Erstellt am 16. Januar 2015, 20:35

von APA/Red

Rund 2.000 demonstrierten nach Prückel-Eklat. Rund 2.000 Menschen haben am Freitagnachmittag nach dem Rauswurf eines sich küssenden lesbischen Paars aus dem Traditionscafe Prückel in der Wiener Innenstadt gegen Homophobie demonstriert.

An der Protestkundgebung "Küssen im Prückel" nahmen unter anderem Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou (Grüne) sowie SPÖ- und NEOS-Politiker teil.

"Wir sind hier für ein weltoffenes Wien"

Die beiden betroffenen Frauen Anastasia Lopez, Mitglied des Veranstalters AKS, und Eva Prewein erzählten auf der Bühne, die in der gesperrten Weiskirchner Straße gegenüber des Cafés aufgebaut worden war, noch einmal von dem Vorfall und betonten: "Es geht nicht um das Cafe Prückel, das war der Auslöser, aber wir sind hier für ein weltoffenes Wien." Es gehe auch darum, dass homosexuelle Menschen in der Gesellschaft kaum sichtbar seien. "Wir sollten Mut beweisen, wir sind ein riesiger Teil dieser Gesellschaft", sagte Lopez.

Das Lokal selbst blieb am Freitag geschlossen, es legte aufgrund der Demonstration einen Ruhetag ein, über den die Gäste durch am Fenster angebrachte Zettel informiert wurden. Rund um das Cafe hatte die Polizei mit Metallgittern Absperrungen errichtet. An die Wände war "Smash Homophobia" gesprüht worden, von den Schmierereien distanzierten sich die Veranstalter deutlich.

Politiker der Grünen, SPÖ und der NEOS sprachen sich auf der Bühne gegen Diskriminierung aus. Man müsse so viele Zeichen setzen, wie es nötig ist, "bis jede und jeder kapiert hat, dass Wien eine Stadt der Freiheit, der Demokratie und der Menschenrechte" sei, in der alle lieben können, wen sie wollen, betonte Vassilakou. "Wir wollen ein Zeichen setzen gegen Homophobie und Transphobie, die einfach keinen Platz haben dürfen in unserer Regenbogenstadt Wien", sagte Stadträtin Sandra Frauenberger (SPÖ). "Wir werden das levelling up durchsetzen und wir werden uns natürlich für die Öffnung der Ehe einsetzen."

Lunacek (Grüne): "Liebe ist für alle gleich"

Die EU-Abgeordneten Ulrike Lunacek (Grüne) und Angelika Mlinar (NEOS), Bundesrat Marco Schreuder (Grüne), NEOS-Bundesgeschäftsführer Feri Thierry sowie Markus Rumelhart (SPÖ), Bezirksvorsteher von Mariahilf (SPÖ), sprachen ebenfalls für Gleichberechtigung und Akzeptanz. "Liebe ist für alle gleich", sagte Lunacek, "wen ich küsse, ist mein Kaffee".

Organisiert wurde die von 17 bis 20 Uhr angesetzte Kundgebung von der Achse Kritische Schüler_innen Wien (AKS) mit Unterstützung unter anderem der Homosexuellen Initiative (HOSI). Via Facebook hatten sich rund 7.800 Menschen angekündigt, gekommen sind laut Polizei "an die 2.000". Die Schauspieler Stefano Bernardin und Claudia Kottal moderierten die Veranstaltung. DJane Trautmann und Sängerin Mika Vember sorgten für das musikalische Rahmenprogramm.

Die Chefin des Ringstraßen-Lokals, Christl Sedlar, hatte sich am Donnerstag für den Lokalverweis entschuldigt. "Meine Reaktion war überzogen", teilte sie in einer Aussendung mit. "Das ist keine Entschuldigung", kritisierte Prewein. "Sie hat sich nicht bei uns direkt entschuldigt und sie distanziert sich keineswegs von den getätigten homophoben Aussagen."

Der Vorfall hatte sich am Abend des 6. Jänner ereignet. Laut der Aussage von Perwein und Lopez küssten sie sich zur Begrüßung, was ihnen daraufhin vom Kellner verboten worden sei. Als sie die Geschäftsführerin sprechen wollten, habe diese ihr Verhalten als ekelhaft bezeichnet und sie des Lokals verwiesen.