Erstellt am 10. Juni 2016, 11:08

von Sandra Frank und APA/Red

Geistig abnormer Sträfling aus Heim ausgebüxt. Eine Schreckensmeldung einer Gratistageszeitung geistert durch die sozialen Medien und wurde mittlerweile von der Justiz bestätigt: Aus der Justizanstalt Göllersdorf in NÖ sei ein sehr gefährlicher Insasse geflüchtet.

Bis April 2015 war der 61-Jährige in der Justizanstalt Göllersdorf untergebracht. Seitdem lebt er in einer betreuten Wohneinrichtung in Graz, in die er nach einem Spaziergang nicht mehr zurückkehrte. Die Fahndung läuft. Foto: NÖN  |  NOEN, NÖN
„So, wie es da steht, stimmt es nicht …“, sagt Anstaltsleiterin Karin Gruber zu dem Medienbericht. Der Insasse, ein geistig abnormer Rechtsbrecher, war ab 2011 in Göllersdorf untergebracht. Die Therapien des heute 61-Jährigen seien jedoch immer wieder unterbrochen worden, um ihn in einer betreuten Wohneinrichtung unterzubringen.

„Hat geistig Krieg gegen die Republik geführt“

„Seit April 2015 ist er in einem Heim in Graz untergebracht“, erklärt die Anstaltsleiterin. „Dort hat er sich völlig ruhig und problemlos verhalten“, kann sich Gruber nicht erklären, weshalb der Mann nun von einem Ausgang nicht mehr zurückgekehrt ist. „Das Heim hat uns informiert und wir haben ihn sofort zur Fahndung ausgeschrieben.“

Die Gefährlichkeit des Straftäters will Gruber nicht in Abrede stellen. Der Insasse hatte während seiner Zeit in der JA Josefstadt versucht, eine Psychologin als Geisel zu nehmen und einen Beamten niedergestochen. „Er hat natürlich eine psychische Erkrankung. Er hat geistig Krieg gegen die Republik geführt. Aber dieser Wahn wurde mit Medikamenten gut behandelt. Sonst hätten wir ihn ja nicht hinausgelassen.“

Wie es in einem Menschen aussehe, sei jedoch stets schwer einzuschätzen. „Passieren kann leider immer etwas.“

2009 für nicht zurechnungsfähig erklärt

Der Steirer hatte im Februar 2009 erstmals für Schlagzeilen gesorgt, als er seiner Wohnung in Sankt Marein im Mürztal eine Geiselnahme vortäuschte und drohte, das Haus in die Luft zu sprengen.

Im Oktober 2009 wurde er bei einem Prozess in Leoben für nicht zurechnungsfähig erklärt, seine Einweisung in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher wurde verfügt. Im Juni 2009 floh er aus der Landesnervenklinik Sigmund Freud in Graz und wurde zweieinhalb Monate später in einem Wald bei Frohnleiten nördlich der Stadt aufgegriffen.

Nach seiner schriftlichen Ankündigung im Oktober 2009, Richter, Staatsanwälte und Polizeibeamte als Geiseln zu nehmen, wurde er nach Wien verlegt. Diese Ankündigung versuchte der Mann im Februar 2011 in die Tat umzusetzen, indem er eine junge Ärztin mit selbst gebastelten Stichwaffen bedrohte und einem Wachebeamten, der der Psychiaterin zu Hilfe kam, durch zwei Stiche lebensbedrohend verletzte.

Ein Gutachten bescheinigte ihm eine paranoide Psychose und Zurechnungsunfähigkeit zum Tatzeitpunkt. Im Juli 2011 wurde er neuerlich in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher eingewiesen.