Erstellt am 28. März 2015, 12:03

von APA/Red

Gewalt überschattet Präsidentenwahl in Nigeria. Überschattet von Gewalt und Unregelmäßigkeiten hat am Samstag die Präsidentenwahl in Nigeria begonnen. Im Osten des bevölkerungsreichsten Landes Afrikas explodierte nach Polizeiangaben eine Bombe in einem Wahllokal.

Im Nordosten Nigerias tötete die Terrororganisation Boko Haram 15 Menschen. In mehreren Städten blieben Wahllokale zunächst geschlossen, weil die Wahlhelfer nicht erschienen.

Militärmachthaber Buhari als Herausforderer

Bei dem Anschlag von Boko Haram wurden am Samstag in Nigeria mindestens 15 Menschen getötet. Die militanten Islamisten stürmten nach dem Morgengebet das Dorf Barutai im nordöstlichen Bundesstaat Borno und eröffneten das Feuer, wie ein Anrainer sagte.

Rund 56,7 Millionen Nigerianer sind aufgerufen, ein neues Staatsoberhaupt zu wählen. Präsident Goodluck Jonathan bewirbt sich um eine zweite Amtszeit.

Sein aussichtsreichster Herausforderer ist der ehemalige Militärmachthaber Muhammadu Buhari. Dessen Niederlage bei der Wahl 2011 hatte im muslimischen Norden des Landes Unruhen ausgelöst, bei denen 800 Menschen starben. Erste Ergebnisse werden am Sonntag erwartet.

Wahl war um sechs Wochen verschoben worden

Die Amtszeit Jonathans ist geprägt von Korruptionsvorwürfen und dem Aufstand der Islamistenmiliz Boko Haram, die seit fünf Jahren für einen radikal-islamischen Staat im Nordosten Nigerias kämpft. Erst vor wenigen Tagen hatte die Miliz erneut Hunderte Menschen entführt und Dutzende getötet.

Mit Verweis auf die Sicherheitslage hatte Jonathan die Wahl um sechs Wochen verschoben. Die Wahl war ursprünglich bereits für den 14. Februar angesetzt. Die Opposition um Buhari, der seit einigen Monaten an Unterstützung in der Bevölkerung gewinnt, hatte hingegen erklärt, die Demokratische Volkspartei (PDP) von Jonathan habe die Abstimmungen nur verschoben, weil sie von einer Niederlage ausgehen müsse.

Beobachter rechnen mit einem knappen Wahlausgang. Sie räumen dem 72 Jahre alten früheren Militärdiktator Buhari gute Chancen auf einen Sieg ein. Sollte der 57 Jahre alte Amtsinhaber Jonathan tatsächlich unterliegen, wäre es der erste Wahlsieg der Opposition seit Rückkehr des westafrikanischen Lands zur Demokratie 1999.  

Wähler müssen sich zunächst in einem der rund 150.000 Wahllokale registrieren lassen. Vom frühen Nachmittag (13.30 Uhr MEZ) bis zum späten Abend können sie dann ihre Stimme abgeben. Nigerianer wählen meist nach ethnischer Abstammung und Religionszugehörigkeit. Ungefähr die Hälfte der 178 Millionen Nigerianer sind Muslime und etwa 45 Prozent sind Christen, hauptsächlich im Süden des Landes.

Starke Polizeipräsenz von rund 360.000 Polizisten

Um die Präsidentenwahl für sich zu entscheiden, muss ein Kandidat neben einer absoluten Stimmenmehrheit auch mindestens 25 Prozent der Stimmen in zwei Dritteln der 36 Bundesstaaten des Landes gewinnen. 

Zur Wahl stehen zwar 14 Kandidaten, aber läuft klar auf ein Duell zwischen Jonathan und Buhari hinaus. Sollte keiner der Kandidaten die nötige Mehrheit erreichen, wäre in zwei Wochen eine Stichwahl fällig. Bisher war das noch nie nötig. Am Samstag wird auch ein neues Parlament gewählt.

Die starke Polizeipräsenz von rund 360.000 Polizisten soll Ausschreitungen zwischen den politischen Lagern verhindern. Bei der vorangegangenen Wahl im Jahr 2011 waren bei Zusammenstößen Schätzungen zufolge rund 1.000 Menschen ums Leben gekommen.

Jonathan von der regierenden Demokratischen Volkspartei (PDP) verspricht Afrikas stärkster Wirtschaftsmacht politische Kontinuität. Buhari von der Partei der Fortschrittlichen (APC) indes präsentiert sich als Nigerias Retter: Er verspricht, die grassierende Korruption einzudämmen und dem Terrorfeldzug der Boko Haram im Nordosten des Landes ein Ende zu setzen.

Die sunnitischen Extremisten sind seit 2009 jedes Jahr stärker geworden. Seither sind mindestens 14.000 Menschen bei Anschlägen und Angriffen der Islamisten getötet worden, 1,5 Millionen Menschen sind auf der Flucht.