Erstellt am 11. Juni 2015, 15:19

von APA/Red

Gespräche zum iranischen Atomprogramm abgehört. Die Gespräche zum iranischen Atomprogramm sind offenbar abgehört worden.

 |  NOEN, APA

Der Verfassungsschutz in Österreich ermittelt, die Schweizer Bundesanwaltschaft leitete nach einem Verdachtsfall in einem Genfer Luxushotel ein Strafverfahren gegen Unbekannt ein. Die Verhandlungen sollen laut der russischen IT-Sicherheitsfirma Kaspersky mit Hilfe eines Computervirus ausspioniert worden sein.Laut "Jerusalem Post" trugen die Cyberattacken den "Stempel israelischer Geheimdienstoperationen". Israel wies dies zurück.

Am 12. Mai habe in diesem Zusammenhang in Genf eine Hausdurchsuchung stattgefunden, in dessen Rahmen IT-Material beschlagnahmt worden sei, sagte Andre Marty, der Sprecher der Schweizer Bundesanwaltschaft. "Ziel dieser Hausdurchsuchung war es, einerseits Informationen sicherzustellen und anderseits festzustellen, ob durch Schadsoftware IT-Systeme infiziert worden sind.

Innenministerin Mikl-Leitner will Ermittlungen abwarten

In Österreich steht der Verhandlungsort der Nuklearverhandlungen, das Nobel-Palais Coburg, im Fokus. Die österreichische Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) will die Ergebnisse der Ermittlungen abwarten. "Die Behörden gehen den Vorwürfen nach und es wird ermittelt. Das gilt es jetzt abzuwarten", meinte die Ministerin am Donnerstagnachmittag gegenüber der APA und der "Wiener Zeitung". Mehr könne sie derzeit nicht sagen.

Die IT-Sicherheitsfirma Kaspersky entdeckte Sicherheitslücken in drei Luxushotels in Europa, in denen Atomverhandlungen zwischen dem Iran und den 5+1 (UN-Vetomächte plus Deutschland) stattgefunden haben. Kaspersky hat nach eigenen Angaben tausende Hotels auf der Suche nach ähnlichen Sicherheitslücken gecheckt. Nur in drei sei man fündig geworden. Die Firma wollte die Namen der betreffenden Hotels nicht nennen. Doch seit ihrem Beginn hätten die Atomverhandlungen (mit der jetzigen iranischen Führung) vor allem in sechs Hotels in der Schweiz und in Österreich stattgefunden.

Hackerangriff auf 100 Ziele gerichtet

Der Chef-Sicherheitsexperte von Kaspersky Lab, Kurt Baumgartner, erklärte gegenüber der "Jerusalem Post", der Hackerangriff sei nicht auf die Hotels beschränkt gewesen, er habe sich auf bis zu 100 Ziele gerichtet. Kaspersky habe die Infektion bei verschiedenen Opfern identifiziert. Zusätzlich zu einer Reihe unbekannter Opfer "sind wir ziemlich sicher, dass zumindest drei der Veranstaltungsorte, wo die Atomgespräche mit dem Iran stattgefunden habe, angegriffen wurden", betonte Baumgartner.

Kaspersky taufte die Schadsoftware "Duqu 2.0". Bei der neuen Software sei es fast unmöglich festzustellen, wenn sie einen Computer befalle. Sie verstecke sich im Arbeitsspeicher, schreibe keine Daten auf die Festplatte und übermittle nur wenige Daten, so Eugene Kaspersky, dessen Firma selbst Ziel des ausgeklügelten Virenangriffs geworden war.

Israel wies Vorwürfe zurück

Israel wies eine Verwicklung in einen mutmaßlichen Cyberangriff auf die Atomgespräche mit dem Iran zurück. "Die ausländischen Berichte über eine israelische Beteiligung entbehren jeder Grundlage", sagte Vize-Außenministerin Tzipi Hotovely am Donnerstag im Armee-Funk. Viel wichtiger sei ohnehin, dass am Ende der Verhandlungen mit der Regierung in Teheran kein schlechtes Abkommen stehe.

Unterdessen wurde im Coburg weiterverhandelt. Bis Ende Juni soll ein endgültiger Vertrag ausformuliert werden. Dabei soll sichergestellt werden, dass der Iran keine Atomwaffen erlangt. Teheran fordert im Gegenzug die Aufhebung der gegen den Iran verhängten Wirtschaftssanktionen. Irans Botschafter Reza Najafi meinte, dass ein Deal bis Ende Juni möglich sei, "wenn die andere Seite sich an die vereinbarten Parameter halte".