Erstellt am 27. April 2015, 09:52

von APA/Red

Festakt zu "70 Jahre Republiksgründung" in der Hofburg. Das offizielle Österreich begeht am heutigen Montag den 70. Jahrestag der Gründung der Zweiten Republik. Gefeiert wird mit einem Staatsakt in der Wiener Hofburg, zu dem Bundespräsident Heinz Fischer geladen hat.

Die an der provisorischen Staatsregierung beteiligten Parteien hatten am 27. April 1945 die Unabhängigkeitserklärung unterzeichnet, die Republik war als "wiederhergestellt" erklärt worden.

Im Vorfeld des Staatsaktes in der Hofburg legten Bundespräsident Heinz Fischer und die Bundesregierung bereits Montagfrüh beim Staatsgründungsdenkmal Kränze nieder. Bei dem im Schweizer Garten nahe dem Belvedere errichteten Denkmal finden sich auch die wichtigsten Passagen der Unabhängigkeitserklärung in Stein gemeißelt.

Gauck und Schönborn bei Festakt in Hofburg

Der Festakt in der Hofburg wird ab 10.30 Uhr auf ORF 2 live übertragen. Unter den Teilnehmern sind u.a. der deutsche Bundespräsident Joachim Gauck und Kardinal Christoph Schönborn.

Die Proklamation der Unabhängigkeit erfolgte im April 1945 - nur gut zwei Wochen nach der Befreiung Wiens durch die sowjetischen Truppen, noch vor der Kapitulation der deutschen Wehrmacht (am 8. Mai) und drei Tage vor dem Selbstmord Adolf Hitlers. Im Westen Österreichs fanden noch Kampfhandlungen statt.

Die Unabhängigkeitserklärung wurde von Vertretern jener drei Parteien getragen, die die provisorische Staatsregierung unter Renner bildeten - SPÖ, ÖVP und KPÖ. Unterfertigt wurde die Erklärung im Namen der Sozialistischen Partei von Renner (der von den Sowjets mit der Regierungsbildung beauftragt worden war) und Adolf Schärf. Leopold Kunschak unterzeichnete für die Österreichische Volkspartei und Johann Koplenig für die Kommunistische Partei.

Die Proklamation erklärte die Republik Österreich für "wiederhergestellt". Vormals deutsche Staatsbürger wurden wieder zu Österreichern: "Von diesem Tage an stehen alle Österreicher wieder im staatsbürgerlichen Pflicht- und Treueverhältnis zur Republik Österreich", hieß es in dem Schriftstück. Der Anschluss an Nazi-Deutschland wurde für ungültig erklärt: "Der im Jahre 1938 dem österreichischen Volke aufgezwungene Anschluss ist null und nichtig."

Außerdem wurde in der Proklamation die Einsetzung einer Provisorischen Staatsregierung erklärt, die "vorbehaltlich der Rechte der besetzenden Mächte mit der vollen Gesetzgebungs- und Vollzugsgewalt" betraut wurde.

Regierung zunächst nur von Sowjets anerkannt

Die "Kundmachung über die Einsetzung einer provisorischen Staatsregierung" vom selben Tag gipfelte in dem leidenschaftlichen Aufruf an die Österreicher, die provisorische Regierung zu unterstützen: "Verzagt nicht! Fasset wieder Mut! Schließt Euch zusammen zur Wiederaufrichtung Eures freien Gemeinwesens und zum Wiederaufbau Eurer Wirtschaft! Vertagt allen Streit der Weltanschauungen, bis das große Werk gelungen ist! Und folgt in diesem Geiste willig Eurer Regierung!"

Eine zentrale Rolle bei der Republiksgründung spielte Renner, der schon bei der Gründung der Ersten Republik 1918 der damaligen Regierung vorgestanden hatte und auch 1945 zum Staatskanzler der provisorischen Regierung ernannt wurde.

Insgesamt gehörten der bis 20. Dezember 1945 amtierenden Provisorische Regierung je neun Vertreter von SPÖ und ÖVP sowie sieben kommunistische und drei parteilose Staatssekretäre und Unterstaatssekretäre an. Zu ihrer konstituierenden Sitzung trat die Regierung zwei Tage nach der Unabhängigkeitserklärung, am 29. April, im Parlament zusammen.

Anerkannt wurde die Regierung zunächst nur von den Sowjets. Die westlichen Alliierten standen der Renner-Regierung lange Zeit äußerst skeptisch gegenüber. Schließlich lagen mit Franz Honner an der Spitze des Innenressorts und Ernst Fischer als Staatssekretär des Unterrichtsressorts zwei Schlüsselministerien in den Händen der KPÖ. Erst am 20. Oktober 1945 wurde die Regierung von allen vier Besatzungsmächten anerkannt.