaltung stünde. "So lange die Hamas Raketen auf Israel abfeuert, so lange leben auch die Menschen in Gaza weiter in Gefahr."

Abbas machte sich für die Gründung eines unabhängigen Palästinenserstaates stark. Die Konferenz müsse für einen neuen internationalen Versuch genutzt werden, den israelisch-palästinensischen Konflikt zu lösen.

Die Vereinten Nationen sollten eine Grenzziehung überwachen, die es Israel und einem Palästinenserstaat erlauben würde, "in guter Nachbarschaft" zu leben, sagte Abbas.