Erstellt am 07. Mai 2014, 14:30

Gletscher schmelzen trotz vielen Schnees stark. Überdurchschnittlich viel Schnee liegt nach dem vergangenen Winter auf den Gletschern der Hohen Tauern.

Die Gletscher verlieren aber weiter extrem stark an Eis. Denn die Schneemenge im Winter beeinflusst die Entwicklung nicht so stark wie die Witterung im Sommer, auch wenn sie das Schmelzen bremst, berichtete die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) am Mittwoch.

Trend am deutlichsten am Großglockner sichtbar

Am deutlichsten zeigt sich der Trend am größten Gletscher Österreichs: In den 15 Jahren von 1998 bis 2012 verlor die Pasterze am Großglockner im Mittel 1,4 Meter an Eisdicke. Im untersten Bereich der Gletscherzunge beträgt der Verlust an Eisdicke sogar bis zu acht Meter pro Jahr. Im Zeitraum 1969 bis 1998 war der Verlust mit im Mittel 0,65 Meter pro Jahr nicht einmal halb so groß.

Die Auswertung der ZAMG-Messungen ergab, dass am Goldbergkees und am Kleinfleißkees in der Sonnblickregion um zehn bis 25 Prozent mehr Wassermasse in der Schneedecke enthalten ist als im Mittel der vergangenen 15 Jahre. Deutlich erkennbar waren in den Schneeprofilen die Schichten mit Sahara-Staub, entstanden Mitte Februar und Anfang April, als mit starkem Südwind der Staub zu den Alpen transportiert wurde.

Unterdessen hat sich das Katastrophen-Hochwasser des Vorjahres mildernd auf den Massenverlust am Dachsteingletscher ausgewirkt. Über die gesamte Fläche gemittelt wurde die Eisschicht von Oktober 2012 bis September 2013 um 35 Zentimeter dünner. Im Jahr davor waren es 123 Zentimeter, 2011 sogar zwei Meter. Der zuletzt gemessene Verlust entspricht aber immer noch 1,05 Mio. Kubikmetern Wasser.

Gute Bilanz 2012 bedeute aber keineswegs eine Trendumkehr

Blue Sky Wetteranalysen und die Uni Innsbruck nehmen seit 2006 im Auftrag der Energie AG und des Landes OÖ die Massebilanzveränderungen am Dachsteingletscher unter die Lupe. Das Vorjahr war geprägt von einem trockenen Winter und einem nassen Frühsommer, erklärte Untersuchungsleiter Klaus Reingruber bei der Präsentation der Daten am Mittwoch.

Die starken Niederschläge im Mai und Juni, die in weiten Teilen das Landes zu massiven Überschwemmungen führten, kamen dem Gletscher zugute: Zur Jahresmitte lagen dort noch zwei Meter Neuschnee und reflektierten Sonnenstrahlung, was das Abschmelzen verringerte und obendrein dämpfend auf das Hochwasser wirkte.

Die vergleichsweise gute Bilanz 2012 bedeute aber keineswegs eine Trendumkehr, betonte Reingruber. Dafür wären vier bis sechs sehr starke Winter nötig. Im Durchschnitt gingen seit Beginn der Analyse 2006 jährlich 2,7 Mio. Kubikmeter Wasser verloren. Besonders stark betroffen sind die Randbereiche, wo die Zungen zerfallen und sich immer weiter zurückziehen. Am Hallstätter Gletscher betrug der längenmäßige Rückgang zuletzt 15, am Gosau-Gletscher sieben Meter. Schmilzt das Eis im gleichen Tempo weiter, ist es 2035 gänzlich verschwunden.