Erstellt am 16. November 2015, 12:13

von APA/Red

Gesuchter Paris-Attentäter in Belgien verhaftet. Die belgische Polizei hat den international gesuchten mutmaßlichen Attentäter Salah Abdeslam verhaftet. Das berichtet der Rundfunksender RTL.

Große Trauer nach Terror-Anschlägen in Paris  |  NOEN, APA (AFP)

Bei den islamistischen Anschlägen, zu denen sich die Jihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) bekannte, wurden am Freitagabend mindestens 129 Menschen getötet und 352 weitere verletzt.

Bombenalarm in Brüssel

Im Zentrum von Brüssel gab es am Montag Bombenalarm. Konkret wurde im Europaviertel ein in Frankreich zugelassenes Auto in der Rue Joseph II entdeckt, das einen verdächtigen Koffer enthielt. Dies teilte der belgische christdemokratische Abgeordnete Georges Dallemagne nach Angaben der Tageszeitung "Le Soir" mit. Der Entminungsdienst leitete die Untersuchungen ein, die Straße wurde abgesperrt.

Außerdem gab es einen weiteren Polizeieinsatz in dem als Islamistenhochburg geltenden Stadtteil Molenbeek. Dort wurde eine Person verhaftet. Die Polizei nahm den Vermummten fest. Der Einsatz der Sicherheitskräfte konzentrierte sich auf die Rue Delaunoy und die Rue Ransfort.

Vierter Attentäter identifiziert 

Die französischen Ermittler identifizierten unterdessen einen vierten Selbstmordattentäter, gegen den 2012 in Frankreich ein Ermittlungsverfahren wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung eingeleiteworden war. Laut der Staatsanwaltschaft handelt es sich bei dem Attentäter um einen 28-Jährigen aus Drancy bei Paris. Er wurde demnach am 15. Oktober 1987 in Paris geboren.

Er stand unter richterlicher Überwachung, doch entzog er sich im Herbst 2013 der Überwachung, woraufhin ein internationaler Haftbefehl gegen ihn ausgestellt wurde. 2013 war er laut seiner Familie nach Syrien gegangen.

Einer weiterer Attentäter von Paris stammte womöglich aus Syrien. Die Fingerabdrücke eines der Selbstmordattentäter stimmen nach Angaben der Pariser Staatsanwaltschaft vom Montag mit denen überein, die bei einem Mann registriert wurden, der im Oktober mit syrischem Pass als Flüchtling nach Griechenland eingereist war.

Bei dem mutmaßlichen Syrer handelt es um einen der Selbstmordattentäter vom Stade de France, in dessen Nähe ein syrischer Pass auf den Namen Ahmad al-Mohammad gefunden worden war. Der Inhaber des Passes wurde 1990 im syrischen Idlib geboren. Er war im Oktober als Flüchtling in Griechenland registriert worden. Die Echtheit des Passes müsse aber noch bestätigt werden, betonte die Pariser Staatsanwaltschaft.

Auch wenn offen ist, ob der Pass von dem Attentäter gestohlen, gekauft oder gefälscht wurde, stimmen die Fingerabdrücke des Mannes mit jenen überein, die bei der Registrierung des Flüchtlings in Griechenland aufgenommen wurden. Der Attentäter ist daher offenbar über Griechenland eingereist.

Echtheit des syrischen Passes noch nicht bestätigt

Der Drahtzieher könnte nach Medienberichten der polizeibekannte belgische Jihadist Abdelhamid A. sein. Mindestens einer, wenn nicht zwei der Selbstmordattentäter seien Freunde von A. gewesen, berichtete die belgische Tageszeitung "De Standaard" am Montag unter Berufung auf belgische Sicherheitsdienste. Der Sender RTL meldete ohne Angabe von Quellen, Ermittler hätten A. als Drahtzieher identifiziert. A. gilt bereits seit längerem als der meistgesuchte Islamist Belgiens. Er soll sich zuletzt in Syrien aufgehalten haben. Früher lebte er in dem als Islamistenhochburg bekannten Brüsseler Stadtteil Molenbeek.

Im südserbischen Grenzort Presevo wurde ein Mann entdeckt, dessen offensichtlich gefälschter syrischer Pass auf denselben Namen lautet wie jener, der in Paris neben einem der getöteten Attentäter gefunden worden war. Das berichtete die Belgrader Tageszeitung "Blic" am Montag. Der mit einer Gruppe von Flüchtlingen angekommene Mann sei am Samstag angehalten worden, berichtete das Blatt.

Die Polizei geht laut der Tageszeitung davon aus, dass der Mann in keiner Verbindung zu dem Attentäter von Paris steht. Vielmehr dürfte beide ihren gefälschten syrischen Pass von derselben Person in der Türkei erworben haben. Alle Daten des Passes seien identisch mit jenem des in Paris gefundenen gewesen, nur das Foto sei anders gewesen, hieß es. Die beiden Pässe lauteten laut "Blic" auf einen 26-jährigen Ahmad Almohammad.
 

Einer der mutmaßlichen Attentäter von Paris reiste 2013 in die Türkei ein, von einer Ausreise ist nichts bekannt, teilte ein ranghoher türkischer Vertreter am Montag mit. Die türkischen Behörden hätten Frankreich im Dezember 2014 und Juni 2015 Hinweise zu dem Mann übermittelt. Aber erst nach den Anschlägen hätten die französischen Behörden Informationen über ihn angefordert.

Türkische Sicherheitskräfte identifizierten nach Angaben aus Regierungskreisen einen der mutmaßlichen Attentäter von Paris bereits im vergangenen Jahr als Terrorverdächtigen. Die Türkei habe die französischen Behörden im vergangenen Dezember und erneut im Juni über den Verdächtigen Omar Ismail Mostefai informiert.

Das sagte ein hochrangiger Beamter der Regierung in Ankara am Montag einer Presse-Agentur. "Wir haben jedoch keine Rückmeldung von Frankreich in dieser Angelegenheit erhalten."

Mostefai sei 2013 in die Türkei eingereist. Es gebe keine Daten darüber, wann er das Land wieder verlassen habe. Mostefai wurde als einer der Attentäter identifiziert, die im Pariser Musikclub "Bataclan" Freitagnacht ein Massaker verübten und allein dort mindestens 89 Menschen ermordeten.