Erstellt am 11. Juni 2015, 12:15

Gespräche zum iranischen Atomprogramm abgehört. Die Gespräche zum iranischen Atomprogramm in Genf sind offenbar abgehört worden. Die Schweizer Bundesanwaltschaft leitete ein Strafverfahren gegen Unbekannt ein.

 |  NOEN, APA

Zusätzlich sollen laut IT-Experten Cyberangriffe auf mehrere Hotels im Zusammenhang mit den Atomgesprächen erfolgt sein, die laut "Jerusalem Post" den "Stempel israelischer Geheimdienstoperationen" trugen. Israel wies dies zurück.

Am 12. Mai habe in diesem Zusammenhang in Genf eine Hausdurchsuchung stattgefunden, in dessen Rahmen IT-Material beschlagnahmt worden sei, sagte Andre Marty, der Sprecher der Schweizer Bundesanwaltschaft. "Ziel dieser Hausdurchsuchung war es, einerseits Informationen sicherzustellen und anderseits festzustellen, ob durch Schadsoftware IT-Systeme infiziert worden sind."

Die IT-Sicherheitsfirma Kaspersky entdeckte Sicherheitslücken in drei Luxushotels in Europa, in denen Atomverhandlungen zwischen dem Iran und den 5+1 (UN-Vetomächte plus Deutschland) stattgefunden haben. Kaspersky hat nach eigenen Angaben tausende Hotels auf der Suche nach ähnlichen Sicherheitslücken gecheckt. Nur in drei sei man fündig geworden. Die Firma wollte die Namen der betreffenden Hotels nicht nennen. Doch seit ihrem Beginn hätten die Atomverhandlungen (mit der jetzigen iranischen Führung) vor allem in sechs Hotels in der Schweiz und in Österreich stattgefunden.

Der Chef-Sicherheitsexperte von Kaspersky Lab, Kurt Baumgartner, erklärte gegenüber der "Jerusalem Post", der Hackerangriff sei nicht auf die Hotels beschränkt gewesen, er habe sich auf bis zu 100 Ziele gerichtet. Kaspersky habe die Infektion bei verschiedenen Opfern identifiziert. Zusätzlich zu einer Reihe unbekannter Opfer "sind wir ziemlich sicher, dass zumindest drei der Veranstaltungsorte, wo die Atomgespräche mit dem Iran stattgefunden habe, angegriffen wurden", betonte Baumgartner.

Kaspersky taufte die Schadsoftware "Duqu 2.0". Bei der neuen Software sei es fast unmöglich festzustellen, wenn sie einen Computer befalle. Sie verstecke sich im Arbeitsspeicher, schreibe keine Daten auf die Festplatte und übermittle nur wenige Daten, so Eugene Kaspersky, dessen Firma selbst Ziel des ausgeklügelten Virenangriffs geworden war.

Israel wies eine Verwicklung in einen mutmaßlichen Cyberangriff auf die Atomgespräche mit dem Iran zurück. "Die ausländischen Berichte über eine israelische Beteiligung entbehren jeder Grundlage", sagte Vize-Außenministerin Tzipi Hotovely am Donnerstag im Armee-Funk. Viel wichtiger sei ohnehin, dass am Ende der Verhandlungen mit der Regierung in Teheran kein schlechtes Abkommen stehe.