Erstellt am 20. November 2015, 10:30

von APA/Red

Geiselnahme in Hotel in Mali. Bewaffnete haben bei einem Angriff auf ein Luxushotel in der malischen Hauptstadt Bamako am Freitag offenbar 170 Geiseln genommen.

Spezialkräfte begannen mit der Erstürmung des Gebäudes. Etwa zehn Menschen wurden befreit. Nach Angaben der Hotelkette hatten bewaffnete Angreifer im Radisson Blu 140 Gäste und 30 Angestellte in ihre Gewalt gebracht. Bei den Tätern soll es sich um Jihadisten handeln.

Zuvor hieß es aus Sicherheitskreisen, die mutmaßlichen Jihadisten hätten einige Geiseln freigelassen, die Verse aus dem Koran rezitieren konnten. Unter den Geiseln befinden sich auch Franzosen, verlautet aus Kreisen des französischen Präsidialamts. Ein Vertreter der türkischen Regierung sprach von sechs Mitarbeitern der Fluggesellschaft Turkish Airlines in dem Hotel. Auch sind Medienangaben zufolge sieben chinesische Staatsbürger sowie einige Algerier unter den Geiseln.

Zehn Angreifer schossen um sich

In Sicherheitskreisen war von etwa zehn Angreifern die Rede. Sie hätten beim Betreten des Hotels um sich geschossen und "Allahu Akbar" (Gott ist groß) gerufen. Der Hotelbetreiber Rezidor sprach dagegen von zwei Geiselnehmern. Die Polizei riegelte die Gegend um das Hotel ab. Das Gebäude liegt westlich des Stadtzentrums in einem Viertel, in dem sich auch mehrere Ministerien sowie Botschaftsgebäude befinden.

Nach Angaben eines Mitglieds des Hotel-Sicherheitsteams nutzten die Angreifer einen Wagen mit diplomatischen Kennzeichen, um Zugang zum normalerweise sehr gut gesicherten Radisson Hotel in Bamako zu erhalten. Unter den Geiseln befinden sich der Nachrichtenagentur Xinhua zufolge zahlreiche Chinesen. Die US-Botschaft bestätigte den Angriff und forderte über Twitter die US-Bürger auf, sich in Sicherheit zu begeben.

Immer wieder gewaltsame Zusammenstöße

Islamistische Kämpfer hatten den Norden Malis Anfang 2012 erobert, wurden aber ein Jahr später von der französischen Armee zurückgedrängt. Eine Blauhelmtruppe wurde aufgestellt. Seither kommt es immer wieder zu gewaltsamen Zusammenstößen. Erst im August waren zwölf Menschen bei einer Geiselnahme in einem von den Vereinten Nationen (UNO) genutzten Hotel in Zentralmali ums Leben gekommen. Im März hatte sich eine Islamistengruppe zu einem Anschlag auf ein bei Ausländern beliebtes Restaurant in Bamako bekannt, bei dem fünf Menschen starben.

In Bamako sind aktuell auch sieben Soldaten des Bundesheers stationiert, sie sind vom Anschlag auf das dortige Luxushotel jedoch nicht betroffen. "Den Österreichern geht es gut, ihr Stützpunkt befindet sich rund 2,5 Kilometer vom Anschlagsort entfernt", sagte der Sprecher des Verteidigungsministeriums Michael Bauer am Freitag auf APA-Anfrage.

Der Einsatz der Österreicher ist Teil der EU-Ausbildungsmission EUTM für Streitkräfte des westafrikanischen Landes. Die Hauptstadt Bamako galt bisher als vergleichsweise sicher. Ab Anfang 2016 will sich Österreich jedoch auch an der UN-Blauhelmmission MINUSMA im weiterhin umkämpften Norden des Landes beteiligen. Vorerst sollen zehn Stabsoffiziere und fünf Militärbeobachter entsandt werden.