Erstellt am 19. Oktober 2016, 15:47

Rapid will in Europacup Zwischentief hinter sich lassen. Fußball-Rekordmeister Rapid will am Donnerstag in der Europa League aus einem hartnäckigen Zwischentief herausfinden. Mit dem italienischen Europacup-Debütanten Sassuolo Calcio wartet im Allianz Stadion allerdings eine unangenehme Hürde auf dem Weg zum ersten Erfolg nach vier sieglosen Pflichtspielen.

Trainer Mike Büskens hat einen klaren Matchplan im Kopf  |  APA (Hochmuth)

Punkte brauchen beide Teams, ist doch in der Gruppe F mit je drei Zählern alles ausgeglichen. "Wir wissen, dass es in der Gruppe wohl bis zum letzten Spieltag spannend sein wird. Mit einem Sieg würden wir uns in eine gute Ausgangsposition bringen, mit einem Punkt wäre nicht alles verloren", sagte Rapid-Trainer Mike Büskens zur Ausgangslage. Vor eigenem Publikum hatten die Hütteldorfer vor der 0:1-Niederlage in Bilbao bereits Genk 3:2 besiegt.

In den letzten Wochen ist der Rapid-Motor aber ins Stottern gekommen. Der letzte Sieg gelang vor fast genau einem Monat im ÖFB-Cup gegen Leobendorf (1:0) am 22. September. In der Liga waren dann St. Pölten (1:1), Ried (2:4) und zuletzt Altach (1:1) nicht zu bezwingen.

"Wir sehnen uns alle nach dem Erfolg und sind bereit, alles dafür zu investieren", sagte Büskens, der aufgrund des Negativlaufs zuletzt vermehrt auch als Psychologe gefragt war. Fehler wie zuletzt von Mario Pavelic dürfen gegen den Tabellenneunten der Serie A nicht passieren. "Wir müssen schauen, unsere Fehler zu minimieren, dürfen Sassuolo nicht, wie am Wochenende Altach, in die Karten spielen", sprach der Deutsche Klartext.

Der Ex-Schalker vertraut seiner Mannschaft und hat einen klaren Matchplan im Kopf. "Wir müssen schon im Aufbau mutig sein, durch ein klares Passspiel in die nächste Zone kommen und ganz vorne die nötige Konsequenz an den Tag legen", fasste Büskens zusammen.

Sassuolos Generalprobe glückte mit einem 2:1 gegen Schlusslicht Crotone, Stefano Sensi (83.) und Pietro Iemmello (86.), die beide in Wien fehlen, sorgten spät für die Wende. "Sie haben einen nicht so großen Namen im internationalen Fußball, aber in den letzten Jahren hervorragend gearbeitet", meinte Büskens. Und Kapitän Stefan Schwab ergänzte: "Sassuolo ist keine typische italienische Mannschaft. Sie haben in der Defensive Routine und sind vorne jung und dynamisch. Sie wollen offensiv spielen, viele Tore erzielen."

Beide rechneten in einem Spiel zweier ähnlich ausgerichteter Teams mit einer offenen Partie und damit, dass Nuancen entscheidend sein werden. "Sie sind kompakt, diszipliniert, werden uns nicht leicht Räume geben", sagte Büskens. In der Offensive der Gäste sind ihm mit Gregoire Defrel und Matteo Politano zwei Spieler besonders aufgefallen.

Positiv ist für Rapid, dass Sassuolo nicht aus dem Vollen schöpfen kann. Vor allem der Ausfall von Domenico Berardi wiegt schwer. Der 22-Jährige mit einem Marktwert von 20 Millionen Euro ist mit 40 Toren in 92 Serie-A-Spielen Sassuolos Rekordschütze. In der Europa-League-Quali hatte er in vier Spielen fünfmal getroffen, eine Knieverletzung zwingt ihn schon seit Wochen zum Pausieren.

Hoffnung macht den Hütteldorfern auch, dass die Heim- und Auswärtsbilanz der Mannschaft von Ex-Kicker Eusebio di Francesco nicht unterschiedlicher sein könnte. Nach einem Auftaktsieg bei Palermo (1:0) setzte es gegen Meister Juventus (1:3), Chievo (1:2) und AC Milan (3:4) drei Niederlagen in der Fremde am Stück. Zu Hause konnten dafür zuletzt drei Siege hintereinander eingefahren werden.

In der Europa League war das ähnlich. Bei ihren ersten internationalen Auftritten gab es in der Quali gegen den FC Luzern sowie Roter Stern Belgrad auswärts ein 1:1. Der Aufstieg gelang dank je einem 3:0-Sieg zu Hause. Den gab es auch zum Gruppe-F-Start gegen Bilbao, ehe in Genk eine 1:3-Niederlage folgte. Rapid darf sich also trotz fünf Europacup-Niederlagen in Folge gegen italienische Teams im wohl ausverkauften Allianz Stadion berechtigte Hoffnungen auf eine Überraschung machen.

"Wir sehen uns nicht chancenlos und wollen unbedingt gewinnen", betonte Büskens. Es wäre ein Befreiungsschlag im ersten von sechs Pflichtspielen innerhalb von 17 Tagen und würde Selbstvertrauen für das sonntägige Wiener Derby gegen die Austria bringen. Das Prestigeduell ist in den Rapid-Köpfen noch nicht präsent. "Wir konzentrieren uns voll auf das Spiel morgen", sagte Schwab.

Nur weil es in der Liga momentan nicht so laufe, dürfe man die Europa League nicht einfach zur Seite schieben. "Es ist ein europäischer Bewerb, in dem wir weiterkommen wollen und dafür müssen wir punkten", gab Schwab die Marschroute vor. Büskens wird die stärkste Formation aufs Feld schicken. "Ich denke nicht daran, jemanden zu schonen, weil kurz darauf das Derby ist", betonte Rapids Coach. Am Mittwochmittag waren nur noch 100 Restkarten sowie 500 VIP-Tickets zu haben.