Erstellt am 08. Juni 2014, 12:53

von APA/Red

Gemischte Gefühle nach Österreichs Football-K.o.. Der rot-weiß-rote Traum von Gold ist zwar geplatzt, trotzdem wird das Finale der Football-EM 2014 lange in Erinnerung bleiben.

Spektakuläre Spielzüge, bedingungsloser Einsatz und eine kaum zu überbietende Dramaturgie rissen die 27.000 Zuschauer fast im Minutentakt von den Sitzen. Die Schiri-Entscheidung, die den Thriller zugunsten Deutschlands kippte, sorgte aber für einen bitteren Nachgeschmack. "Es tut sehr weh, wenn man so knapp dran war. Ich hätte es den Spielern so gegönnt", kommentierte AFBÖ-Teamchef Jakob Dieplinger die bittere 27:30-Niederlage nach Verlängerung im Ernst-Happel-Stadion. "Gleichzeitig bin ich aber sehr stolz auf die Mannschaft und auf das, was wir erreicht haben."

Nach einem holprigen Start, der letztlich zu einem 0:14-Rückstand zu Beginn des zweiten Viertels führte, habe sein Team Charakter gezeigt. "Am Anfang waren einige Unkonzentriertheiten drin. Ich hab den Jungs aber gesagt, sie sollen nicht in Panik verfallen und unserem Gameplan treu bleiben", sagte Dieplinger.

Einer gesteigerten Nervosität ob der überwältigenden Kulisse wollte der Tiroler die anfänglichen Schwierigkeiten nicht zuschreiben. "Das war kein Problem. Eher waren wir nach dem Frankreich-Spiel (am Mittwoch; Anm.) vielleicht noch nicht ganz ausgeruht." Ab dem zweiten, spätestens ab dem dritten Viertel war der Schlagabtausch der beiden Top-Nationen Europas eine hochgradig dramatische, offene Angelegenheit. "Es war das erwartete enge Spiel. Nach unserer Führung ist das Momentum etwas zu den Österreichern gewandert. Wir mussten alles geben, um den Titel zu verteidigen", sagte der deutsche Headcoach Peter Springwald.

Das bestimmende Thema auf österreichischer Seite nach der Partie war der möglicherweise kleinliche Schiedsrichter-Pfiff, der zur Entscheidung führte. Der letzte deutsche Drive in der Verlängerung wurde nur durch ein Foul wegen unsportlichen Verhaltens am Leben erhalten, der Titelverteidiger bekam drei neue Versuche zugesprochen. Verteidiger Ramon Azim habe sich zu intensiv über den Stopp eines gegnerischen Angriffs gefreut, was per Regelwerk eine Verhöhnung des Gegners bedeutet, entschieden die Offiziellen. "Dabei habe ich nur 'wooh' gesagt", meinte der Linebacker von den Danube Dragons.

Für den Tatbestand "unsportliches Verhalten" ("unsportsmanlike conduct"), den Schiedsrichter Keith Wickham und seine Kollegen in diesem Fall sahen, gibt es keine genaue Definition. Im Regelbuch werden nur einzelne Punkte wie eben "übertriebener Jubel" genannt. Den Referees bleibt also ein relativ breiter Ermessensspielraum - diskussionswürdige Pfiffe, die Spiele letztlich entscheiden können, sind damit programmiert.

Dieplinger wollte dies jedoch nicht als Ausrede gelten lassen: "Schiedsrichter-Entscheidungen kommentiere ich gar nicht. Es hat fragwürdig ausgesehen, aber wir müssen die Fehler bei uns suchen. Wir hätten davor den Sack zumachen können, haben das aber verabsäumt."

Obwohl ihm die Enttäuschung direkt nach dem Spiel ins Gesicht geschrieben war, gab sich der 29-Jährige gefasst - und bald mischten sich auch wieder positive Gefühle in seine Analyse. "Im Endeffekt war es nicht so wichtig, ob wir heute gewinnen oder verlieren. Wir haben in jedem Fall tolle Werbung für American Football gemacht und wollen diese Begeisterung weitertragen. 2015 ist die WM in Schweden, da wollen wir wieder vorne mitmischen", hatte Dieplinger den Blick schon auf kommende Aufgaben gerichtet.